Dem Schicksal ein Gesicht gegeben

Applaus dem norwegischen Komitee für diese Wahl! Der wichtigste Preis der Welt geht an zwei Kinderrechtler, und eine Preisträgerin ist mit 17 selbst noch ein halbes Kind. Sicher, es hätte auch Gründe gegeben, historisch zu denken und 25 Jahre nach dem Fall der Mauer die Ehrung dem greisen Helmut Kohl zukommen zu lassen; oder Gründe dafür, mit einer Entscheidung für einen Edward Snowdon den Finger in offene Wunden westlicher Industrienationen zu legen.

Es ist anders entschieden worden, und das ist gut so. Denn natürlich sind wir alle „für Kinderrechte“, aber ansonsten nehmen wir die Schicksale von Kriegswaisen, Kindersoldaten, Kindersklaven und Kinderbräuten beklommen, aber stillschweigend hin.

Malala nun hat diesen Schicksalen einen Namen und ein Gesicht gegeben. Sie hat in wenigen Jahren ihrer Jugend so viel ertragen, ertrotzt und bewegt, dass es für manch langes Leben reichen würde. Und allein deshalb ist sie trotz ihrer Jugend auch alt genug, die Bürde dieser Ehrung tragen zu können.
Aber Malala Yousafzai steht noch für etwas anderes, als Muslima, als Frau. Sie war 15, ein Schulmädchen, als ihr ein Taliban, ein islamistischer Verbrecher, ins Gesicht schoß. Es sind islamistische Terroristen, die gerade in Syrien und anderswo mit brutaler Gewalt dabei sind, die Frauen ihres Herrschaftsbereichs zu missbrauchen, zu versklaven, wegzusperren, zu degradieren auf die unterste Stufe ihrer grausamen Gesellschaft. Das nicht hinzunehmen, sich dagegen zu wehren – auch das ist der Verdienst der jungen Malala.