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Das Wissen um die große Schuld

05.04.2013 | 19:58 Uhr
Das Wissen um die große Schuld
KZ Auschwitz-Birkenau. Gegen 50 frühere Aufseher des Vernichtungslagers will die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in den nächsten Wochen Vorermittlungen einleiten.

1933 bis 1945. Die Jahre bleiben das Trauma der Deutschen. Es sind die Jahre ihrer großen Schuld in der Geschichte. Politisch. Militärisch. Moralisch natürlich. Am Ende auch: juristisch.

Politisch sitzt Deutschland nicht mehr auf der Sünderbank. Es ist anders, eine sanfte Weltmacht geworden. Militärisch mischt es mit – in Friedenseinsätzen. Moralisch hat es längst um Verzeihung nachgefragt für die sechs Millionen vergasten Opfer der Nationalsozialisten und für die 50 Millionen weiteren Toten, die Hitlers Angriffskriege forderten.

Aber: Hat das Land alles getan, dass die Täter, die überzeugten Fanatiker und die eiskalten Planer des Völkermords, gefasst wurden? Dass sie verurteilt wurden? Dass sie gerechte Strafen erhielten? Dass auch die, die das Morden „nur“ bereitwillig mitmachten, Buße tun mussten?

Die Fragen sind heute, 70 Jahre danach, nur schwer zu beantworten. Die meisten Opfer, Zeugen und Täter sind tot. Das gilt vielfach auch für politisch und justiziell Verantwort­liche der 50er- und 60er-Jahre. Sie haben oft lange gezögert, mit der Schärfe des Strafrechts vorzugehen. Dabei gilt: Mord verjährt nie.

Erst jetzt hat sich ein Wandel in der Rechtsprechung ergeben. Wer die Mörder unterstützte, ist zur Verantwortung zu ziehen. Der Fall Demjanjuk hat der Justiz diesen Weg gewiesen. Sie sollte ihn gehen. Es ist richtig, dass gegen Greise ermittelt wird. Sie müssen nicht ins Gefängnis. Aber sie müssen um die große Schuld in ihrem Leben wissen.

Dietmar Seher


Kommentare
07.04.2013
05:18
Das Wissen um die große Schuld
von Jorgel | #4

"Der Fall Demjanjuk hat der Justiz diesen Weg gewiesen. Sie sollte ihn gehen. Es ist richtig, dass gegen Greise ermittelt wird. Sie müssen nicht ins Gefängnis."

Da tauchen aber doch ein paar Fragen auf:
Zum Beispiel, wie kann ein nicht rechtskräftiges Urteil der Justiz eigentlich den Weg weisen? Nach dem Gesetz gilt die Unschuldsvermutung bis zu einem rechtskräftigen Urteil. Das hat es im Fall Demjanjuk aber nicht gegeben. Er hat also jetzt und in Zukunft als unschuldig zu gelten - und das bei einem wegweisenden Urteil? Beides zusammen geht nicht...

Und die Greise müssen nicht ins Gefängnis? Demjanjuk saß aber zwei Jahre in Untersuchungshaft und wurde nur bis zur Revision auf freien Fuß gesetzt. Ja, was denn jetzt, Gefängnis oder nicht?

So richtig durchdacht hat der Herr Seher seinen Artikel offenbar nicht. Wahrscheinlich hat er gar nicht darüber nachgedacht. Hier hat er nämlich nur wiedergegeben was der leitende Oberstaatsanwalt Schrimm in Interviews von sich gegeben hat...

06.04.2013
14:07
Das Wissen um die große Schuld
von Plastia | #3

Diese widerliche Heuchelei von Zeitungsleuten, die gegen Massenmord an Christen im Heute folgsam ihr Maul halten, sich aber da wo keine Konsequenzen zu erwarten sind, als Moralisten aufspielen, geht mir gehörig auf den Sack!!!!!!!
...und immer schön die Betroffenheitsmine aufsetzen!

06.04.2013
13:43
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

06.04.2013
09:59
Das Wissen um die große Schuld
von JonahGoldt | #1

Die vom Kommentator gestellten rhetorischen Fragen sind wie folgt - und relativ einfach - zu beantworten: 1. Nein, die deutsche Justiz hat entschieden zu wenig getan, um Täter zur Verantwortung zu ziehen.Verurteilungen gab es wenige (im Verhältnis zur Zahl der Beteiligten) und viele Urteile wurden zur Bewährung ausgesetzt oder in zweifelhaften Revisionsprozessen aufgehoben. 2. Eine gerechte Strafe für Völkermord kann es eigentlich nicht geben. 3. "Buße" hat niemand geleistet, sondern gerade die ersten 30 Jahre der Bundesrepublik sind durch Strategien der Pflege von individueller und kollektiver Amnesie geprägt. Ich bin gespannt, ob die nun möglicherweise statfindenden Prozesse über ihre symbolische Bedeutung hinaus etwas für den Umgang der Generationen, die "nicht dabei" waren, bewirken werden. Die interessanteste Frage hier wäre: Was könnte das sein?

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