Das Vermächtnis eines großen Deutschen

Herausragende Persönlichkeiten verschwenden nicht überbordend viele Gedanken darauf, welchen Platz sie einst in den Geschichtsbüchern einnehmen könnten. Der herausragende Staatsmann und Politiker wirkt durch Kraft und Weitsicht seines Schaffens. Richard von Weizsäcker hat nicht einfach nur seinem Land gedient als Bundespräsident und Visionär in mannigfaltiger Funktion. Von Weizsäcker hat Deutschland den Weg in eine Zukunft gewiesen, die selbstbewusst gestaltet wird – aber das Erinnern an die schwärzeste Zeit unserer Geschichte zur ersten Bürgerpflicht erhebt.

Richard von Weizsäckers Rede zur Befreiung vom mörderischen nationalsozialistischen Schreckensregime hat 1985 die bei der Aufarbeitung noch weit verbreitete Hilflosigkeit beendet. Der Bundespräsident, der das Grauen dieses unfassbaren Krieges als Soldat hatte miterleben müssen, erwarb an diesem Tag zudem bei Nachbarn und Verbündeten tiefes Vertrauen. Sein Streben nach Dialog und Versöhnung, das ihn zuvor als ersten Regierenden Bürgermeister Berlins den DDR-Staatsratsvorsitzenden hatte besuchen lassen, festigte den Ruf der Bundesrepublik als höchst verlässlicher Partner.

Richard von Weizsäcker war zehn Jahre lang unser Staatsoberhaupt. Er blieb – fernab von der Grundgesetz-Festlegung auf diese maximale Amtszeit – so etwas wie ein ständiger Bundespräsident, eine moralische Höchstinstanz. Seine Rede am 8. Mai 1985 wird einen Platz in den Geschichtsbüchern behalten. Richard von Weizsäckers Name wird zudem verbunden bleiben mit dem Ritterschlag idealer Amtsführung. Wir tun gut daran, immer wieder sehr genau auf das zu schauen und zu hören, was ein großer Deutscher uns als sein Vermächtnis hinterlassen hat.