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Piratenpartei

Das tragische Versagen der Piraten

26.10.2012 | 18:29 Uhr

Große gesellschaftliche Veränderungen haben immer auch politische Bewegungen hervorgebracht. Die derzeit größte gesellschaftliche Veränderung – vergleichbar mit der Erfindung der Massenmobilität – ist die digitale Durchdringung. Mit jedem internettauglichen Gerät tragen wir immer und überall das Wissen der Welt mit uns. Und wir haben ständig die Chance, uns zu äußern. Das Internet ermöglicht die Teilnahme aller an allen Entscheidungen. Das kann Demokratie wie wir sie kennen lähmen – oder sie beflügeln.Die Piratenpartei hätte zum Kultivator der politischen Landschaft werden können, wäre es ihr gelungen, die dramatischen Veränderungen der Digitalisierung für entscheidende Politikfelder zu formulieren – und Positionen zu beziehen.

Wie gehen wir damit um, dass es nur ein paar Mausklicks bedarf, um anonym Menschen zu diffamieren? Wie gehen wir damit um, dass wir erfahren, wenn neben uns ein ehemaliger Straftäter einzieht? Wie zähmen wir eine irrsinnig gewordene Finanzwelt, die sich von Mikrosekundenschwankungen auf Weltmärkten nährt und langfristige Entwicklungen unkalkulierbar macht? Wie gestalten wir Außenpolitik in Zeiten von Internetrevolution und Internetzensur? Was sollen Kinder in der Schule lernen, wenn sie alles googeln können? Wie schützen wir sie davor, in virtuellen Welten zwischen Porno und Playstation verloren zu gehen? Wie vergüten wir geistiges Eigentum, wenn sich jedes Werk tausendfach kopieren und verbreiten lässt? Wie machen wir die Datenautobahnen verkehrssicher, ohne die Reisefreiheit aller Teilnehmer zu gefährden? Nicht zuletzt: Wie sichern wir die gesellschaftliche Teilhabe derer, die nicht in der Lage sind, an der digitalen Gesellschaft teilzunehmen – und dafür zumindest bei Flugbuchung, Wohnungssuche und Einkauf draufzahlen?

Die Piraten sind in ihrer Selbstbeschäftigung kaum über Fragen von Partizipation und Urheberrecht hinausgekommen – Rücktritte und peinliche Auftritte häufen sich. So viel Selbstbeschäftigung und Selbstzerstörung ermüdet diejenigen, die sich in dieser rasch verändernden Gesellschaft Antworten erhoffen. Weil die Piraten sie (bislang?) nicht geben können, wären die etablierten Parteien gut beraten, diese Lücken zu füllen.

Stephan Hermsen



Kommentare
28.10.2012
13:25
Netzkultur
von Schopenhauer | #3

Ich lebe auch virtuell.

Das Einzige was ich bisher von den Piraten als politische Arbeit erlebt habe ist die auch von mir gezeichnete Bundestagspetition
Urheberrecht - Ablehnung des Leistungsschutzrechts für Presseverlage vom 16.08.2012
Und die lokale Arbeit in Mülheim zum ÖPNV.

Der hinlänglich bekannten phrasenhaften Position zu Anonymität, Freiheit kann ich nicht folgen. Ich verbinde diese PARTEI eher mit ihren Führungsstrukturen und vor meinem inneren Auge sind allerte Mitdreißiger deren Tätigkeit sich bei meiner online-Suche in den google-Treffern bis hin zur Wickipedia zeigt.

In die Öffentlichkeit getragene Intitativen zur Meinungsbildung hingegen vermisse ich.

28.10.2012
09:56
Das tragische Versagen der Piraten
von jokilobi | #2

Wer versagt sind in der Tat Journalisten.
Schade, dass Hermsen wie viele andere nicht die Arbeiten der Arbeitskreise zu kennen scheint. Personalien sind wohl wichtiger, als bis zum programmatischen Bundesparteitag zu warten und die Programmerweiterung zu allen aktuellen politischen Themen zu erfahren. Allerdings müsste man dazu wissen, wie Piraten ticken. Hinweise über die aktuellen Themen findet man auf www.Piratenpartei.de .

26.10.2012
19:06
Das tragische Versagen der Piraten
von Eduard79 | #1

Und als Ergänzung zum im Artikel genannten Fragenkatalog:

Wie gehen wir damit um, dass sich Journalisten in einer immer differenzierteren und schnelllebigeren Medienlandschaft immer öfter dazu hinreißen lassen, etwas in den Himmel zu loben oder kaputt zu schreiben, weil man mit reißerischen Überschriften die ach so nötigen Klicks generieren kann?

Oder anders gesagt: Man muss kein ausgewiesener Freund der Piraten sein, um diesen Artikel etwas zu aufgebauscht, etwas zu endgültig und etwas zu inhaltsleer zu finden.

Der Großteil dieses Artikels besteht nicht aus substanzieller (!) Piratenkritik, sondern aus Fragen, die der Autor nicht beantworten kann. Dass diese Antworten nicht vorliegen, ist aber nicht alleiniges Verschulden der Piraten.

1 Antwort
Das tragische Versagen der Piraten
von RennYuppieRenn | #1-1

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