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Rechtsterrorismus

Das Scherbengericht

18.10.2012 | 19:53 Uhr

Der Rechtsterrorismus wurde von den Behörden grob unterschätzt. Es war ein kollektives Versagen. Aber es gibt nicht viele, die dafür geradestehen. Klaus-Dieter Fritsche eignet sich, um vom NSU-Untersuchungsausschuss an den Pranger gestellt zu werden. Seit 1996 saß der Mann ununterbrochen an einer Schaltstelle, beim Verfassungsschutz, im Kanzleramt, im Innenministerium, wo ihn viele für die graue Eminenz halten. Er konnte sich denken, dass die Abgeordneten ihn als Zeugen hart anfassen würden, und ging in die Offensive. Aber er konnte dabei nur schlecht aussehen. Erstens gilt der Satz von Angela Merkel, wonach die Aufklärung des Rechtsterrorismus nicht so läuft, „wie wir das für richtig halten“. Da kann man als Beamter nicht mehr auftrumpfen. Zweitens sind fast alle Zeugen aus dem Sicherheitsapparat im Nachteil, weil ihre Fehleinschätzungen in den 90ern mit dem Wissen von heute beurteilt werden. Das ist nicht fair, aber fast zwangsläufig. Drittens hat der Ausschuss viel Staub aufgewirbelt.

Inzwischen müssen die Abgeordneten aufpassen, dass es nicht zu kleinteilig wird – wen interessieren alle Details? – und dass sie das Kind nicht mit dem Bad ausschütten. Denn dieselben Verfassungsschützer, denen sie ein schlechtes Zeugnis ausstellen, sollen morgen unsere Demokratie schützen.

Miguel Sanches



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