Das Pfund des Silvesterlaufes von Werl nach Soest

Bei vielen Teilnehmern steht der Spaß im Vordergrund. Foto: Thomas Nitsche
Bei vielen Teilnehmern steht der Spaß im Vordergrund. Foto: Thomas Nitsche
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Was wir bereits wissen
6000 Teilnehmer können nicht irren: Der Silvesterlauf von Werl nach Soest steht auch nach 33 Auflagen hoch im Kurs. Doch die Organisatoren dürfen sich nicht ausruhen und dürfen ein Alleinstellungsmerkmal nie aufgeben. Ein Kommentar.

Achim Heinemann steht seit Stunden auf dem Soester Marktplatz. Erst im feinen Nieselregen, später einfach nur in der Kälte des Silvestertages. Er ist einer von 50 ehrenamtlichen Helfern, welche die Von-Vincke-Blindenschule beim 33. Silvesterlauf von Werl nach Soest stellt. Einer von unzähligen freiwilligen Helfern aus Organisationen oder Vereinen - und er verteilt selbst die zigtausendste Teilnehmer-Medaille mit einem Lächeln.

Das ist der unschlagbare Charakter dieser Erfolgsveranstaltung: Dank ehrenamtlicher Arbeit kann der komplette Erlös einem guten Zweck zur Verfügung gestellt werden. Seit der Premiere 1982 summiert sich die Spendensumme bis zum heutigen Tag auf rund 1,2 Millionen Euro.

Und das ist das Pfund, mit dem die Organisatoren um Ingo Schaffranka wuchern, prahlen müssen, wenn sie den größten Silvesterlauf Deutschlands über die Region hinaus so bekannt machen wollen, dass seine Teilnehmerzahlen nicht nur stagnieren, sondern wieder wachsen und er der größte in der Bundesrepublik bleibt.

15 Kilometer laufen können Läufer woanders auch. Vielleicht ist dort die Strecke sogar abwechslungsreicher. Was es nur bei Werl-Soest gibt, ist die fast brasilianische Atmosphäre in den drei Dörfern, ist das Tour-de-France-Gefühl, wenn die Laufstrecke von den Zuschauermassen verengt wird, und ist das sagenhaft gute Gefühl, dass jeder Schritt für einen guten Zweck getan wird - nicht nur für den am eigenen Körper.

Deshalb bedarf es keiner Top-Stars im Teilnehmerfeld, die teuer bezahlt werden müssen. Deshalb müssen die gefühlt nicht enden wollenden Kilometer zwischen den Städten und Dörfern nicht mit irgendwelchem überdrehten Halligalli aufgehübscht werden.

Die Konkurrenz ist größer als 1982, natürlich. Der demografische Wandel lässt auch die Zahl der Läufer schrumpfen, klar. Daher sind hohe Teilnehmerzahlen beim Silvesterlauf von Werl nach Soest keine Selbstverständlichkeit und müssen erarbeitet werden.

Nur eins darf der Lauf nie verlieren: Seinen wohltätigen Charakter.

Achim Heinemann ist Lehrer an der Von-Vincke-Blindenschule, die von der 12 500-Euro-Spende einen dringend benötigten Pavillon bauen wird. Ohne den Silvesterlauf, ohne die Silvesterläufer und das fantastische ehrenamtliche Engagement der Helfer würde nicht nur dieser Pavillon fehlen.