Das neue Rollenverständnis der Fußball-Trainer

Hofft, dass er bald aus dem Schatten von Jürgen Klopp treten wird: Der künftige BVB-Trainer Thomas Tuchel.
Hofft, dass er bald aus dem Schatten von Jürgen Klopp treten wird: Der künftige BVB-Trainer Thomas Tuchel.
Foto: imago/Uwe Kraft
Was wir bereits wissen
Bei allen Unterschieden hat Thomas Tuchel einiges mit Jürgen Klopp gemeinsam: Er wird in Dortmund auf mehr als bloß die Mannschaftsaufstellung Einfluss nehmen wollen. Das aktuell prominenteste Beispiel für das neue Rollenverständnis der Trainer ist Bayerns Pep Guardiola. Ein Kommentar

Dortmund.. Als Wolfgang Holzhäuser vor zehn Jahren die Trainer als „temporäre Erscheinung“ bezeichnete, hagelte es Kritik. So despektierlich seine Formulierung auch klang – die Zahlen gaben dem damaligen Geschäftsführer von Bayer Leverkusen natürlich Recht. Allein die laufende Bundesliga-Spielzeit verzeichnete bereits acht Trainerwechsel, darunter drei beim HSV.

Pro & Contra Aus heutiger Sicht lässt sich Holzhäusers Aussage eher so deuten, dass der Bayer-Mann schon damals die Gefahr einer zu dominierenden Stellung des Trainers für den Verein sah. Längst geht der Trend dahin, dass Cheftrainer, zumal renommierte, einen Stab von Mitarbeitern mitbringen (dürfen). Wohin es führen kann, wenn sich ein Vorstand seinem Coach ausliefert, zeigt das Beispiel Felix Magath und Schalke. Der gnadenlose Aufräumer brachte nicht nur vier (!) weitere Trainer, sondern auch noch seinen eigenen Pressesprecher mit und ließ auch sonst keinen Stein mehr auf dem anderen. Das Ergebnis: ein vergiftetes Klima, das – mehr noch als die Ergebnisse – zu seiner Entlassung führte.

Klopp: "Hätte sich viel ändern müssen"

Auch in München werden inzwischen Stimmen laut, die Pep Guardiolas Hang zur Perfektion dort an Grenzen stoßen sehen, wo die Strukturen des Klubs betroffen sind. Es ist nicht nötig, die genauen Hintergründe der Verärgerung von Vereinsarzt Dr. Müller-Wohlfahrt zu kennen, um zu ahnen, dass es hier auch um den grundsätzlichen Einfluss des Trainers auf die medizinische Abteilung geht.

Tuchel-Porträt Das neue Rollenverständnis vieler Trainer war auch aus Jürgen Klopps Rückzugs-Begründung herauszuhören: „Wenn ich hier geblieben wäre, hätte sich viel ändern müssen.“ Ein Satz, der Spielraum lässt für Spekulationen über von ihm womöglich schon angedachte Veränderungen beim BVB. Nicht auszuschließen, dass Klopp (was für ihn sprechen würde) noch rechtzeitig jenen Wandel in der Beziehung zu seinen Spielern erkannt hat, den unlängst der Schweizer Eishockey-Erfolgstrainer Arno del Curto (HC Davos) vermutete: „Er ließ seine Mannschaft so großartig spielen. Dann wurde er größer als sein Team. Dass die Spieler davon früher oder später die Schnauze voll haben, ist absehbar.“

Wird Tuchel ähnliche Spuren beim BVB hinterlassen?

Wenn letztlich also auch Klopp in Dortmund – nebenbei: wie wir alle auf dieser Welt – eine „temporäre Erscheinung“ war, so doch eine, die Spuren wie nur wenige vor ihm hinterlässt. Ob dies irgendwann auch über Thomas Tuchel gesagt werden kann? Seine Verpflichtung macht auf jeden Fall Sinn. Dass sich der 41-Jährige in Sachen Außendarstellung und Volksnähe deutlich von Klopp unterscheidet, muss nicht gegen ihn sprechen. Am Ende zählt eh die Adi-Preißler-Weisheit: „Entscheidend ist aufm Platz.“