Bahn-Urteil

Das falsche Signal

Die Luxemburger Richter haben den Blick fürs rechte Maß verloren und ein weltfremdes Urteil gefällt: umgekippte Bäume, die nach einem Orkan auf die Oberleitung fallen; unterspülte Bahndämme nach Hochwasserkatastrophen; Lokführer, die in Massen in den Streik treten, um Lohnforderungen durchzusetzen – auch unter derlei Umständen muss die Bahn künftig die Kunden bei Verspätungen entschädigen.

Dass die Bahn das Urteil umgehend umsetzen will und gestern nicht einmal den Hauch eines Lamentos hören ließ, muss niemanden verwundern. Längst wird man in der Konzernzentrale am Potsdamer Platz ausgerechnet haben, wie viel sich bei der nächsten Preiserhöhung elegant draufsatteln lässt, um die zu erwartenden Entschädigungssummen ausgleichen zu können. Quasi als Risikovorsorge für höhere Gewalten. Auch wenn die Bahn beteuert, die Fahrpreise nicht anzuheben, darf man sicher sein: Dieses Urteil wird der Bahnkunde beim Ticketkauf zumindest spüren.