"Terror - Ihr Urteil"

Contra: Das Fernsehpublikum als Richter?

Warum nur fordert Ferdinand von Schirach in seinem „Terror“-Stück die Zuschauer zu einem Urteil auf? Warum lässt er uns nicht zurück mit unseren Zweifeln? Das Urteil der TV-Zuschauer fällt dabei noch eindeutiger aus als das der Theaterbesucher: Der Pilot, der 164 Passagiere tötet, um 70 000 Zuschauer in einem Stadion zu retten, ist freizusprechen. Das sagten 87 Prozent der Fernsehzuschauer.

Man könnte von Schirach zwei unlautere Motive für seine Dramaturgie unterstellen. Erstens: Nur die Tatsache, dass das Publikum abstimmen darf, macht aus einem sehr nachdenklich stimmenden Stoff einen reißerischen. Zweitens: Das zu erwartende Ergebnis des Votums – nämlich Freispruch – soll uns vor Augen führen, wie weit entfernt juristisch fundierte Urteile von „Volkes Meinung“ liegen können. Verfolgen wir den Ansatz des Schirach-Stückes nämlich konsequent weiter, so könnten wir demnächst im Fernsehen auch abstimmen lassen,
– ob man Entführer im Extremfall foltern darf, damit sie das Versteck des Entführten preisgeben.
– ob man die Todesstrafe einführen sollte, um Terroristen oder Kinderschänder abzuschrecken.

Der Artikel 1 des Grundgesetzes lautet: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wollen wir wirklich im Fernsehen darüber abstimmen? Und warum nicht auch im realen Leben? Ich möchte beides nicht.

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