NSU-Abschlussbericht

Blankes Entsetzen

Ermittlungspannen, leider auch folgenschwere, hat es schon immer gegeben. Im September 1977 etwa, als RAF-Terroristen den damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer entführen und gefangen halten, gibt es Hinweise auf das Versteck. Die vielleicht lebensrettende Information wird schlicht falsch sortiert; dem Hinweis wird nie nachgegangen. Am Ende stirbt Schleyer durch die Hände der Terroristen. Ein fataler Fehler. Ohne jeden Vorsatz. – Der gestern vorgelegte Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses zu den Morden der rechtsradikalen NSU-Terrorzelle in den 1990er- und 2000er-Jahren wirft ein gänzlich anderes Licht auf die beteiligten Ermittlungsbehörden: Er dokumentiert ein Behördenversagen, das blankes Entsetzen auslöst – und an bloße Zufälle oder Versehen nicht mehr glauben lässt.

Es sind Überforderungen und Fehlleistungen, die der Bericht auflistet, eher sogar Begünstigungen oder eine mittelbare Unterstützung, die Behörden, insbesondere der Verfassungsschutz, den Mördern der rechten NSU gewährt haben sollen. Wie viele der zehn Morde hätten verhindert werden können, lässt sich kaum mehr sagen. Wichtig ist, jetzt die notwendigen Konsequenzen schnell zu ziehen und Verantwortlichkeiten zu klären – um aus dem Behördenversagen zu lernen. Das ist die gesamte deutsche Öffentlichkeit den Opfern schuldig.