Berlins Glaubwürdigkeit leidet

Im Rückblick ist es immer noch schwer zu glauben, wie haarsträubend die deutsche Diplomatie den Staatsbesuch des ägyptischen Diktators Abdel Fattah al-Sissi in Berlin verstolperte. Keine politische Konzession wurde dem unangenehmen Besucher vom Nil abgetrotzt, alle Bedenken unter dem Milliarden-Geschäft für den Siemenskonzern begraben. Und wenn nicht Parlamentspräsident Norbert Lammert und eine junge mutige Exilägypterin für einen Moment den Vorhang der Beschwichtigungen und Schönfärbereien zerrissen hätten, hätte man glauben können, Deutschland habe an der neuen Tyrannei in Kairo im Großen und Ganzen nichts mehr auszusetzen.

In dieses dubiose Bild passt auch die spektakuläre Festnahme des Al-Jazeera-Journalisten Ahmed Mansur in Berlin-Tegel, auch wenn die deutsche Polizei den Mann am Ende wohl nicht an die Willkürjustiz Ägyptens ausliefern wird. Trotzdem stellen solche Vorgänge den angeblich so wertefesten und alteingesessenen Demokratien des Alten Kontinents kein gutes Zeugnis aus. Denn bei den Supereinkäufen, die der alerte Sonnenkönig vom Nil mit den Kreditkarten seiner Golf-Gönner tätigen darf, möchte keiner leer ausgehen. Leer ausgehen jedoch wird die demokratische Glaubwürdigkeit Europas, wie die Aktivisten am Nil völlig zu Recht und bitter beklagen.