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Ausritt der Kavallerie

18.10.2012 | 19:35 Uhr
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Ausritt der Kavallerie
Peer Steinbrück bei seiner Rede im Bundestag.Foto: afp

Peer Steinbrück im Bundestag: Ein schneidiger Kavallerist war da zu erleben. Die Frage für den Herausforderer lautet, ob die Europapolitik wirklich das Feld ist, auf dem sein Weizen blühen kann.

Das also war die erste Attacke. Um in Peer Steinbrücks bevorzugter Bildsprache zu bleiben: Ein schneidiger Kavallerist war da am Donnerstag im Bundestag zu erleben, der mit Geschmetter und Geklapper gegen die Amtsinhaberin anritt. Ihre verschanzte Stellung mit Kritiksalven eindeckte. Herausforderer gegen Amtsinhaberin, das Duell ist eröffnet.

Keine Frage, der Mann spielt seine Rolle virtuos. Weiß scharf, prägnant, präzise zu formulieren, da ist er ihr überlegen. Aber das wusste man. Ebenso, wie man vorher schon wissen konnte, was ungefähr er in der Europadebatte sagen würde. Dass bei dieser Kanzlerin alles zu wenig, zu spät sei. Ihr Auftritt in der Krise nicht beherzt genug. Zu zögerlich, zu lavierend, zu ängstlich auf den Beifall des heimischen Publikums schielend. Dass sie vom ersten Tag des Eurodebakels an mit Geld hätte schmeißen müssen.

Steinbrück und die Sozialdemokraten sagen das seit zweieinhalben Jahren. Genauso lange mögen ihnen die Menschen darin nicht folgen. Unter den Kritiksalven der Opposition sind die Popularitätswerte der Kanzlerin stetig gestiegen.

Die Frage für den Herausforderer lautet, ob die Europapolitik wirklich das Feld ist, auf dem sein Weizen blühen kann. Jenseits des Getöses fehlt ihm nämlich die Alternative. Der Wirtschaftsweise im Kandidatenstand weiß es auch nicht besser, wie der Euro zu retten ist. Im Unterschied zu ihm ist die Amtsinhaberin aber zum Handeln in der Lage. Letztlich wird sich die Frage stellen, bei wem sich die Menschen in der Krise besser aufgehoben fühlen. Beim schneidigen Kavalleristen. Oder einer glanzlos bedachtsamen Pragmatikerin.

Winfried Dolderer

Kommentare
19.10.2012
12:20
Ausritt der Kavallerie
von meinemeinungdazu | #3

Steinbrück hat sein Können beim Niedergang der WestLB reichlich bewiesen. Siehe WDR-Dokumentation. Wollen wir so einen Kanzler? Redenkönnen ist noch lange nicht realitätsnahe und bürgernahe Politik. Bis jetzt vermisse ich jedes Programm von Steinbrück, außer die üblichen Steuererhöhungen, wofür ja Rot-Grün bekannt sind. Nein, Merkel hat es leicht.

19.10.2012
09:48
Auftritt des Maulhelden
von karmey | #2

Steinbrück ist, wenn überhaupt, ein Kavallerist des Wortes und nicht der Tat. Er redet viel und handelt wenig. Als er Bundesfinanzminister war, haben die Vermögenden ihre Steuern hinterzogen wie heute und ihr Geld in die Schweiz gebracht. Steinbrück stand daneben und drohte in Kameras und Bild den Schweizern mit der Kavallerie. Er und seine Bürokratie hätten jedoch damals schon die Möglichkeit gehabt, mit den Schweizer Behörden zusammen den Steuerhinterzug deutscher Bürger zu bekämpfen. In seiner Zeit als Finanzminister gab es jedoch keine Ersuchen deutscher Finanzämter an die Schweizer Behörden um Auskunfterteilung, auch nicht vom Bundesfinanzministerium. Die Kooperation mit den Schweizern wurde erst gar nicht versucht.

Steinbrück drischt lieber schnoddrig populistische Phrasen in die Kameras, statt seine Arbeit zu machen, für die er vom Steuerzahler bezahlt wird, nämlich dafür zu sorgen, dass alle Bürger in Deutschland ihre Steuern bezahlen und nicht nur die Arbeitnehmer.

19.10.2012
07:56
Ausritt der Kavallerie
von donfernando | #1

Besonders geschickt ist das nicht, wenn da einer vom hohen Ross abgedroschene Kampflieder singt. Die Amtsinhaberin dagegen wirkt so, als würde sie erst denken, und dann den Mund aufmachen. Und da es sich in Sachen Europapolitik und Euro um ein ziemlich unsicheres Terrain handelt, erscheint es nur natürlich, dass sie manchmal auch wieder zurück denken muss.

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