Das aktuelle Wetter NRW 2°C
Niedergang der FDP

Aus der Zeit gefallen

27.12.2012 | 19:29 Uhr
Funktionen

Philipp Rösler hat sie gern erzählt, die Geschichte mit dem Frosch. Wirft man den Frosch in heißes Wasser, springt er raus. Wirft man ihn dagegen in kaltes Wasser und dreht die Temperatur langsam höher, dann merkt der Frosch zunächst nichts. Und wenn er etwas merkt, ist es zu spät. Rösler hat diese Geschichte im Mai 2011 erzählt, als er zum Parteichef einer am Boden liegenden FDP gewählt wurde; damals, um zu illustrieren, wie das so ist mit dem schleichenden Verlust von Freiheitsrechten. Heute liegt die FDP noch immer am Boden. Und Rösler hat das Schicksal des Frosches ereilt. Seine Parteifreunde erhöhen die Temperatur. Langsam, aber stetig. Der Unterschied: Rösler merkt genau, was geschieht. Es quält ihn.

Er strampelt sich verzweifelt ab. Bei der Landtagswahl in Niedersachsen entscheidet sich sein politisches Schicksal. Jetzt versucht er es mit dem Griff in die liberale Mottenkiste. Privatisierungen! Weniger Staat! Kein Mindestlohn! Flexibilisierung des Arbeitsmarktes!

Natürlich fallen diese Forderungen aus der Zeit. Die Bürger wissen aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre: Der Markt allein kann es nicht richten, weil er nicht dem Allgemeinwohl verpflichtet ist. Der Staat darf sich nicht zu Tode verschlanken, sondern muss die Daseinsfürsorge garantieren. Die Bürger wissen auch: Eine weitere Verwässerung von Arbeitnehmerrechten und die Ausweitung von Niedriglohnjobs wird zu einer Vergrößerung der Kluft zwischen Arm und Reich führen.

Aber Rösler will auch gar nicht mehr Politik für die Mehrheit machen, Antworten liefern für „die Lebenswirklichkeit und Alltagssorgen der ganz normalen Menschen“, wie er es bei seiner Antrittsrede im Mai 2011 verkündet hatte. Die parteiintern und auch von ihm so heftig kritisierte thematische Verengung ist jetzt bei ihm – aus der Not geboren – wieder Programm. Er will zumindest das Kernklientel der Liberalen mobilisieren, Unternehmer, Selbstständige, Besserverdienende.

Das Problem: Ein Gutteil dieses Klientels wählt jetzt die Grünen. Das garantiert Besitzstandswahrung und ein ruhiges Gewissen, eine Kombination, die die FDP einfach nicht bieten kann; zumal die Liberalen sich von der Ökopartei auch ihr einstiges Leib- und Magenthema, die Bürgerrechte, haben wegnehmen lassen. Und, ganz nebenbei: Die Grünen kämen wohl nie auf die Idee, Frösche zu Tode zu sieden.

Jan Jessen

Kommentare
28.12.2012
17:26
Aus der Zeit gefallen
von GermanRobinHood | #4

Jessen steht für Sozialismus pur. Es wird Zeit, daß mit dem Sozialismus bei der Presse und den linken Journalisten begonnen wird. Dann ist Schluß mit freien Kritzelfritzen. Dann kommt der große Auftritt vom linken Jessen. Er sehnt den Sozialismus förmlich herbei. Der Rest der freien Journalisten landet ruckzuck im heißen Jessen-Wasser.

28.12.2012
14:43
Libertär gegen rot
von RANRW | #3

Immer wenn ich Kommentare von Herrn Jessen (oder auch Herrn Hautkapp) lese gruselt es mich irgendwie vor der ganzen Staatsgläubigkeit und Sozialromantik. Brrr...

28.12.2012
11:39
Aus der Zeit gefallen
von Schwarz-Gelb | #2

Es ist mir unbegreiflich, dass man einer Partei die keine 5% der Wählerstimmen im Lande auf sich vereinen kann, so viel Aufmerksamkeit schenkt.

28.12.2012
10:32
Aus der Zeit gefallen
von Syndikus | #1

Wo und wann hat Herr Rößler denn bitte behauptet, dass "der Markt alles allein richten könne?". Mit jemandem, der offenbar den Mindestlohn für das Allheilmittel gegen alle Härten der Welt hält (und ihm keinerlei Negativeffekte beimißt?), braucht man darüber aber wahrscheinlich nicht ernsthaft zu diskutieren. Man darf in dem Zusammenhang aber durchaus daran erinnern, dass insbesondere die politisch gelenkten Landesbanken große Probleme in der Finanzkrise hatten und haben. Und haben wir tatsächlich ein "zu wenig an Staat"? Und gibt es wirklich jemanden, der ernsthaft behaupten wollte, dass Deutschland nicht hoffnungslos überreguliert wäre? Oder gar jemanden, der ein zu wenig an Beamten beklagen würde? Dass wirkliche Propblem der FDP ist, all diese gesellschaftsrechtlichen Probleme nicht ernsthaft und entschlossen anzugehen - dafür wurde sie nämlich bei der letzten Bundestagswahl von so vielen Wählern gewählt (die sich schon damals für "Grün" hätten entscheiden können).

Aus dem Ressort
Warum der Fußball aus der Doping-Geschichte lernen muss
Anti-Doping-Kampf
Eine Evaluierungskommission hat herausgefunden, dass früher auch im Fußball gedopt wurde. Konkrete Namen gibt es jedoch nicht. Ein Kommentar
Erfolge ja, Erbfolgen nein
NRW-Grüne
Es ist ein überraschender Personalwechsel, den die nordrehin-westfälischen Grünen vollzogen haben. Ob sich mit ihm ein Kurswechsel verbindet, ist...
Recht auf Leben
Contra Bluttest
Schon heute bekommen Eltern von Kindern mit Down-Syndrom den bösen Spruch „Das muss doch heutzu­tage nicht mehr sein“ zu hören. Wird bei einer...
Frühes Wissen hilft
Pro Bluttest
Nicht der Test ist problematisch, sondern die Umstände sind es oft. Unser Alltag bietet noch viel zu wenig Möglichkeiten für Menschen, die anders...
Am Ende könnte es um Jobs gehen
Politik
Erst war die Leverkusener Brücke Schrott, nun macht die Neuenkamper schlapp. Es werden sicher mehr. Und halten die alten Brücken nicht durch, bis neue...
Polizei erhöht den Druck
Islamisten
Natürlich geraten die Behörden schnell in Erklärungsnöte, so wie zuletzt in Braunschweig nach der Absage des Karnevalumzugs.
Ein Bluttest ist nicht unethisch
Gendiagnostik
Mit einem einfachen Bluttest kann eine werdende Mutter feststellen lassen, ob ihr Kind mit dem Down-Syndrom oder anderen Erbgut-Defekten geboren...
Das Leid der Kinder
Edtahy-Prozess
Warum konnte er sich erst vor dem Staatsanwalt durchringen, das Bestellen von Kinderpornos zu gestehen? Warum war er nicht gleich aufrichtig? Es ist...
Riskantes Experiment
Staatsanleihen-Aufkauf
In Europa hat gestern das größte geldpolitische Experiment der jüngeren Geschichte begonnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft jeden Monat...
Richtig entschieden
Poltik
Vielleicht hat ein falscher Alarm halb Bremen lahm gelegt. Natürlich geraten die Behörden schnell in Erklärungsnöte, so wie zuletzt in Braunschweig...
Putin und die Geister, die er rief
Kritik
Boris Nemzow wollte keine Leibwächter. Er wollte sich nicht einschüchtern lassen. Jetzt ist er tot. Hinterrücks erschossen vor den Toren des Kreml.
Entscheidende Unterschiede
Fussball
Schalke 04 hat das Revierderby bei Borussia Dortmund mit 0:3 klar verloren. Viel bitterer als die Niederlage war aber das Auftreten der...
Drachme statt Drama
Griechenland
Die Griechen haben ihre Chance gehabt und zu wenig genutzt. Die Verlängerung der EU-Hilfe ist eine Atempause. In vier Monaten haben sie das gleiche...
Die Kinder sind die größten Verlierer
Edathy
Der Prozess gegen den SPD-Politiker Sebastian Edathy wegen des Besitzes von Kinderpornografie ist eingestellt. Was bleibt, sind nur Verlierer. Den am...
Anders wäre es nicht gegangen
Griechenland
Auch wenn es 45 Abgeordnete nicht begreifen wollten: Es gibt letztlich keine akzeptable Alternative zur viermonatigen Verlängerung des...
Ein Kampf um Leben und Tod
Keime
In der Viehzucht werden Antibiotika heute bedenkenlos und maßlos eingesetzt. Profit geht hier vor Menschenverstand. Das hat Folgen.
Fifa liefert Beleg für Verdorbenheit
WM in Katar
Dass die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 nicht – wie sonst immer – im Sommer, sondern in der Vorweihnachtszeit stattfinden soll, unterstreicht einmal...
Eigenartige Logik
Masern
Eine Impfpflicht, wie von vielen gefordert, sollte nicht nötig sein. Die große Mehrheit der Deutschen ist geschützt. Davon profitieren übrigens auch...
Argwohn allein reicht nicht mehr
BAG-Urteil
Höchstrichterlich ist nun entschieden, dass misstrauischen Chefs längst nicht alles erlaubt ist, was ihnen bei der Kontrolle von missliebigen...
Überforderung ist kein Versagen
Pflege
Der Tod einer Aachenerin, die von ihrer Tochter offenbar völlig unzureichend gepflegt wurde, ist ein furchtbarer Einzelfall. Doch in der häuslichen...
Hemmschwelle bereits auf dem Tiefpunkt
Pränataldiagnostik
Ein Kommentar von Nina Grunsky
Putin würden wir es zutrauen
Mord in Moskau
Der Zustand einer Demokratie offenbart sich vor allem in ihrem Umgang mit Andersdenkenden. Oppositionelle in Russland leben gefährlich; sie werden...
Bisher hatten wir einfach Glück
Terror-Alarm
Gut möglich, dass ein falscher Alarm halb Bremen lahm gelegt hat. Die Behörden geraten schnell in Erklärungsnöte, so wie zuletzt in Braunschweig nach...
Problembewusstsein schärfen
Klinik-Keime
Manchmal hilft der Blick in die Nachbarschaft: Den Niederlanden ist es gelungen, den Antibiotika-Einsatz in der Tiermast um 58 Prozent zu reduzieren....
Aus historischer Verantwortung
Griechenland
Die Pflicht der Deutschen erfüllen, alles zu tun, damit Europa zusammenbleibt und gleichzeitig den Druck auf die Regierung in Athen hoch halten. Das...
Dämmen ist nur für die Dummen
Gebäudesanierung
Im November noch legt Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel den Turbo ein. Er gibt die Losung aus: mehr Effizienz beim Energieverbrauch. Das...
Solides Etappen-Treffen
Kommentar
Die Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe in Hildesheim könnte man als ein Etappen-Treffen umschreiben. Es standen mehr Verabredungen als...
Der falscheste Ort
Kommentar
Amerika, notorisch vor sich selbst auf der Hut, bleibt auch nach Missoula ein bis an die Zähne bewaffnetes Land, in dem Tag für Tag geschossen wird.
Die zweite Chance fürs Königreich
Referendum
Die Schotten haben sich in ihrem Referendum gegen die Unabhängigkeit entschieden - und für den Verbleib im Vereinigten Königreich. Das ist gut, aber...
Die Vernunft der Schotten muss belohnt werden
Kommentar
Die Schotten haben sich in ihrem Referendum gegen die Unabhängigkeit entschieden - und für den Verbleib im Vereinigten Königreich. Das ist gut, aber...
Aus dem Ressort
„Lichtgrenze“, das Wort des Jahres, das keines ist
Sprachverirrung
Die Sprachwissenschaftler, die alljährlich eine Buchstabenkombination als die „des Jahres“ küren, müssen sehr verzweifelt gewesen sein. Hier ein...
„Lichtgrenze“, das Wort des Jahres, das keines ist
Sprachverirrung
Die Sprachwissenschaftler, die alljährlich eine Buchstabenkombination als die „des Jahres“ küren, müssen sehr verzweifelt gewesen sein. Hier ein...
Weltoffene Schützen
Muslimischer...
Im Leben geht bekanntlich mancher Schuss daneben. Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften tut sich keinen Gefallen mit einer...
Auf dem falschen Weg
Bundesliga-Sicherheitskon...
Ein Kommentar von
Segen und Fluch zugleich
Politik
Ein Kommentar von
Fotos und Videos
article
7428507
Aus der Zeit gefallen
Aus der Zeit gefallen
$description$
http://www.derwesten.de/meinung/aus-der-zeit-gefallen-cmt-id7428507.html
2012-12-27 19:29
Meinung