Aus dem Chaos

Andre Breitenreiter wird Trainer beim FC Schalke 04.
Andre Breitenreiter wird Trainer beim FC Schalke 04.
Foto: dpa

Die erste Reaktion ist naheliegend: Andre Breitenreiter ist als neuer Trainer des FC Schalke 04 lediglich dritte Wahl und der selbst ernannte Kumpel- und Malocherklub aus Gelsenkirchen ein Hort des wenig professionellen Chaos.

Aber ist dem wirklich so? Ist Andre Breitenreiter dritte Wahl, nur weil einige Medien in Markus Weinzierl und Marc Wilmots die Top-Kandidaten auf die Nachfolge von Roberto Di Matteo sahen?

Horst Heldt, Schalkes Manager, kommentierte in den vergangenen Tagen keine Namen, die in der Öffentlichkeit gehandelt wurden. Auch Aufsichtsrats-Boss Clemens Tönnies, eine oft kaum zu stoppende Plaudertasche, hielt sich erfreulicherweise zurück. Vielmehr führte Heldt parallel Gespräche mit mehreren Kandidaten, die dem Eignungsprofil entsprachen.

Das ist in erster Linie professionell und weit weniger chaotisch, als das, was in den Wochen zuvor bei den Königsblauen passierte. Wäre Breitenreiter eine Notlösung, hätte er außerdem kaum so kurz nach der öffentlich gewordenen Absage von Weinzierl präsentiert werden können. Und Wilmots? Der Belgier äußerte sich ja noch gar nicht zum Thema.

Andre Breitenreiter ließ beim SC Paderborn Offensiv-Fußball spielen, der über weite Phasen der Saison Fans und die Fachwelt begeisterte. Und überraschte. Er entwickelte Spieler weiter, die aus unteren Klassen oder der Jugend kamen. Er identifizierte sich mit dem Klub und seiner Aufgabe.

Einen solchen Mann suchte Schalke. Einen solchen Mann benötigt Schalke. Fehlende Meriten ändern daran nichts.

Gleichwohl muss Breitenreiter nun unter Beweis stellen, dass er mit der dauerhaften Unruhe rund um die Profimannschaft auf Schalke und mit vermeintlichen Stars umgehen kann. In Paderborn herrschte eine vergleichsweise heimelige Atmosphäre, die ihn ab und an trotzdem überstrapazierte. Aber Andre Breitenreiter ist lernfähig – und absolut ehrgeizig. Der Schalker Anspruch, um die Qualifikation zur Champions League mitspielen zu wollen, wird ihm schon beim Trainingsauftakt in Fleisch und Blut übergegangen sein.

Seine Verpflichtung kann ein erster Schritt raus aus dem Chaos sein – wenn das unmittelbare Umfeld mitzieht.