Auf Minister Müller hören

Migration ist kein Problem, das man lösen kann. Es ist eine Realität, die man managen muss“, sagt William Lacy Swing, Chef der Genfer Internationalen Organisation für Migration. Der Mann hat recht. In seiner Erkenntnis stecken die beiden Hauptprobleme der Flüchtlings- und Migrationspolitik der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten: Den Bürgern wird durch Geschäftigkeit und vollmundige Bekenntnisse vorgegaukelt, man sei auf gutem Wege, ihnen die unangenehme Realität vom Halse zu schaffen. Und es wird unterschlagen, dass ein anständiges und effektives Management viel höheren Einsatz erfordert, als die Europäer bislang zu leisten bereit sind.

Wie schon beim Projekt „Zerstörung von Schlepper-Booten“ sind die Pläne der EU-Kommission für die faire Verteilung der Flüchtlinge mit glühender Nadel gestrickt. Wie das im Einzelnen funktionieren soll, ist unerfindlich.

Jeder siebte Erdenbewohner ist Migrant – das ist „die Realität“. So einfach, so billig wie bislang, ist deren Management durch die Wohlstandszone Europa nicht zu haben. Wie wäre es mit einem EU-Flüchtlingsfonds mit zehn Milliarden Euro und fairen Preisen für Kakao- und Kaffeeproduzenten in der Dritten Welt? Beides fordert Entwicklungsminister Gerd Müller. Den CSU-Mann nehmen bei uns nicht viele wahr und noch weniger ernst. Vielleicht ein Fehler.