Organ-Transplantationen

Auf Herz und Nieren geprüft

Ein Kommentar von Nina Grunsky

Das System ist jetzt auf Herz und Nieren untersucht. Mit der Diagnose, dass es doch nicht so krank ist wie vielleicht von manchem befürchtet. Nachdem in den Jahren 2012 und 2013 gleich mehrere Fälle von Manipulationen bei Organvergaben aufgedeckt worden waren, scheinen die nun aufgedeckte Verstöße vergleichsweise harmlos. Dokumentationsfehler. Keine bewussten Täuschungen – bis auf die aus dem Herzzentrum Berlin bekannt gewordenen Fälle.

Das ist ohne jeden Zweifel schlimm – rechtfertigt aber in Zukunft nicht mehr die dramatisch niedrigen Organspendezahlen. Und schon gar nicht die geringe Bereitschaft vieler Menschen, sich als potenzieller Organspender auszuweisen. Denn die Skandale liegen in der Vergangenheit. Längst scheint das System kuriert: Statt eines Arztes wacht nun eine ganze Gruppe darüber, wer auf welchen Platz der langen Warteliste kommt. Und selbst zu Zeiten, als noch manipuliert wurde, sind Organspenden nicht vergeudet worden. Sie haben Menschenleben gerettet – wenn auch nicht immer diejenigen, die in der Liste ganz vorn standen. So viel Selbstkritik gehört dazu, dass die geringe Bereitschaft solche Skandale befördert: Gäbe es mehr Spenden, wäre die Verzweiflung, die zum Betrug verleitet hat, vielleicht nicht ganz so groß. 1000 Menschen die jedes Jahr ohne Spenderorgan sterben – das sind unnötig viele.