Olympia

Auch in der Medaillen-Hochrechnung gilt - Schweigen ist Gold

Fuhren mit der Konkurrenz Schlitten: Deutschland fleißigste Medaillensammler(innen) in Sotschi.
Fuhren mit der Konkurrenz Schlitten: Deutschland fleißigste Medaillensammler(innen) in Sotschi.
Foto: REUTERS

Mit den sogenannten Zielvorgaben hat der deutsche Sport schlechte Erfahrungen gemacht. Mehr Zurückhaltung hätte auch diesmal den professionellen Medaillen-Hochrechnern gut getan. Ein Kommentar

Essen.. Manche mögen diese Tabelle kritisch sehen, weil sie nationalistische Tendenzen verstärken könnte – an ihr vorbei kommt bei Olympischen Spielen niemand. Die Rede ist vom Medaillenspiegel, den es in zwei Varianten gibt. Bei der ersten orientiert sich die Reihenfolge der Nationen an den gewonnenen Goldmedaillen, bei der zweiten an der Zahl aller Medaillen. Dreimal dürden Sie raten, welche Version die aufgeführten Länder bevorzugen.

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sport-Bundes, ist jedenfalls zur Halbzeit der Winterspiele in Sotschi „rundherum zufrieden“ mit der ersten Version, die Deutschland vorne sieht (bei der anderen ist es Platz 6). Dabei hatte er nach den ersten beiden Wettkampftagen, an denen nur eine Goldmedaille durch den Rodler Felix Loch zu Buche stand, schon gemosert: „Die ein oder andere Medaille mehr hätte es schon sein dürfen.“

Sieben Goldmedaillen haben den 53-jährigen Unternehmer besänftigt. Dabei kann so ein Medaillenspiegel auch leicht ein Zerrspiegel sein. Sagt er doch im konkreten Fall mehr über die deutsche Stärke im Rodeln (viermal Gold) als im Wintersport allgemein aus.

Keine falschen Hoffnungen wecken

Nicht um schwarz zu malen, sondern um keine falschen Hoffnungen zu wecken: Die 30 Medaillen von Vancouver, die DOSB-Generalsekretär Michael Vesper als Mindestziel für Sotschi ausgegeben hat, wird die deutsche Mannschaft diesmal höchstwahrscheinlich nicht einmal annähernd erreichen, obwohl es zwölf Wettbewerbe mehr als 2010 gibt.

Das wäre nicht weiter schlimm. Höchstens für die professionellen Medaillen-Hochrechner. Vielleicht aber erkennen die ja eines Tages auch noch, dass sie mehr gewinnen können, wenn sie beherzigen, was der Volksmund sagt: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

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