Atomkraftwerke im Visier

In der Urkaine steht die weltweit größte Atomruine Tschernobyl. 15 Reaktoren an anderen Standorten versorgen die Ukraine mit Strom.
In der Urkaine steht die weltweit größte Atomruine Tschernobyl. 15 Reaktoren an anderen Standorten versorgen die Ukraine mit Strom.
Foto: Archiv/dpa

Wer könnte so wahnsinnig sein, ein Atomkraftwerk anzugreifen? Die Folgen einer Kernschmelze kennen die Menschen in der Ukraine: In Tschernobyl ruht der einstige Stolz der Atomindustrie in einem Betongrab. Mit derselben Inbrunst kann man fragen: Wer könnte so wahnsinnig sein, ein Passagierflugzeug abzuschießen? Die Trümmer der Boeing 777 liegen verteilt auf ostukrainischen Feldern.

Mit Vernunft und guten Argumenten wird man die Atomkraftwerke also nicht sichern können. Alle Anzeichen deuten im Gegenteil darauf hin, dass sich die militärischen Konflikte ausweiten werden.

Was soll eine Nato-Delegation, was soll ein Trupp Soldaten vor den Toren eines Atomkraftwerks bewirken? Zumal Experten darauf hinweisen, dass kein direkter Beschuss nötig ist, um das System gefährlich ins Wanken zu bringen. Schon ein Anschlag auf die Hochspannungsleitungen, eine Zerstörung der Masten kann das Stromnetz destabilisieren, mit direkten Folgen für die Kraftwerke.

In der Krisenpolitik des Westens und auch Deutschlands spielten die Atomanlagen in der Ukraine bislang keine bemerkbare Rolle. Die Bundesregierung verlässt sich auf die seit der Krise erhöhten Sicherheitsmaßnahmen und führt „keine Gespräche zur Sicherheitslage an den Kraftwerken“, hieß es noch im Juli in einer Antwort auf die Fragen besorgter Bundestagsabgeordneter. Dies dürfte in Zukunft kaum ausreichen.