Angewandter Machiavellismus

Konzernchef Martin Winterkorn - hier auf der Hannover Messe - steht in der Kritik.
Konzernchef Martin Winterkorn - hier auf der Hannover Messe - steht in der Kritik.
Foto: Jochen Lübke

Auf eines kann man sich verlassen. Im Reiche des Ferdinand Piech wird es nie längere Zeit langweilig. Die Ränkespiele des Patriarchen haben hohen Unterhaltungswert, sind meist Lehrstücke in angewandtem Machiavellismus.

Kaum einer beherrscht das so gut wie Piech, mit einem Nebensatz lächelnd ein Erdbeben auslösen. Und, das muss man ihm zugute halten: keiner der von ihm kaltgestellten Top-Manager ist tief gefallen mit Ausnahme von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

Piech wird den Machtkampf gewinnen

Immer hatte Piech fachliche Gründe für seinen Schritt. Und so wird es auch im Falle von VW-Chef Winterkorn sein: Jahrelang hatte man sich in Wolfsburg an der Vorstellung berauscht, beim Absatz demnächst an Toyota vorbeizuziehen und Nummer 1 in der Welt zu werden.

Tatsache ist aber. Das Geschäft im wichtigen US-Markt lahmt, die Zusammenführung der Lkw-Marken ist schwierig, der Ausbau der Elektromobilität stockt. Und, vor allem: Der Konzern wirtschaftet zu teuer, Einschnitte sind gegen den Widerstand des bei VW starken Arbeitnehmerflügels nicht durchsetzbar.

Piech wird diesen Machtkampf gewinnen, das steht fest. Aber er lähmt VW. Aspiranten bringen sich für die Nachfolge Winterkorns in Stellung. Das kostet Zeit, die der Konzern auf die Behebung seiner operativen Schwächen verwenden sollte.