Isaf-Mission

Afghanistans ungewisse Zukunft

Bundeswehrsoldaten bei einer Patrouille in Kabul. 13 Jahre war die Nato in Afghanistan im Einsatz.
Bundeswehrsoldaten bei einer Patrouille in Kabul. 13 Jahre war die Nato in Afghanistan im Einsatz.
Foto: Peter Kneffel/Archiv

Die Isaf-Mission in Afghanistan ist Geschichte. Mit einer Zeremonie nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat die Nato gestern in Kabul einen Schlussstrich unter das gezogen, was eigentlich als kurzfristige Unterstützungsmission geplant war, aber schnell zu einem Kampfeinsatz wurde, der 13 Jahre dauerte. Fast 3500 Soldaten aus zwei Dutzend Ländern sind in dieser Zeit in Afghanistan gefallen, darunter 55 Deutsche. Zehntausende afghanische Zivilisten und Sicherheitskräfte starben. Als Erfolg können den Einsatz nur Menschen bezeichnen, die das von Berufs wegen tun müssen, also hohe Militärs und Politiker.

Es ist ja richtig: In Afghanistan ist in diesem Jahr zum ersten Mal ein unblutiger und demokratischer Machtwechsel gelungen. Mädchen können vielerorts die Schule besuchen. In den ruhigeren Provinzen wie Herat ist eine Generation herangewachsen, die mit Optimismus in die Zukunft schaut und die ihren Teil dazu beitragen will, dieses Land aufzubauen, das seit mehr als 30 Jahren von Krieg und Gewalt gepeinigt wird. In den vergangenen Jahren sind Hunderttausende junger Männer und Frauen ausgebildet worden, um den Kampf gegen die Taliban aufzunehmen.

Es wäre aber naiv anzunehmen, dass diese positiven Veränderungen Garanten für Stabilität und Frieden in Afghanistan sind. Die Fakten sprechen leider eine andere Sprache: Im Süden und Osten des Landes können sich die Taliban frei bewegen. Allein in diesem Jahr starben bei Kämpfen und Anschlägen über 6000 afghanische Sicherheitskräfte und weit mehr als 3000 Zivilisten. Die Korruption blüht genauso wie der Drogenanbau, die Wirtschaft liegt am Boden, das Land ist nahezu vollständig abhängig von finanzieller Hilfe der Staatengemeinschaft. Die Sicherheitslage in Afghanistan ist mindestens so prekär wie jene im Irak nach dem Abzug der US-Amerikaner.

Nein, dass die Nato jetzt den Isaf-Einsatz beendet, hat nichts damit zu tun, dass man in Afghanistan einen erfolgreichen Job gemacht hat – der Rückzug ist allein der Kriegsmüdigkeit in den Truppenstellerländern geschuldet. Dass die Nachfolgemission „Entschlossene Unterstützung“ genannt wurde, werden viele Afghanen mit einem bitteren Lächeln quittieren – sie verstehen die Mission als das, was sie ist, nämlich ein Feigenblatt, um das Versagen der Internationalen Gemeinschaft zu kaschieren. Was bleibt von der Isaf-Mission ist die Erkenntnis, dass der Aufbau von Nationen, von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nicht herbeigebombt werden kann. Eine einfache Erkenntnis – die Zehntausende Menschenleben und Hunderte Milliarden Dollar gekostet hat.