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Ärztehonorare

Ärzteprotest - die Grenzen des Verständnisses

10.10.2012 | 20:07 Uhr

Der Streit um die Honorare der niedergelassenen Ärzte ist am Grünen Tisch beigelegt worden. Drei bis vier Prozent bekommen die Mediziner mehr. Trotzdem standen manche Patienten gestern an Rhein und Ruhr vor verschlossenen Praxen. Klingt, als bekämen die Ärzte den Hals nicht voll, die – nicht zu vergessen – ohnehin in den vergangenen fünf Jahren ein sattes Honorarplus von 17 Prozent verbuchen konnten. Aber: Zum einen hat sich gestern mit den freien Ärzteverbänden nur eine Minderheit an den Protesten beteiligt; zum anderen richtet sich die Kritik zwar auch, aber nicht nur gegen die Höhe der Vergütung, sondern auch die Art und Weise, wie sie ermittelt wird. Die Berechnung der ärztlichen Honorare ist in der Tat von einer abstrus anmutenden Komplexität und führt zu Verteilungs-Ungerechtigkeiten. Eine Entflechtung dieses Dickichts ist in der Tat bitter nötig; gleichzeitig aber auch eine kritische Auseinandersetzung mit der ärztlichen Selbstverwaltung, die ein gerüttelt Maß Mitschuld an der Misere trägt und an Bürokratismus und Intransparenz krankt.

Jetzt fordern manche Ärztevertreter aber zudem die Bezahlung sämtlicher medizinischer Leistungen in den Praxen. Woher das Geld dafür kommen soll, sagen sie nicht. Die geringere Entlohnung pro ärztlicher Dienstleistung werden die Mediziner kaum hinnehmen. Genauso wenig werden die besser Verdienenden unter den Ärzten bereit sein, der Gerechtigkeit halber erhebliche Einkommenseinbußen hinzunehmen. Dann müssten die Patienten die Rechnung in Form höherer Betragssätze zahlen. Schließlich hat der Gesetzgeber nicht aus Bösartigkeit die Bezahlung ärztlicher Leistungen gedeckelt, sondern weil das Gesundheitssystem zwar milliardenschwer, aber nicht unerschöpflich ist.

Es ist wie so oft im deutschen Gesundheitswesen: Das Wünschenswerte hat einen hohen Preis. Das gilt für höhere und gerechtere Ärztehonorare genauso wie für die bessere Vergütung von Pflegepersonal und Arzthelferinnen oder eine möglichst allerorten fußläufige Nähe von Praxen und Krankenhäusern. Wetten: Patienten, die jetzt noch Verständnis für ihren so arg gebeutelten Herrn Doktor haben, würden spätestens dann auf die Barrikaden gehen, wenn die Politik einmal mehr die Beitragssätze erhöhen müsste, um all diesen Wünschen entgegenzukommen.

Jan Jessen



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