Lieber Eichhörnchen beobachten als eine Kutsche ziehen

Toni
Toni
Foto: IKZ

Hola amigos, qué tal? Wie isses? Todo bien? Alles gut? Bueno! Sehr schön! Die Freude ist natürlich auch ganz meinerseits, dass wir mal wieder was von einander hören.

Ich hatte ja schon mal kurz vor Monaten erwähnt, dass ich an einer gewissen Schreibblockade leide, will sagen, die Schreibblockade heißt im richtigen Leben „Herrchen“ und sitzt zu Hause vor dem Fernseher. Oder im Büro. Oder im Garten. Oder auf dem Klo. Nur nicht vor einem leeren Blatt Papier, um meine brillant, einfallsreich und meistens auch noch saukomischen Lebenshilfe-Texte abzuschreiben.

Andererseits ist es natürlich auch so, dass seit dem letzten Mal in unserem Leben nicht wirklich viel – oder Schreibbares – passiert ist. Nicht in unserer Hütte und nicht anderswo. Das gemeine Rüden-Leben trottet so dahin. Dia por dia. Hier mal ein Stück Fleischwurst, dort mal eine Kaustange, zwischendurch mal ein Pöttchen Hüttenkäse für wegen der geschmeidigen Verdauung.

Nachmittags gucke ich „Shopping Queen“ und abends – wenn ich bzw. Herrchen und Frauchen es vorm Wegratzen noch schaffen – „WDR aktuell“, wo uns die Frau mit den ganz schön langen Armen immer sagt, ob ich am nächsten Tag beim Pinkeln nass werde oder nicht.

Apropos tiempo, also Wetter. Im Moment ist es ja tatsächlich un poco calentito, also ziemlich muckelig warm. Ich will jetzt gar nicht mal sagen, dass ich das als furchtbar unangenehm empfinde. Bekanntlich liegen meine Wurzeln ja irgendwo zwischen Attendorn und Alicante und da hält man ein paar Grad mehr schon mal aus. Eigentlich genieße ich das sogar ein bisschen.

Frauchen nicht so. Sie versteht zum Beispiel überhaupt nicht, dass ich mich mittags wie eine gestrandete Qualle auf die Wiese legen kann. In die Sonne. Eine halbe Stunde, Amigos, das bringt’s voll. Gerade Frauchen sollte doch am besten wissen, wo der Satz herkommt: „Caramba, mir kocht der Blut!“

Doch inzwischen merke ich aber auch bei mir, dass das nicht ganz so spurlos an mir vorbeigeht. Ab einer gewissen Blut-Temperatur wird mir manchmal ein wenig drollig. Und es geht offensichtlich ein wenig zu Lasten meiner Körperspannung. Herrchen sagt immer öfter: „Ah, da schlurft ja wieder ,El Schlappo’ ran.“

Aber dann ist er doch baff, wenn „El Schlappo“ die oder das ardilla, also die oder das Eichhörnchen jagt. Amigos, ich weiß nicht warum, aber diese wimmeligen Strategen lassen mich tatsächlich noch zum Jäger werden. Aber sie haben auch etwas Meditatives. Setzt Euch mal eine halbe Stunde in den Garten und schaut ohne Zuckung und Rührung in eine Baumkrone. Amigos, ich sage Euch, danach habt ihr ein anderes Weltbild. Und einen steifen Nacken und eingeschlafene Füße. Aber das Eichhörnchen weiß auch schwer Bescheid: Es weiß es, dass es nie sicher sein kann. Außer auf dem Baum. Noch! Ansonsten bin ich an diesem Wochenende natürlich froh, dass ich kein Pferd bin. Und nicht Mitglied in einem Schützenverein. Sonst müsste ich Herrchen – oder am Ende noch jemand Fremdes – wahrscheinlich auf einer Karre durch die Stadt ziehen. Das ist ja mit Sicherheit auch keine Freude. Natürlich könnte ich das mit meinem Astral-Körper ganz easy, aber die Frage ist doch viel eher: Möchte ich das?

No, no, no! Ich möchte viel eher in der Sonne liegen und an Eichhörnchen denken, die einen Fuß in Gips haben. Oder besser beide. Wegen der Chancengleichheit.

Hasta luego! Euer Toni