Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Wildtierverbot

Affe, Elefant & Co. - Bundesrat will Zirkustiere verbieten

25.11.2011 | 17:46 Uhr
Affe, Elefant & Co. - Bundesrat will Zirkustiere verbieten
Sie müssen vielleicht bald keine Kunststücke mehr machen: die Elefanten in den deutschen Zirkussen. Foto: Imago

Essen.   Der Bundesrat fordert ein Verbot für Wildtiere. Es soll für Affen, Elefanten, Großbären und Nashörner gelten. Viele Zirkus-Leute sind empört. Tierschutz-Vertreter freuen sich. Noch ist nichts entschieden, denn es ist nicht der erste Versuch des Bundesrats, Tiere im Zirkus zu verbieten.

Statt durch die Savanne zu trotten, verbringt er unzählige Tage seines Lebens auf der Autobahn, um sich anschließend seine Laubäste mit Rüsselständen in der Manege zu verdienen. So sieht der Alltag eines Zirkuselefanten in Deutschland anno 2011 aus. Doch das könnte sich bald ändern. Der Bundesrat forderte gestern ein Haltungsverbot von Wildtieren im Zirkus. Das Verbot soll für Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde gelten. Löwen und Tiger bleiben zunächst ausgenommen.

Der Deutsche Tierschutzbund und andere Tierschutzorganisationen begrüßten den Entschluss. Die Zirkuslobby lehnt ihn strikt ab. Sie fordern anstelle eines Verbotes strengere Kontrollen der Branche und eine nachhaltigere Verfolgung von Mängeln. Ein weiteres Argument führte der Parlamentarische Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, Gerd Müller (CSU), an. Er verwies darauf, dass ein Wildtier-Verbot die Grundrechte von Zirkusbetreibern und Tiertrainern beeinträchtigen könnte. Es käme einem Berufsverbot für Dompteure gleich.

Bereits im Jahr 2003 ist der Bundesrat vorgeprescht

Bisher hat sich Deutschland mit der Entscheidung schwer getan. Bereits im Jahr 2003 ist der Bundesrat vorgeprescht, hat genau wie gestern ein Wildtierverbot gefordert. Doch ohne Erfolg. Die Bundesregierung sah es nicht als notwendig an, führte im Jahr 2008 lediglich ein ebenfalls von der Länderkammer 2003 verlangtes Zirkuszentralregister ein. Was aber kaum greift, weil die Registrierung, so berichtet der Deutsche Tierschutzbund, für die Zirkusunternehmen nicht verpflichtend ist.

Dennoch weht den Zirkussen mit Affe, Nilpferd & Co inzwischen ein heftiger Widerstand entgegen. In neun deutschen Kommunen von Potsdam bis Speyer haben die Stadträte bereits Verbote verhängt. Meist werden den Zirkussen dort keine Standortplätze auf städtischem Gelände vermietet. Die Argumentation ist häufig die gleiche. „Diese Tiere haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang und ein hoch entwickeltes Sozialverhalten“, sagte der für den Tierschutz verantwortliche bayerische Umweltminister Marcel Huber (CSU). Flusspferde bräuchten beispielsweise ein ausreichend großes Badebecken. Dies könne in einem reisenden Zirkus kaum angeboten werden.

Roncalli arbeitet ohne Panther, Tiger und Giraffe

Nicht nur deutsche Kommunen blicken skeptisch auf die wilden Tiere. Nach Informationen des Tierschutzbundes haben bereits 13 europäische Staaten ein vollständiges oder teilweises Verbot von Wildtieren in Zirkussen erlassen.

Zudem gibt es Zirkusse, die freiwillig auf Tierdressuren verzichten. Roncalli zum Beispiel. Seit 35 Jahren arbeitet Bernhard Paul und seine Truppe ohne Panther, Tiger und Giraffe. Mit Erfolg. Durchschnittlich kommen 1500 Besucher täglich, 700 000 im Jahr, in die Vorstellungen, lassen sich einladen auf eine Reise in die Welt von Poesie und Akrobatik.

Roncalli hat ein neues Zeitalter eingeläutet. Die Unterwerfung der wilden Bestie in der Manege ist nicht mehr zeitgemäß. „Aber kostengünstig“, sagt ein Zirkus-Kenner. „Tiere sind preiswerte Arbeitskräfte, für sie brauch man keine Lohnnebenkosten oder Sozialversicherungen zahlen.“

Tiere sind sehr preiswerte Arbeitskräfte

Die Zeit hat sich geändert. Heute würde ja auch niemand mehr auf den Gedanken kommen, Behinderte, Kleinwüchsige oder „Neger“, wie noch vor 100 Jahren, im Zirkusrund vorzuführen.

Vielleicht bekommt der Elefant ja auch eine Chance: Und muss bald nicht mehr im Stau auf der Autobahn in einem zu kleinen Transporter ausharren.

Angelika Wölke

Facebook
 
Kommentare
27.11.2011
09:26
Es ist doch ganz einfach
von bellis100 | #11

Ich besuche keinen Zirkus, in dem dressierte Tiere gezeigt werden.

27.11.2011
01:32
@RuhrpottMH
von Trowel | #10

Der Großteil der Tiere, über die wir hier sprechen, ist in Gefangenschaft geboren worden.
Die meisten Tiere leben bereits seit sechs, sieben oder acht Generationen in Zoos und Zirkussen.

Leben Sie artgerecht? Ist es artgerecht, wenn Menschen in warmen Häusern am Computer sitzen und schöne Worte für den Tierschutz schreiben?
Ich würde Ihnen am liebsten ein Kamel schenken und Sie als Nomade in die Wüste schicken. Ganz artgerecht......

Artgerecht wäre es auch, einen Löwen im Zoo oder im Zirkus wochenlang verhungern zu lassen,#
Das wäre dann die Simulation der Dürreperioden seiner ansgestammten Heimat.

Schönes Nächtle noch.

26.11.2011
23:07
Sollte...
von RuhrpottMH | #9

...man dann nicht den Lebensraum schützen???
Bisher haben sie nur Vermutungen geäußert. Haben sie sich wirklich mal mit dem Thema befasst. Es gibt mehrere Berichte/Dokus von Zirkus/Zootieren, die bestimmte Thesen eindeutig belegen. Freund google hilft.
Wie erklären sie dann das die Tiere verhaltensgestört sind, wenn es ihnen doch so gut geht.
Tiere die in Freiheit hunderte Kilometer im Jahr zurücklegen, sollen mit Käfighaltung zufrieden sein??

26.11.2011
18:23
#7
von Trowel | #8

Wir reden hier über bedrohte Tiere.
Haben Sie eigentlich die Elefanten etc. befragt, wie sie sich in "Gefangenschaft" fühlen?

Den Tieren geht es in den Zoos und Zirkussen wahrscheinlich besser als in Freiheit.

Die Tiere, um die es hier geht, sind bedrohte Tierarten, deren Lebensraum in weiten Teilen bereits zerstört ist.

26.11.2011
17:09
#6
von RuhrpottMH | #7

Lesen bildet. Ich habe nie geschrieben, dass ich es gut finde, wenn sie in Freiheit abgeschlachtet.
Gibt es nur
In Freiheit und tot
oder
Eingesperrt und leben


Ich denke nicht. Dies ist eine sehr engstirnige und auf Vermutungen beruhende These.

26.11.2011
16:51
#5
von Trowel | #6

Die Kleinwüchsigen machen das aber gerne und werden nicht dazu gezwungen.
Sie könnten stattdessen auch in einer Fabrik jeden Tag dieselbe Handbewegung durchführen. Das müsste ihrer Meinung ja besser sein.

Sie müssten es auch besser finden, wenn die Elefanten, statt im Zirkus ihren Spaß zu haben, ihr Leben in Freiheit friosten zu müssen, wo sie jederzeit Gefahr laufen, abgeschlachtet zu werden.
Das finden Sie gut, nicht wahr?

26.11.2011
16:01
#4
von RuhrpottMH | #5

Das macht es doch aber auch nicht besser.
Nur weil xy schlimm ist, ist abc nicht weniger schlimm.

Was ist denn ein Mensch in freier Wildbahn???
Schonmal überlegt wieso Kleinwüchsige, Schwarze,... Etc. nicht mehr im Zirkus zur Schau gestellt werden?? Zu Recht. Kein Lebewesen sollte zur Belustigung anderer gequält werden

26.11.2011
13:30
Gezwungen
von Trowel | #4

Auch der Mensch wird gezwungen, Dinge zu machen, die er in freier Wildbahn nie machen würde,

Aber Tierschützer interessieren sich nicht für Menschen.

Dieser übertriebene Tierschutz nervt einfach nur und ist ein Zeichen dafür, dass Tierschützer nicht ausgelastet sind. Oder sie haben einfach nur einen Tic.

26.11.2011
12:18
#1
von RuhrpottMH | #3

Inwiefern geht es den Tieren im Zirkus sehr gut??
Sie werden in viel zu kleine Käfige eingepfercht und werden zu Sachen gezwungen, die sie in freier Wildbahn nie machen würden. Oder welcher Elefant stolziert freiwillig auf den Vorderpfoten.

Außerdem muss man es doch nicht "live" gesehen haben um dagegen zu sein.
Ich habe auch noch nie ein KZ oder die Kinderarbeit zur Herstellung von Schokolade (Ferrero) "live" gesehen. Trotzdem darf ich ja wohl dagegen sein.

Schönen Tag noch.

1 Antwort
Life is live
von informierter.zuschauer | #3-1

Wer hat ihnen denn gesagt, dass sich die Tiere eingepfercht fühlen? Ein Löwe z.B. braucht kein großes Revier, da er nahezu den ganzen Tag schläft und nur läuft um sich Futter zu verschaffen.

Die Tricks wie der Rüsselstand oder das Männchenmachen des Elefanten stammen aus dem Spielverhalten und der Futtersuche und sind auch in der Wildnis zu beobachten.

Man muss es sehr wohl mal live gesehen haben. Denn dann würde man erkennen, dass die Videos der Tierrechtler absolut nicht die Wahrheit widerspiegeln.

Die Vermenschlichungen die Sie hier anstellen, haben Peta im Übrigen schonmal eine Verurteilung wegen Volksverhetzung beschehrt, da sie KZ-Häftlinge mit Landwirtschaftlichen Nutztieren verglichen haben.

26.11.2011
10:14
gegen den Rest der Welt
von Angelinola | #2

Im Zirkus Krone tanzt man oben ohne...la la la.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6107349/create

Aktuelle Fotos und Videos
Messe Hund und Heimtier
Bildgalerie
Westfalenhalle
Messe Hund und Heimtier
Bildgalerie
Westfalenhalle
So bringt man kleine Igel durch den Winter
Video
Tierschutz
Foto 6 Kommentare 6
Ein Freund der Wölfe
Video
Video
Aus dem Ressort
Pinguin türmt aus Tierpark - 82 Tage auf der Flucht
Tierpark
Sowas kennt man eigentlich nur aus dem Kino: Aus dem Sea Life Park in Tokio war im März ein kleiner Pinguin getürmt. Mehr als zwei Monate war er auf der Flucht und narrte seine Verfolger dabei immer wieder. Erst durch einen Trick gelang es, den Pinguin zu fangen.
Jungstörche locken Naturfreunde nach Duisburg-Walsum
Natur
Die Rheinaue in Duisburg-Walsum ist im Moment das Ziel vieler Naturfreunde. Vier Storchenbabys waren dort Anfang Mai geschlüpft. Eine Rarität am Niederrhein. Jetzt wird das Storchen-Quartett langsam flügge. Erste Flugversuche sind schon zu beobachten.
Foto