So werden Nichtschwimmer fit fürs Wasser

Kinder sollten möglichst schon vor ihrer Grundschulzeit schwimmen lernen.
Kinder sollten möglichst schon vor ihrer Grundschulzeit schwimmen lernen.
Foto: GlowImages
Was wir bereits wissen
Der Sommer ist die Zeit der Badeunfälle. Damit Kinder sich gefahrlos an Seen oder Flüssen aufhalten können, sollten sie sichere Schwimmer sein.

Essen.. „Bring mich zu meiner Schüppe!“ Die Sonne scheint, der Strand ist überfüllt, Kinder planschen quietschvergnügt im Wasser, nur eines schreit, wimmert, jammert, immer wieder: „Bring mich zu meiner Schüppe!“. Schließlich gibt der Vater auf und trägt den Vierjährigen aus den seichten warmen Wellen zurück auf den Strand – zurück zur Schüppe. Robert will nicht schwimmen lernen. Wasser ist nass und unheimlich, findet er. Robert sollte unbedingt schwimmen lernen, finden die Eltern. Denn Wasser kann gefährlich sein, wenn man nicht weiß, wie man sich darin verhalten muss. Das sagt auch Carsten Fröse. Seit über 40 Jahren ist er bei der DLRG. Als Schwimmtrainer hat er schon hunderte Kinder wasserfit gemacht – er weiß also, worauf es dabei ankommt.

Automatisierter Bewegungsablauf

Mit vier oder fünf Jahren sollten Kinder die ersten Schwimmversuche starten. Denn je älter sie werden, je öfter sie allein draußen herumtoben, desto größer wird die Gefahr von Unfällen in Teichen, Flüssen oder Swimmingpools. Auf den schulischen Schwimmunterricht sollten Eltern nicht bauen. Denn viele Kommunen müssen ihre Schwimmbäder schließen, weil sie die Unterhaltungskosten nicht mehr tragen können. „25 Prozent der Grundschulen haben keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad“, sagt Carsten Fröse.

Aber von wem sollen die Kinder dann schwimmen lernen? Am besten seien natürlich qualifizierte Ausbilder, von der DLRG oder anderen Vereinen, so Fröse, oder eben von kommerziellen Anbietern. Dass Eltern sich als Schwimmlehrer versuchen, sofern sie selbst sicher schwimmen können – dagegen hat der DLRG-Trainer nichts einzuwenden. Auch die Schwimmart – Brustschwimmen oder Kraulen – spiele erst einmal keine Rolle. Allerdings warnt er davor, falsche Bewegungsabläufe zu vermitteln. „Das ist schwer wieder abzutrainieren.“ Denn mit dem Schwimmen ist es wie mit dem Radfahren: Es wird zu einer automatisierten Bewegung. „Erst durch die richtige Technik entsteht Ausdauer und dann Sicherheit“, sagt Fröse. Bei seiner Arbeit als Schwimmtrainer hat er viele Kinder gesehen, die angeblich schon schwimmen konnten, beim ersten Training aber direkt „wieder aus dem Wasser gezogen werden mussten“ – weil sie zum Beispiel die Beine nicht seitlich öffneten, sondern eines von oben und eines von unten aufeinander zu bewegten. „Über-Wasser-Halten ist nicht schwimmen“, sagt Fröse, „das reicht vielleicht im Schwimmbad noch, aber im fließenden Gewässer wird es schwierig.“ Schwimmen

Schließlich ist da auch noch das Kind, das seinem Schwimmlehrer vertrauen und bereit sein muss, sich von ihm etwas beibringen zu lassen. Carsten Fröse hat zwar hunderte fremde Kinder zu Schwimmern machen können – nicht jedoch seine eigenen. „Die musste ich in einem anderen Schwimmkurs anmelden.“ In einer Gruppe mit anderen Kinder sei die Motivation eben eine ganz andere als allein mit Mama und Papa.

Den richtigen Kurs finden

Wer bei der Kursauswahl unsicher ist, achtet am besten auf die Anzahl der Kinder bzw. Trainer und Aufsichtspersonen. Für eine Gruppe von 20 Kindern sollten ungefähr vier Helfer und zwei Aufsichtspersonen zuständig sein, sagt Fröse. Darüber hinaus sei es wichtig, dass Trainer, und auch Eltern, das Kind nicht überfordern – „es muss Spaß dabei haben!“

Am Anfang stehen bei einem Schwimmkurs stets „Wassergewöhnung und Wasserbewältigung“. „Ist da im Vorfeld schon etwas schief gelaufen, weil Papa mal losgelassen hat und das Kind Wasser geschluckt hat, müssen zuerst Ängste ausgeräumt werden“, merkt Carsten Fröse an. Und was ist mit Hilfsmitteln? Schwimmflügeln, -brettern, -ringen? „Schwimmflügel verleihen eine Art falsche Sicherheit“, so Fröse, „ein Schwimmbrett hingegen kann dabei helfen, die richtige Körperhaltung zu trainieren“.

So lange ein Kind noch nicht sicher schwimmen kann, sollten Eltern ihm an offenen Gewässern unbedingt eine Rettungsweste anziehen. „Sie hält im Notfall über Wasser, so dass die Atemwege frei bleiben.“ Immerhin seien Badeunfälle bei Kindern die zweithäufigste Todesursache.

Doch auch, wenn ihr Kind einen Kurs besucht, sind die Eltern in der Pflicht. Zwar lernt nicht jedes Kind gleich schnell – mancher Fünfjährige kann nach vier Kurseinheiten schwimmen, ein anderer braucht ein halbes Jahr – doch üben müssen sie alle. „Niemand kann eine Garantie geben wie ‘nach zehn Stunden kann das Kind schwimmen’ – das halte ich für unseriös“, sagt Fröse. „Ich habe aber noch nie ein Kind gesehen, dass es gar nicht gelernt hat.“

Auch aus Robert ist schließlich noch ein passabler Schwimmer geworden: nicht mit Papa, nicht am Strand und nicht in diesem Sommerurlaub am Meer. Aber in einem ganz normalen Schwimmkurs.