Platz für die Eminenzen - Beetgestaltung mit grauen Pflanzen

Ein Meer aus weißen Blüten trägt das Perlkörbchen (Anaphalis yedoensis). Und seine Blätter wirken dank eines haarigen Flaums silbrig, fast schon weiß.
Ein Meer aus weißen Blüten trägt das Perlkörbchen (Anaphalis yedoensis). Und seine Blätter wirken dank eines haarigen Flaums silbrig, fast schon weiß.
Foto: dpa/GMH/Bettina Banse
Was wir bereits wissen
In der Natur gibt es einige Pflanzen, die Grau statt Grün tragen. Und das macht sie zum Liebling mancher Gärtner, denn sie bringen Harmonie ins Beet.

Berlin.. Blätter sind grün. So würde sie jedes Kind malen. Gut, manche Blätter haben vielleicht noch weiße Muster. Oder sie werden im Herbst gelb oder rot. Aber einige Pflanzen machen diese Modenschau nicht mit, sie haben ihren eigenen Stil - sie tragen graue oder silbrig-weiße Blätter. Profi-Gärtner begeistert das - denn sie können damit Beete mal ganz ungewohnt gestalten.

Sie kennen keine grauen Eminenzen im Garten? Sie sind aber gar nicht so selten: Die Elfenbeindistel (Eryngium giganteum) trägt silbrig-blaue Blüten und silbrig-weiße Hüllblätter. Und der Wollziest (Stachys byzantina) hat samtig-weiche, silbrige Blätter, die dürren Blättergebilde der Silberraute (Artemisia ludoviciana 'Silver Queen') sind weiß-grau.

Frisurentrend Die Kugeldistel (Echinops sphaerocephalus) ist das Paradebeispiel in unseren Gärten: Die Sorte 'Artic Glow' etwa hat silbriges Laub. Das Perlkörbchen (Anaphalis yedoensis) ist besonders hübsch: Seine Blätter wirken dank eines haarigen Flaums fast weiß, dazu bildet es zwischen Juni und September unzählige kleine weiße Blüten.

Grau ist gut mit Farben zu kombinieren

Manche Pflanzen haben zwar grünes Laub, aber es wirkt wie mit Grauschleier überzogen - mancher Staudensalbei etwa oder die Sorte 'Snowflake' der Katzenminze (Nepata). Die Sorte 'Jack Frost' des Kaukasus-Vergissmeinnichts (Brunnera macr.) wählt anderen Blattschmuck: Feine silbrige Muster ziehen sich durch das Grün.

Gerade in der Gestaltung eines modernen, puristischen Gartens ist das Grau gut: "Heute gibt es viele Kiesgärten - und Kies ist auch grau. Das passen natürlich gut zusammen", erklärt der Staudengärtner André Stade aus Borken-Marbeck (Nordrhein-Westfalen). Insbesondere die Kombination mit weißen Blüten mag der Profi. "Ich würde höchstens noch gräulich-grüne Gräser dazugeben". Wer Farbiges im Beet will, sollte zu etwas mit blauen, violetten oder hellrosa Blüten greifen.

Die Bayerischen Gartenakademie rät zur Kombination mit Rosen: Roséfarbene passen neben den Wollziest. Die Edelraute (Artemisia), oder das Heiligenkraut (Santolina chamaecyparissus) harmonieren besser mit Wildrosen. Sie haben ähnliche Bedürfnisse an den Boden. Er soll magerer und nährstoffarmer sein, als es übliche Gartenrosen brauchen. Auch der Salbei, etwa die Sorte 'Berggarten', passt gut zu Rosen. Einen Extratipp gibt es für die Herbstbepflanzung: Zu Stauden, die dann rotes Laub bekommen wie manche Sedum-Arten, macht sich der Blauschwingel (Festuca glauca) gut.

Grau als Kontrast und Trennlinie

Aber die grau-belaubten Pflanzen bilden auch in sonst grünen Beeten einen tollen Kontrast zu dem gewohnten Anblick. Sie lassen sonst dunkel gestaltete Beete heller wirken. Doch die Gartenakademie rät, nicht Pflanzen mit frischgrünen Blättern danebenzusetzen. Das wirke deplatziert, ein stumpfes Grün passe besser. Und geradezu staubig wirke eine Bepflanzung aus überwiegend silbriglaubigen Exemplaren.

Das Grau kann der Gärtner auch als Trennlinie einsetzen: Harmonieren die Farben zweier Pflanzen nicht miteinander, vermittelt Grau beziehungsweise Silber und sorgt für mehr Farbharmonie im ganzen Beet, erklärt der Bund deutscher Staudengärtner (BdS).

Empfindlich für Düngerkügelchen

Allerdings ist der Hobbygärtner eingeschränkt beim Standort für eine solche Grau-Kombination: "Sie sind alle der Sonne zugetan, ich kenne keine Ausnahme", sagt Stade. Die Blätter haben oft kleine weiße Härchen. "Diese Haare helfen beim Regulieren der Körpertemperatur - wie die Haare auf dem Arm", erklärt Stade. Außerdem verhindert auf den Pflanzen eine dünne Wachsschicht Verdunstung und Überhitzung - auch sie lässt die Blätter grau erscheinen. Der Bund der Staudengärtner rät außerdem, gut durchlässigen Boden zu wählen.

Einen wichtigen Pflegetipp hat Stade für Hobbygärtner: Eigentlich vertragen es alle Pflanzen nicht, wenn Düngerkügelchen auf ihnen liegen bleiben, statt auf den Boden zu fallen. Aber graue Pflanzen seien besonders empfindlich, berichtet der Staudengärtner. Es bilden sich Flecken auf den Blättern oder die stark konzentrierten Düngerstoffe verbrennen die Pflanzen stellenweise.

Pflanztipp: Perlkörbchen hält sich bis November

Staudengärtner André Stade ist begeistert vom Perlkörbchen. Vergehen die weißen Blüten, verwelken sie nicht, sondern trocknen ein - aber wirken dabei noch so, als wären sie eben erst erblüht. "Wir haben es schon in die Bepflanzung von Kreisverkehren gesetzt", erzählt der Profi. "Es hält sich selbst dort super." Selbst wenn die Blüten irgendwann hellbraun werden, findet Stade das nicht schlimm: An anderen Pflanzen stört Braunes eher, bei grauen Exemplaren ist das nicht so - es passe sehr gut zu den silbrigen Blättern (www.bund-deutscher-staudengaertner.de).