Schlaftrends 2015: Schlummern wie auf Wolke sieben

Wie zwei überdimensionale Kissen wirken die Matratzen des
Boxspringbetts „Jalis“ von Interlübke.
Wie zwei überdimensionale Kissen wirken die Matratzen des Boxspringbetts „Jalis“ von Interlübke.
Foto: DPA

Essen.. Die Prinzessin auf der Erbse schlief auf sage und schreibe 20 Matratzen und 20 Eiderdaunendecken. Auch für Normalsterbliche sind Stapel von Matratzen der Inbegriff von Gemütlichkeit. Boxspringbetten mit zwei oder drei Auflagen gibt es beinahe in jedem amerikanischen Haushalt. Aber seit über zwei Jahren laufen sie auch in Deutschland sehr gut: „Inzwischen haben sie fast ein Drittel des Bettenmarktes erobert“, weiß Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM).

Boxspringbetten in Hotels üblich

Die Ungetüme ähneln mit ihrem Umfang und den übereinander gestapelten Matratzen luxuriösen Prunkbetten. So ist die Optik für viele ein Kaufargument: Schließlich signalisieren sie mit ihren üppigen Polstern Gemütlichkeit pur. Doch einige Experten bescheinigen den meisten der Trendmöbel eher schlechte Liegeeigenschaften. Viele Hersteller haben mittlerweile mehrlagige Betten im Angebot. „Wir haben uns inzwischen auf Boxspringbetten ausgerichtet“, sagt Hans Rosner vom Matratzenhersteller Hukla.

Stiftung Warentest kritisierte Betten

Ausgerechnet die Deutschen, normalerweise für ihre Reiselust berühmt, brauchten extrem lange für die Entdeckung. Dabei sind die mächtigen Betten auch in vielen deutschen Hotels bereits seit längerem üblich. Der Name „Boxspring“ geht auf eine US-Marke zurück. Manche Hersteller sprechen bei ihren Polsterbett-Modellen aber auch vom so genannten „Kontinentalbett“. Doch die englische Bezeichnung ist eigentlich die gebräuchlichste. Allerdings fallen die Tests der Betten nicht sehr positiv aus. So hatten die Boxspringbetten bei Stiftung Warentest eher etwas enttäuschend abgeschnitten. Die Kritiker monierten an den getesteten Modellen unter anderem, dass die Matratzen so weich seien, dass der Schlafende tief einsinkt und die Bewegungsfreiheit dadurch eingeschränkt wird. Dies würde den erholsamen Schlaf behindern. Zudem könnten die Betten zu schnellerem Schwitzen führen. Nur ein Modell von Musterring (ca. 2570 Euro) erhielt 2014 bei einem Test die Note „gut“. In ihm bilden sich auch nach längerer Zeit keine Kuhlen wie in anderen Modellen. Der Hersteller Femira erläutert hingegen, dass die unterste Lage des Bettes eine stabile Basis bildet und den Körperdruck sanft ableitet. Die Obermatratze stütze den Körper zusätzlich ab.

Matratze liegt auf einem Kasten

Die Betten seien durch ihre Höhe gerade für Ältere und Menschen mit Rückenschmerzen gut geeignet, erklärt Trendexpertin Ursula Geismann. „Die Einstiegshöhe liegt bei 60, 70 Zentimetern. Man kommt dadurch leichter ins Bett und wieder heraus.“ Geismann nennt noch einen weiteren Vorteil der Matratzenhöhe: „Man kann besser Fernsehschauen.“ Denn das TV-Gerät auf einer Augenhöhe. Die Firma Deltex hat zudem seine Modelle der Kollektion Opaque & Sheer mit einer elektrischen Verstellfunktion ausgerichtet. Das System „Wolke 7“ der ADA Möbelwerke kann man ebenfalls über einen Motor verstellen. Dadurch werden verschiedene Liege- und Sitzpositionen erreicht. „Durch seine Höhe brauche das Boxspringbett aber auch ein großes Kopfteil“, erklärt Claudia Wieland, Sprecherin des Fachverbandes Matratzen- Industrie. Es wirke daher oft im Gesamtbild mächtiger. Die Hersteller der Betten bieten besondere Rahmen dafür an. Sie sind meistens mit verschiedenen Stoffen oder Ledern zu beziehen. Ein Boxspringbett besteht prinzipiell aus drei Komponenten: Statt eines Lattenrosts und eines Bettgestells hat es eine matratzenähnliche Unterkonstruktion, eine Art Kasten, der oft mit Schaumstoff und Fasermatten abgedeckt ist. Darauf liegt die eigentliche Matratze, meist ist es eine Federkernmatratze. Ganz obenauf kann noch der so genannte „Topper“, eine besondere Auflage, kommen.

[kein Linktext vorhanden] Betten sind im Vergleich teuer

Natürlich muss das jeweilige Konzept zum Schlafenden passen: „Probeliegen ist daher wichtig“, betont Wieland. Ein Kritikpunkt ist die erschwerte Austauschbarkeit der Matratzen, meint der Fachverband Matratzen-Industrie. Eine normale Matratze habe aus hygienischen Gründen nach rund sieben bis zehn Jahren ausgedient. Es sollte daher beim ausgesuchten Modell möglich sein, die obere Lage auszutauschen, ohne dass dadurch gleich das komplette System ausgewechselt werden muss. Den Luftaustausch in der Matratze kritisiert hingegen Geismann. „Ich muss damit viel mehr lüften als bei einem normalen Bettgestell, sonst liege ich in meinem eigenen Saft.“ Matratzenverbands- Sprecherin Wieland hingegen ist der Meinung, die Betten belüfteten sich sehr gut selbst. „Wie bei einer Pumpe geht beim Hinlegen und Aufstehen die verbrauchte Luft raus und neue wieder rein.“ Boxspringbetten sind vergleichsweise oft relativ teuer – ein Grund ist natürlich, dass man gleich ein ganzes System samt Rahmen kauft. Und der Preis ist abhängig von der Qualität. 3600 Euro und mehr kann ein Boxspring- Doppelbett kosten. Bei Ikea gibt es das Boxspringbett Årbakka schon für rund 599 Euro (200 x 140 cm). Edlere Modelle wie die von Treca Interiors Paris können sogar um die 12 000 Euro kosten. Wer mit dem Gedanken spielt, ein Boxspringbett zu kaufen, sollte auf alle Fälle die gegebenen Vor- und Nachteile gründlich gegeneinander abwägen.