Ich fahre einen alten Käfer

Auf großer Niederrhein-Fahrt: Thorsten Heck in seinem 46 Jahre alten VW Käfer. FOTO: MOERSPRESS
Auf großer Niederrhein-Fahrt: Thorsten Heck in seinem 46 Jahre alten VW Käfer. FOTO: MOERSPRESS
Was wir bereits wissen
AUTO Frühling-Autor Thorsten Heck hat einen Uralt-VW in der Garage.

Es ist wieder Oldtimer- Zeit. Wie Igel und Murmeltiere werden nach Ostern wieder viele gute alte Schätze aus dem Winterschlaf geweckt. Auch mein Käfer, Baujahr 1969, für 4000 Euro erworben, darf endlich wieder an die frische Luft. Schon beim Einsteigen steigt mir dieser unbeschreibliche und einmalige Geruch alter Autos in die Nase. Einmal tief in den Sitz gefallen und herzlich Willkommen in der historischen Zeit des Automobils. Naja nicht ganz. Denn der erste Griff geht zum nachträglich eingebauten Anschnallgurt. Diese sind seit langem auch für Oldies Pflicht und müssen daher gegebenenfalls nachgerüstet werden. 1300er mit 40 PS Doch genug von der Moderne. Um die Startautomatik zu aktivieren, drücke ich das Gaspedal einmal durch.

Der zarte Schlüssel wird umgedreht und schon schnurrt der 1,3 Liter Boxermotor wie einst. Um mit dem fingerdicken Lenkrad mit Wolf und Burg in der Mitte durch die ersten Kurven zu kommen, ist ein wenig Kraft in den Armen nötig. Und auch das Vierganggetriebe verlangt lange Wege und Präzision. Für den gemütlichen Sonntagsausflug auf der Landstraße erweisen sich die 40 PS als völlig ausreichend. Es wird mir sogar verziehen, wenn ich mal nicht ganz so flott an der Ampel wegkomme. Vielmehr fallen die Blicke vieler Passanten auf meinen Käfer. Mit großen Augen drehen sich selbst Kinder nach meinem hellblauen Schätzchen um.

Wer braucht da noch ein modernes, vollausgestattetes Auto, das zehnmal so teuer ist und über 200 PS hat? Die 10 Liter Verbrauch sind natürlich nicht ganz zeitgemäß. Und auch der Motor ist nicht ganz unüberhörbar. Verziehen. Ich beschäftige mich lieber mit dem rauschenden Radio und freue mich, wenn ich über das Rädchen die Fußballreportage auf WDR 2 finde. Aber auch mit nur einem Lautsprecher ist Frau Töpperwien leider kein Vergnügen. Erfreulich ist die pauschale Steuer in Höhe von 191 Euro, die für historische Fahrzeuge pro Jahr anfällt. Auch meine Teilkasko-Versicherung ist mit 120 Euro ein Schnäppchen. Selbst wenn so manche Voraussetzungen wie die maximale Kilometerleistung pro Jahr erfüllt werden müssen. Bevor mein Käfer im Herbst wieder in den Winterschlaf fällt und er eine Lackdusche bekommt, werde ich im Sommer noch zahlreiche Kilometer zurücklegen. Eine Wertanlage, die Spaß bringt, aber auch viel Liebe benötigt