Kostenlose App "Map of Life" zeigt die Karte des Lebens

Auch in der App "Map of Life": die Hummel. Allein im Raum Bochum soll es rund 30 Arten geben: etwa die Ackerhummel, die Bärtige Kuckuckshummel oder die Waldhummel.
Auch in der App "Map of Life": die Hummel. Allein im Raum Bochum soll es rund 30 Arten geben: etwa die Ackerhummel, die Bärtige Kuckuckshummel oder die Waldhummel.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Mit der kostenlosen App "Map of Life" können Nutzer die Tier- und Pflanzenwelt in beliebigen Städten erkunden und Informationen zu den Arten abrufen.

Frankfurt am Main.. Die Hummel ist ein erstaunliches Insekt. Wissenschaftler haben einmal berechnet, dass die Hummel nach den Gesetzen der Aerodynamik wegen ihrer kleinen Flügelchen und ihrem vergleichsweise hohen Gewicht eigentlich nicht fliegen kann. Dieser These wurde natürlich rasch widersprochen, was schließlich in folgender anekdotenhafter Erklärung gipfelte: Weil die Hummel nun mal nicht weiß, dass sie im Prinzip nicht fliegen kann, fliegt sie einfach trotzdem weiter. Und Hummel ist auch nicht gleich Hummel: Allein im Raum Bochum soll es rund 30 Arten geben: etwa die Ackerhummel, die Bärtige Kuckuckshummel oder die Waldhummel.

Wer Schwierigkeiten hat, die kleinen Flieger voneinander zu unterscheiden, kann sein Smartphone zu Hilfe nehmen. Wissenschaftler des „Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum“ in Frankfurt und der Universität Yale in den USA haben nun die kostenlose App „Map of Life“ entwickelt. Mit dieser „Karte des Lebens“ können Daten und Steckbriefe über fast alles, was da in der unmittelbaren Umgebung kreucht und fleucht, abgerufen werden.

Nutzer können eigene Beobachtungen einbringen

Für Bochum und Umgebung werden beispielsweise aktuell 17 Amphibien, 55 Säugetiere, 187 Vögel und 90 Schmetterlinge aufgelistet und mit Informationen zur Verbreitung, dem Aussehen der Art und Fotos versehen. „Mit der App kann man sich Tiere in seiner unmittelbaren Umgebung anzeigen und erläutern lassen – und das weltweit“, sagt Prof. Katrin Böhning-Gaese, Direktorin am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. „Ein Eichhörnchen erkennt wahrscheinlich jeder, die Unterscheidung von einer Wald- und einer Feldspitzmaus ist aber schon schwieriger.“

Die App „Map of Life“ ist aber mehr als ein digitales „Brehms Tierleben“. Jeder Nutzer kann nämlich eigene Naturbeobachtungen einbringen, dokumentieren und damit einen Beitrag zur Erfassung der Artenvielfalt leisten. Über 31.000 Arten sind nach Angaben der Senckenberg-Wissenschaftler in der App dokumentiert. Die Datenbank des „Map of Life“-Projekts, die hinter dem Programm steckt, umfasst rund eine Million erfasster Arten.

Dass vieles noch nicht auf dem Smartphone abrufbar ist, zeigt auch das Beispiel Bochum: Während die Mopsfledermaus und 15 ihrer fliegenden Säugetier-Kollegen bereits beschrieben sind, haben erst zwei Nadelbäume (die Gewöhnliche Eibe und der Gemeine Wacholder) ein Plätzchen in der App gefunden. „Langfristig wollen wir Information über die Verbreitung aller bekannten Tier- und Pflanzenarten bündeln und visualisieren“, sagt Katrin Böhning-Gaese, „das wird uns zeigen, wie viel oder wie wenig wir über ihr Vorkommen überhaupt wissen.“

Jede dritte untersuchte Art ist gefährdet

Die Wissenschaftler hoffen, mithilfe der „Map of Life“ zukünftig die Bedrohung von Arten besser zu identifizieren und einzugrenzen, um dann im Naturschutz leichter abschätzen zu können, wo der Hebel angesetzt werden muss.

Der umfassende Artenschutzbericht, den das Bundesamt für Naturschutz in der vergangenen Woche vorgestellt hat, ist jedenfalls beunruhigend. Demnach ist allein in Deutschland jede dritte untersuchte Art gefährdet. Auf der Liste befindet sich übrigens auch die Erdhummel. Deren Geheimnis, warum sie und ihre Artgenossen fliegen können, ist längst keines mehr. Forscher haben nämlich herausgefunden, dass die Hummel dank ihrer überaus beweglichen Flügel Luftwirbel erzeugt und auf diese Weise Auftrieb bekommt.