Grippe oder Erkältung - wo ist der Unterschied?

Ein bisschen Schnupfen? Ein Anzeichen für eine Grippe? In den meisten Fällen nicht.
Ein bisschen Schnupfen? Ein Anzeichen für eine Grippe? In den meisten Fällen nicht.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Eine schlimme Erkältung ist nicht gleich eine Grippe. Aber woran merke ich den Unterschied? Und kann eine Impfung jetzt noch helfen?

Essen.. Der Schnupfen will einfach nicht aufhören, die Brust schmerzt vom häufigen Husten und das Fieber steigt stündlich - keine Frage, man sollte besser zuhause bleiben. Aber hat man bei diesen Symptomen eine Erkältung oder ist das etwa schon eine Grippe? Und dann wären da auch noch die Influenza und der grippale Infekt. Was verbirgt sich hinter diesen Begriffen? Und kann man diesen Erkrankungen mit einer Grippeimpfung vorbeugen?

Der Allgemeinmediziner Prof. Dr. Stefan Gesenhues glaubt. dass diese Begriffe häufig verwechselt würden. Wer bei Husten, Fieber und Halsweh schon von einer Grippe spricht, liegt aber in der Regel falsch. "Nur einer von 100 Patienten hat tatsächlich eine Grippe. Und das ist dann auch wirklich eine gefährliche Erkankung", sagt Gesenhues, der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Uni Duisburg-Essen ist. Die Grippe ist gleichzusetzen mit der so genannten Influenza. Deutlich harmloser ist die Erkältung, auch grippaler Infekt genannt.

Gesundheit Der Verlauf einer echten Grippe ist sehr viel schwerer. "Viele können dann nicht mal mehr die Praxis aufsuchen", sagt Stefan Gesenhues. Die Krankheit führe zu starken Hustenanfällen, Auswürfen, hohem Fieber und Schwächeanfällen. "Gerade bei älteren Menschen kann die Grippe auch zum Tod führen." Das Herz-und Kreislaufsystem werde nämlich stark belastet, eventuell komme sogar eine Lungeninfektion hinzu. Eine Grippe dauere mindestens zwei Wochen. Eine Erkältung sollte nach einer Woche bis zehn Tagen wieder weg sein. Hohes Fieber, eine schwere Bronchitis und Gliederschmerzen seien noch keine Beweise für eine Grippe, sondern gehörten auch zu einer Erkältung dazu.

Zahl der Patienten um 30 Prozent gestiegen

Mit diesen Symptomen kämen die meisten Menschen momentan in die Praxis von Stefan Gesenhues. Von morgens um sieben bis abends um sieben sei sein Wartezimmer voll. Seit drei Wochen habe sich die Zahl der Patienten nochmal gesteigert - etwa um 30 Prozent. Das schätzt auch Dr. André Schumacher, niedergelassener Arzt in Düsseldorf. "Selbst die grippalen Infekte sind dieses Mal viel langwieriger."

Auch wenn eine Erkältung manchmal hartnäckig und fies ist, mit einer Impfung kann man sich vor ihr nicht schützen. Sie hilft nur zur Vorbeugung einer Grippe. Macht impfen denn jetzt noch Sinn? "Es ist eigentlich nie zu spät, aber man muss bedenken, dass es fast zwei Wochen dauert, bis die Impfung wirkt."

Im Herbst ist Impfzeit

Die richtige Zeit zum Impfen ist eigentlich Ende September/Anfang Oktober. Eine Pflicht dazu gibt es nicht. Einigen Gruppen empfehlen die Ärzte aber ausdrücklich, diesen Schutz wahrzunehmen: Menschen, die älter sind als 60 Jahre, die chronisch krank sind oder in öffentlichen Einrichtungen oder im Gesundheitswesen arbeiten.

Antibiotika Das ein oder andere Unternehmen muss jetzt auf einige Mitarbeiter verzichten. In Niedersachsen und in Bayern konnten teilweise Bahnen nicht fahren, weil Fahrer erkankt waren. Große Personalmängel gibt es aber bislang bei den Verkehrsunternehmen in der Region nicht. "Wir haben hier zwar auch einen hohen Krankenstand, aber das ist nicht ungewöhnlich für die Jahreszeit. Positiv ist, dass jetzt nicht zusätzlich noch Urlaubszeit ist. Es muss nichts ausfallen", sagt Sandra Bruns, Sprecherin der Bogestra. Beim Fahrdienst der Rheinbahn sei aktuell elf Prozent des Personals nicht dienstfähig. Auch bei der DSW21 ist die Zahl unauffällig.

Blutspender bleiben zuhause

Wie die Welt berichtet, ist es in Krankenhäusern in Niedersachsen personell zu Engpässen gekommen, Patienten liegen in Betten auf Fluren. Auch das ist in NRW noch nicht der Fall. "Bei uns muss niemand mit Grippe auf dem Flur schlafen und auch Operationen müssen nicht ausfallen", sagt Marc Raschke vom Dortmunder Klinikum. Der Pflegedienst sei so gestaltet, dass man bei Ausfällen flexibel reagieren könne, teilt auch Martin Schicht vom Verbund katholischer Kliniken in Düsseldorf mit.

Woran es hier tatsächlich fehlt, das sind Blutspender. Wer sonst regelmäßig spendet und nun ein Antibiotikum nimmt oder Fieber hat, darf vier Wochen lang nicht spenden, erklärt der Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes. Auch das Klinikum Dortmund hat dieses Problem. Normalerweise kämen 100 Blutspender pro Tag. Momentan seien es gerade mal fünf Spender.