Budimon-Kolumne : Daniel Budiman: Don’t follow the white rabbids

Lasst euch nicht von der niedlichen Welt der kleinen, weißen, dumm schreienden "Raving Rabbids" blenden. Die Matrix dahinter ist viel komplexer...
Mittlerweile ist schon einige Zeit vergangen, seit dem SIE mit ihrem „weiße-Weste-Image“ in unschuldigen Wohnzimmern von ganz normalen Menschen Einzug hielt. Die Nintendo Wii, eine Revolution in Sachen Videospiel-Massenkompatibilität und in der Steuerung der Selbigen, hat das allgemeine „im-dunklen-Keller“-hängende Zocker-Image mächtig aufpoliert.
Die Welt freut sich, junge und alte Generationen entdecken gemeinsam die Wunder der digitalen Unterhaltung – Das Ganze sogar ohne Killerspiel-Attitüde und darüber hinaus „echt aktiv“, sprich körperlich ertüchtigend. Plötzlich treffen Opi, Omi, Mami und Kindi gemeinsam an der Konsole an, um in wuchtig-fuchtelnder Manier die weißen, kleinen, dumm schreienden Hasen aus „Rayman Raving Rabbids“ wegzuboxen.
Und hier sitze ich. Entmutigt, gedemütigt und irgendwie auch ein wenig beleidigt. Jahrelang habe ich mir Tastenkürzel für die verschiedensten Strategiespiele ins Hirn gebrannt. Stunde um Stunde suchte ich nach den richtigen Befehlen, um meine ganz individuelle Steuerung eines Ego-Shooters zu basteln. Anstatt einfach „nur“ Spaß zu haben versuchte ich das große, ominöse System „hinter“ den Spielen zu verstehen, um den größt-möglichen Spielspaß herausziehen zu können.
Eine Handbewegung. Noch vor dem kläglichen Windhauch, verursacht durch eine viel zu kleine Wiimote, geht meine ganze Arbeit in einem Berg aus Frustration unter. In meinen Händen kleben Nintendos rechte und linke Hand der Ungerechtigkeit. Vor mir steht das Gerät, welches selbst meine kleinsten Bewegungen perfekt umsetzt und somit Stiche in meine Nerd-Ehre macht.
Die Wii-Steuerung funktioniert, weil man über sie nicht nachdenken braucht. Im Grunde ist sie genau das, was ich mir schon immer in Richtung Gaming und Steuerung gewünscht habe. Und selbst wenn bis dato noch nicht viele, wenn nicht sogar nur wenige anspruchsvolle Spiele für die Nintendo Wii veröffentlicht wurden, bleibt die Steuerung der Konsole ehrlich innovativ, simpel, und dadurch gut. Trotzdem kann und will ich mich einfach nicht über sie freuen.
Ein Erklärungsversuch
Nur mal so angenommen ich wäre Neo und die Matrix hat mich gerade gefunden. Sie fordert mich auf, dem weißen Hasen zu folgen. Ich finde ihn, er schreit mich mit einem Toiletten-Pömpel in der Hand an, und mit einer Handbewegung hau ich ihn weg. Dabei habe ich meinen Spaß und gehe danach brav wieder meinem ganz alltäglichen Wust in der von mir so gehassten Software-Firma entgegen. Das geht doch nun wirklich nicht.
Noch mal anders ausgedrückt: Ich bin Neo, soeben habe ich die Matrix geknackt. Doch anstatt in ihr herumzufliegen und die Menschheit zu retten haue ich lieber kleine, schreiende Hasen weg.
Und noch mal anders ausgedrückt: Ich bin Budi und wünschte mir ich wäre Neo. Deswegen versuche ich wie blöde das „System“ von Spielen durch die Steuerung zu knacken, um dadurch erstmal meinen Spielspaß, und eventuell danach irgendwann die Menschheit zu retten. Doch anstatt dort Arbeit zu investieren, habe ich viel lieber simplen Spielspaß und beuge mich einem System, indem kreischende Hasen der absolute Verkaufsschlager sind.
The Matrix has you
Bleiben wir bei dem Matrix-Vergleich, so sollte sich jeder der Wii-Liebhaber kurz besinnen und sich seiner Situation bewusst werden. Sie selbst sind zu Spielzeugen einer übergeordneten, nicht sehbaren Macht geworden, die einem eine heile Welt vorgaukelt und selbst zum Gaukeln animiert.
Aber nur weil es Spaß macht, bedeutet das noch lange nicht, dass es moralisch gesehen richtig ist. Denken wir an dieser Stelle an die vielen kleinen Neos, wie sie in ihrer Software-Firma vor ihren Rechnern sitzen und an dem nächsten innovativen Spieltitel für die Nintendo Wii arbeiten. Sie blicken auf das bis dato innovativste Steuerungs-System einer Spielkonsole, doch ihre Chefs, die Matrix, wollen nur Hasen. Kleine, weiße, dumm schreiende „Raving Rabbids“.
Mein Fazit: Don’t follow the white rabbids. Und grabt verdammt noch mal die gute alte Tastatur und Maus raus. Wie wollt ihr sonst antworten, wenn die Matrix euch irgendwann findet?!





