Seit zehn Jahren ist Youtube eine Millionärsschmiede

Die beiden Youtube-Gründer Chad Hurley (li.) und Steve Chen (re.).
Die beiden Youtube-Gründer Chad Hurley (li.) und Steve Chen (re.).
Foto: picture-alliance/ dpa
Was wir bereits wissen
Vor zehn Jahren startete das Videoportal Youtube. Seine Erfinder, die es an Google verkauft haben, haben ausgesorgt. Reich mit Youtube werden auch andere.

Essen.. Da steht ein unscheinbarer junger Mann vor dem Elefantengehege des Zoos von San Diego und findet es „cool“, dass die Tiere so lange Rüssel haben. 18 Sekunden braucht er, um seine Begeisterung kund zu tun. Der Ton ist schlecht, hin und wieder wackelt das Bild. Es ist manchmal schon erstaunlich, wie Erfolgsgeschichten beginnen.

Der Twen auf dem Video heißt nämlich Yakov Lapitsky und hat sich – so will es die Legende – geärgert, dass es so kompliziert war, kleine Videos über das Internet zu versenden. Deshalb setzt er sich mit seinen Kumpeln Chad Hurley und Steve Chen hin und zusammen entwickeln sie innerhalb weniger Wochen ein Programm, um die Sache zu vereinfachen. Am 14. Februar 2005 geht ihre Videoplattform online. Sie nennen sie Youtube. Gut 18 Monate später sind sie alle Multimillionäre. Denn da kauft Google ihre Firma für umgerechnet 1,3 Milliarden Euro.

Die Macher verkauften Youtube nach 18 Monaten an Google

„Fehlkauf“ höhnen viele Analysten und weisen darauf hin, dass Youtube bis dahin noch nicht einen Dollar Gewinn abgeworfen hat. Die letzten, die mit ihrer Einschätzung ähnlich daneben lagen, waren die Musikmanager, die einer Band namens Beatles keinen Vertrag gaben, weil sie nicht glaubten, dass die Gruppe eine Zukunft hat.

Heute wird der Firmenwert von Youtube vom Analysehaus Jefferies auf 20 bis 30 Milliarden Euro taxiert. Genauer geht es nicht, da Google keine Zahlen zu den Einnahmen von Youtube veröffentlicht. Für viele Menschen ist das Portal allerdings unbezahlbar. Eine Milliarde Besucher rund um den Globus nutzen es mindestens einmal im Monat. Unter Jugendlichen in Deutschland ist die Plattform das beliebteste Online-Angebot überhaupt und kostet den etablierten TV-Sendern immer mehr Zuschauer. Man kann sich nämlich schnell verlieren in der Welt der kleinen Filmchen. Wie viele es davon gibt, sagt das Unternehmen nicht. Die Zahl wäre auch schon nicht mehr aktuell, wenn jemand sie aufschreiben würde, denn jede Minute werden derzeit etwa 300 Stunden neues Videomaterial hochgeladen.

Unbekannte können zu Stars werden

Youtube ist mächtig, Politiker fürchten es, Diktaturen zensieren es, Radikale aller Richtungen nutzen es aus. Unbekannte können hier zu Stars werden, Stars kann es mit einem peinlichen Video die Karriere ruinieren. Google bietet Unterhaltung, aber auch Lebenshilfe. Ob Krawattenbinden oder der Austausch eines Smart-Phone-Displays – für alles findet sich hier eine Anleitung. Musikvideos laufen am besten, Filmchen mit putzigen Tieren oder tollpatschigen Kindern kaum schlechter. Und alles ist kostenlos. Trotzdem fließt bei YouTube viel Geld.

Manche Youtuber sind nämlich so bekannt, dass sie mit ihren Videos Geld verdienen. Sie bekommen einen Teil der Einnahmen aus der Werbung, die Youtube vor oder während ihrer Filmchen akquiriert. Der Deutsche Erik Range alias „Gronkh“ ist einer von ihnen. Was „Gronkh“ macht, ist für ältere Menschen schwierig zu verstehen. Er spielt Videospiele und filmt dabei den Bildschirm. Langweilig? Die rund 3,5 Millionen – meist jugendlichen – Abonnenten dieser Videos sehen das anders. Experten schätzen „Gronkhs“ monatliches Einkommen aus den Werbegeldern mittlerweile im fünfstelligen Bereich.

4,25 Millionen Dollar im Jahr für unspektakuläre Auspack-Videos

International ist das eher Kleingeld wie das Beispiel der Brasilianerin Melissa Lima (21) zeigt. In guten Wochen klicken angeblich mehr als 50 Millionen Menschen weltweit auf ihre selbstgedrehten Videos. 4,25 Millionen Dollar hat ihr das angeblich im vergangenen Jahr eingebracht. Dabei sind die Filmchen – zumindest aus Sicht von Erwachsenen – recht unspektakulär. Kinder denken da offenbar anders: Lima macht jedenfalls nichts anderes als vor laufender Kamera Spielzeug auszupacken.