Reagiert Gaming-Branche zu wenig auf weibliche Fans?

Immer mehr Frauen greifen zu Controller und Tastatur, um sich mit Computerspielen die Zeit zu vertreiben. 50 Prozent aller Gamer sind mittlerweile weiblich und die Branche verschläft diesen Trend seit Jahren. Stimmt nicht, behauptet zumindest die Expertin Linda Breitlauch.

Ein Gamer in den Köpfen ist meistens männlich, mit wenigen sozialen Kontakten und ungepflegt. So die landläufige Meinung. Doch bereits jetzt ist die Hälfte aller Computerspieler weiblich, und dennoch konzentriert sich die Branche hauptsächlich auf ihre männliche Zielgruppe. Doch stimmt dieses oft verbreitete Vorurteil überhaupt? Nicht, wenn es nach der Medien-Wissenschaftlerin und Professorin Linda Breitlauch (48) geht: In einem Interview mit dem Magazin "Der Spiegel" räumt sie nun damit auf. Die Branche habe sehr wohl reagiert und die "Sims"-Reihe geschaffen. Auch "Candy Crush" sei ganz klar an Frauen gerichtet.

Dass es bei großen Blockbuster-Spielen (mit Ausnahme der "Tomb Raider"-Reihe mit Lara Croft) noch keine Frau zur Protagonistin geschafft hat, erklärt sich Breitlauch so: "Umfragen zeigen, dass Fans von Ego-Shootern schlicht nicht auf Soldatinnen schießen wollen." Auch gebe es historische Gründe für männliche Hauptdarsteller, so wäre eine Frau als Kreuzritterin in "Assasin's Creed" schlicht unglaubwürdig.

Den Vorwurf gegen die Macher von "Grand Theft Auto V", das Spiel sei bisweilen frauenfeindlich, weist die Expertin ebenfalls zurück. Das Spiel sei klar als Fiktion gekennzeichnet und zeige auf satirische und völlig überzogene Weise eine verkommene Version der amerikanischen Gesellschaft. Für frauenfeindlich oder gewaltverherrlichend halte sie es nicht.