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Nutzer diskutieren - Ist ein Einkauf bei Amazon unmoralisch?

Arbeit bei Amazon
Arbeit bei Amazon
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Seitdem die ARD in einer Dokumentation das Geschäftsgebaren des Onlinehändlers Amazon kritisiert hat, diskutieren unsere Nutzer über die Vor- und Nachteile des Internetversandhandels und die Frage, ob ein Online-Einkauf moralisch vertretbar ist.

Essen. Nach der ARD-Dokumentation „Ausgeliefert: Leiharbeiter bei Amazon“ herrscht reger Diskussionsbedarf in unserer Community. Unsere Leser fragen sich: Ist es moralisch vertretbar, bei Amazon zu bestellen? Oder sollte man nicht lieber auf den örtlichen Einzelhändeler ausweichen? Im Laufe der Diskussion haben sich schnell sich zwei Fronten gebildet, die einander recht unversöhnlich gegenüber stehen. Auf der einen Seite formieren sich User, die in ihrer Empörung sogar ihr Amazon-Kundenkonto gelöscht haben und nun nicht mehr bei dem amerikanischen Versandhändler bestellen wollen. Auf der anderen Seite stehen jene Nutzer, die sich beim Kauf vor allem am Preis orientieren und auch weiterhin bei Amazon kaufen wollen.

Für den Nutzer tagesschau steht fest, dass er die Geschäftspraktiken des US-Handelskonzerns nicht länger unterstützten kann. Dem schließt sich Shy_Eye an und macht direkt Nägel mit Köpfen: „Ich habe mein Konto nun auch bei Amazon gelöscht! So eine Firmen-Mentalität wird nicht mehr von mir unterstützt! Amazon verdient genug Geld, so viel, dass sie diese Leiharbeiter gerecht entlohnen könnten!“ Sieht User diemalwieder genauso: „Ich denke, Amazon verdient sich dumm und dämlich und würde noch genug verdienen, wenn es seine Mitarbeiter anständiger behandeln würde.“

Die „Geiz-ist-Geil-Mentalität“ ist auch schuld

Nicht alle Nutzer sehen die Schuld ausschließlich bei dem Internet-Versandhaus: Auch die Käufer selbst trügen zur ungerechten Behandlung der Arbeitnehmer bei. So schreibt ProfDrHonigtauBunsenbrenner: „Mal ehrlich, klar tragen wir Schuld, weil es ist bequem dort einzukaufen. In den Städten macht ein Geschäft nach dem anderen dicht, weil wir bei Onlinern einkaufen.“ Man solle also rein in die Buchläden, solange es noch welche gebe. Und zool gibt zu bedenken: „Tja, wenn immer nur noch billig gekauft wird, muss jemand anderes die Zeche zahlen.“ Der User Fild führt ein einfaches Mittel an, wie man gegen Amazon und die Arbeitsverhältnisse protestieren könne: „Nicht mehr dort bestellen, sondern die Bücher im lokalen Laden bestellen. Amazon brauchen wir nicht.“

Sind Zeitarbeitsfirmen das Problem?

Einige Kommentare beziehen ihre Kritik nicht nur auf Amazon, sondern auf die von dem Online-Händler engagierten Zeitarbeitsfirmen. Guennie61 stellt fest: „Das Problem sind die Arbeitsverleiher. Wenn die ihre Arbeitnehmer vernünftig bezahlen würden, dann müssten auch diejenigen, die deren Dienste in Anspruch nehmen, mehr für die Leiharbeitnehmer zahlen.“ Susan2012 hat die gleiche Meinung, demnach gehöre die Leiharbeit und Leihfirmen in der jetzigen Form abgeschafft. Auch die Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter müssten drastisch verbessert und denen der Stammbelegschaft angepasst werden.

„Ich bleibe Amazon-Kunde!“

Sind die Verhältnisse wirklich so schlimm? Ist man als aufgeklärter Konsument wirklich verpflichtet, dem Online-Handel den Rücken zu kehren? Viele Nutzer können die Entrüstung nicht verstehen und empfinden die aufgezeigten Bedingungen bei Amazon nicht als skandalös. Es mehren sich die Wortmeldungen, die den Service des Unternehmens loben und auch weiterhin darauf setzen wollen. So auch Kohlensteiger: „Also ich lösche mein Konto bestimmt nicht! Jeder Konzern macht Fehler! Meint Ihr denn das sieht woanders besser aus?“ Comedian schließt sich an: „Ich hab' bei Amazon letzte Woche noch zwei Sachen bestellt und werde dort auch in Zukunft bestellen.“

Und der User melr schreibt direkter: „Mir ist es offengestanden egal, ob für die Bestellwut der deutschen Kunden irgendwelche eilig herangekarrten Leiharbeiter für ein paar Wochen Weihnachtsgeschäft in engen Ferienwohnungen untergebracht wurden.“ Diese harten Worte begründet der Nutzer so: „LKW-Fahrer in ihrer Miniaturkabine sind auch nicht besser dran, und die machen das oft viele Jahre lang.“ Für Keitermann zählen schlicht die ökonomischen die Vorteile bei Amazon: „Mein letzter Einkauf war im Gegensatz zu hiesigen Händlern 30 Prozent günstiger. Und die vorigen gut 25 Prozent." In anderen Bereichen sehe es schließlich für die Beschäftigten auch nicht besser aus, denn der Einzelhandel sein einfach kein Arbeitsfeld für Hochverdiener.