Literaturprojekt sammelt Schreibfehler von Facebook-Hetzern

Vor allem bei Facebook toben sich rechte Hetzer aus – oftmals mit grammatisch fehlerhaften Beiträgen.
Vor allem bei Facebook toben sich rechte Hetzer aus – oftmals mit grammatisch fehlerhaften Beiträgen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Kommentare von Hetzern auf Facebook fallen oft nicht nur wegen des Inhalts auf. Experten haben nun eine weitere Besonderheit erkannt.

Berlin.. Vor allem zu Beiträgen über die deutsche Flüchtlingspolitik häufen sich in sozialen Netzwerken Hasskommentare. Inhaltlich sind die Beiträge mitunter weit unter der Gürtellinie, doch Experten beobachten, dass auch die Rechtschreibung der Autoren unterirdisch ist.

Für den Kommunikationswissenschaftler Gregor Weichbrodt waren die fehlerhaften Hasskommentare auf Facebook so offensichtlich, dass er die häufigsten und auffälligsten Fehler für ein Literaturprojekt sammelte. Er schaute sich vor allem Hasskommentare auf der Facebook-Seite der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes” (Pegida) an und schrieb mit ihren Worten das Grundgesetz neu. Aus der deutschen Verfassung wurde so das „Gruntgesets”, in dem unter anderem von „Menschenrächten” die Rede ist und in dem Paragrafen als Zeichen der Wut gerne in Großbuchstaben und mit Ausrufezeichen geschrieben werden.

Bei einer Recherche zu Hasskommentaren auf Facebook im vergangenen Jahr stieß auch unsere Redaktion auf Kommentatoren, die zwar viel Hass verbreiteten, von Rechtschreibung jedoch nicht allzu viel zu halten schienen. In einem der Kommentare hieß es etwa: „und die Kakerlaken asylanten dürfen eine straftat nach der anderen verrichten…”. Andere Nutzer machten sich über die Rechtschreibschwäche zwar lustig, das hielt jedoch die Hetzer nicht davon ab, weiterzuschreiben.

Rechtschreibschwäche ist typisch

Der Kommunikationsdesigner Weichbrodt hat solche Kommentare tausendfach gesichtet. Für ein voriges Literaturprojekt hat er 282.596 Kommentare von der Pegida-Facebook-Seite in einen Textkorpus zusammengestellt und sie göttlichen Tugenden zugeordnet. Sein Eindruck nach den beiden Projekten ist: „Ich bin zwar kein Experte für rechtsnationales Wutsprech im Internet, aber nachdem ich diese Art von Texten eine Weile vor mit hatte, erscheint mir die Syntax fast einzigartig, so als hätte die Gruppierung ihren eigenen Schreibstil gefunden.“

Seine Vermutung wird durch die Erfahrungen der Amadeu-Antonio-Stiftung mit Sitz in Berlin gestützt. Die Stiftung betreibt unter anderem die Aufklärungs- und Überwachungsplattform No-Nazi.net und sichtet für das Projekt ebenfalls Beiträge von rechten Hasskommentatoren. „In der Tat ist es auffällig, dass viele Hasskommentare sehr viele Rechtschreibfehler enthalten”, sagt Johannes Baldauf, Projektleiter von No-Nazi.net.

Immer die gleichen Fehler?

Eine genaue Analyse habe die Amadeu-Antonio-Stiftung noch nicht vorgenommen. „Allerdings denke ich, dass neben einigen gängigen Flüchtigkeitsfehlern durchaus starke orthografische Mängel bei den Schreibenden auszumachen sind”, so Baldauf. Viele Hasskommentatoren würden Wörter einfach falsch schreiben und nicht nur Buchstaben verdrehen oder vergessen.

Bei besonders emotionalen Diskussionen ist es zwar denkbar, dass sich auch Fehler einschleichen, Wut und Erregung als Fehlerquelle würde Johannes Baldauf jedoch nicht gelten lassen: „Emotionen drücken sich im Netz eher durch Großschreibung und die Verwendung vieler Satzendzeichen aus.”