Facebook-Video: Opfer spricht über häusliche Gewalt

In ihrem fünfminütigen Video berichtet Emma Murphy davon, wie ihr Freund sie erst betrog - und dann verprügelte. Jetzt will sie anderen Frauen Mut machen, ihre gewalttätigen Männer zu verlassen.
In ihrem fünfminütigen Video berichtet Emma Murphy davon, wie ihr Freund sie erst betrog - und dann verprügelte. Jetzt will sie anderen Frauen Mut machen, ihre gewalttätigen Männer zu verlassen.
Foto: FMG
Was wir bereits wissen
Auf Facebook erzählt eine 26-jährige Mutter aus Dublin, dass ihr Freund sie geschlagen hat. Ihr Video wird weltweit millionenfach geklickt.

Dublin.. Eigentlich postet die Fitness-Bloggerin Emma Murphy auf ihrer Facebook-Seite Fotos, die sie selbst beim Sport oder eines ihrer Lieblingsgerichte zeigen. Der Beitrag, den sie am Dienstag mit ihren Fans geteilt hat, beschäftigt sich allerdings mit einem anderen Thema: häuslicher Gewalt. In einem fünf Minuten langen Video sitzt die 26-jährige Irin auf einer Holztreppe in ihrer Wohnung in Dublin, ihr linkes Auge ist blau und angeschwollen. Emma Murphy erzählt davon, wie ihr Partner sie nach dreieinhalb Jahren betrogen hatte und sie ihn vor einer Woche damit konfrontierte. Er schlug zu - nicht zum ersten Mal, wie sie sagt.

Innerhalb der ersten 48 Stunden wurde Emma Murphys Video fast 6.000.000-mal aufgerufen und mehr als 100.000-mal geteilt. Zehntausende Facebook-Nutzer bewundern sie für ihren Mut und erzählen von ihren eigenen Erfahrungen mit häuslicher Gewalt. Und genau das war ihr Ziel: Andere Opfer von häuslicher Gewalt dazu ermutigen, etwas dagegen zu unternehmen und ihre Männer zu verlassen. "Wenn jemandem etwas ähnliches passiert ist, geht zu eurer Familie und euren Freunden - zu Menschen, die euch lieben", fordert sie ihre Zuschauer auf.

Zweite Chance trotz Affäre

"Er war die Liebe meines Lebens", sagt sie über ihren Partner und kämpft dabei mit den Tränen, erzählt von den Höhen und Tiefen ihrer Beziehung. Bereits vor einem Jahr hatte sie herausgefunden, dass er sie mit einer seiner Kundinnen betrogen hatte. Er leugnete es. Doch nur wenige Monate später meldete sich eine Frau bei Emma, die ihr erzählte, dass sie von ihm schwanger sei. Dieser Stress führte bei ihr sogar zu einer Frühgeburt: "Aber ich habe ihn so sehr geliebt, dass ich ihm eine zweite Chance gab", sagt Emma in ihrem Video.

Innerhalb der letzten eineinhalb Jahre habe er sie bereits zweimal geschlagen und ihr danach vorgeworfen, paranoid und psychopathisch zu sein. So habe er ihr einreden wollen, dass sein Verhalten in Ordnung sei. Heute gibt die junge Mutter zu, dass sie eine Weile brauchte, um endlich zu realisieren, dass sie die körperliche und seelische Gewalt nicht hinnehmen muss. "Kein Mann hat das Recht dazu, die Hand gegen eine Frau zu erheben. Egal wie groß oder klein du bist, egal wo du herkommst", sagt sie mit fester Stimme. Am vergangenen Freitag habe sie endlich den Mut gefasst, ihren Partner zu verlassen: Ich musste es tun. Für mich und für meine Kinder."

"Ich werde ihm niemals vergeben"

In einem Interview mit dem irischen Sender "Dublin station 98FM" erklärt Emma Murphy: "Ich liebe ihn noch, natürlich tue ich das. Aber ich werde ihm niemals vergeben, was er getan hat. Ich will nie wieder zurück dorthin." Indem sie das Video hochgeladen habe, hätte sie sich auch selber davor schützen wollen, zu ihm zurück zu gehen.