Das waren die kuriosesten TÜV-Erlebnisse unserer Leser

So war es in den 70er-Jahren: Herren in Grau rückten den Autos auf die Pelle.
So war es in den 70er-Jahren: Herren in Grau rückten den Autos auf die Pelle.
Foto: dpa Picture-Alliance / Oscar Pos
Kleine Autos in großen Gruben: Unsere Leser erinnern sich an denkwürdige Momente bei der Hauptuntersuchung ihres Fahrzeugs. Wir haben sie gesammelt.

Klopf, klopf – immer auf den armen Alfa

Essen.. Da ich gerne Exoten fuhr, lieferte ich den Herren des TÜV prima Feindbilder. Nichts konnte einen Prüfer damals mehr reizen. Anfang der Achtziger hatte ich einen Alfa Romeo Giulia, der zur Prüfung musste. Nach langer Wartezeit bin ich auf die Grube gefahren und erwischte einen schlecht gelaunten Prüfer. Es fing damit an, dass die Bremsscheiben hinüber sein sollten. Mein Veto, dass diese erst vor kurzem getauscht wurden, kam nicht an. Nach endlosem Gemecker begann der Prüfer, wie wild mit einem Hammer auf durchaus übliche Schwachstellen zu klopfen, die aber völlig in Ordnung waren. Ich beugte mich aus dem Fahrzeug und fragte, was er da mache und was für ein Auto er selbst fahre. „Mercedes“, sagte er und klopfte weiter. Auf meine Frage, ob ich gleich an seinem Mercedes auch klopfen darf, kehrte Ruhe ein und es gab den Stempel. Berthold Majorczyk, Herne

Augen am Kofferraum strengstens verboten

1971 fuhr ich mit meinem elf Jahre alten grauen VW Käfer zum TÜV in Lüdenscheid. Natürlich hatte ich als 19-Jähriger meinen Wagen versucht vorzubereiten. Ich hatte neue Trittbretter angebracht, Roststellen dicht gemacht und dann noch rechts und links neben den Kofferraumgriff zwei 10 cm große Augen aufgeklebt. – Mein Prüfer im mausgrauen Kittel, ich werde es nie vergessen, hieß Herr Wahrlich. Er stieß von unten mit einem Schraubenzieher immer wieder an die von mir geklebte Schwachstelle. Zum Glück hielt sie. Aber er monierte die aufgeklebten Augen. Er erklärte, dass diese weg müssten, sie könnten andere Verkehrsteilnehmer irritieren. Ich wollte gleich an Ort und Stelle die Augen entfernen, aber das lehnte Prüfer Wahrlich ab. So musste ich mir allein für diese Kleinigkeit einen neuen Termin geben lassen.
Jörg Albach, Iserlohn

Auf der Suche nach dem verschwundenen Motor

Als wir jung waren, hatte ein Freund einen kleinen NSU. Das Modell hatte einen Heckmotor, der vor allem im Winter gute Dienste leistete. Als es dann zum TÜV ging, beugte sich der Prüfer unter die geöffnete vordere Haube, um die Seriennummer zu prüfen. In dem Moment rief mein Freund: „Wenn Sie den Motor suchen, der ist hinten!“
Korbinian Landreuther, Mülheim

Glück für Prüfer und Motorrad: beide unverletzt

Es war Ende der 80er-Jahre. Ich war mit meinem Geländemotorrad, einer Honda XR 600, beim TÜV. Der erste Prüfer wollte eine Probefahrt machen, scheiterte aber an der Sitzhöhe des „hochbeinigen“ Motorrades. Er rief einen größeren Prüfer. Doch der hatte Probleme beim Antreten per Kickstarter. Nachdem ich das Motorrad dann selbst angetreten hatte, setzte sich wieder der Prüfer drauf. Er gab Gas, das Motorrad stieg hoch, er lief mit den Händen am Lenker ein paar Meter hinterher und fiel zu Boden. Das Motorrad fuhr noch ein Stück selbstständig und blieb „unverletzt“ am Rand stehen (der Prüfer war auch unverletzt). Alle, auch die Prüfer, haben sich vor Lachen kaum eingekriegt. Ich bekam die Plakette auch ohne Probefahrt. Rainer Wimmershoff, Moers

Fanfare an – und schnell auf und davon

1972 hatte ich mit meinem Ford Taunus P 5 einen TÜV-Termin in Siegburg. In dem Fahrzeug hatte ich hinter dem Kühlergrill eine 5- Klang-Fanfare eingebaut, die eine Melodie abspielen konnte. Der TÜV-Prüfer sah die Fanfare und die Mehrklangfunktion, welche verboten war. So musste ich zur Nachprüfung – mit ausgebautem Mehrklanghorn. Dieses war nur nach aufwendiger Demontage des Kühlergrills zu erreichen. Daher hatte ich nur die Luftschläuche abgezogen. Mit Mühe ließ sich der Prüfer von der halbherzigen Demontage überzeugen und gab mir die Plakette. Danach verließ ich das Gelände und steckte die Schläuche wieder auf. Oberhalb des TÜV-Gebäudes hielt ich an und ließ die Fanfare in voller Lautstärke laufen. Wutentbrannt griff der Prüfer nach einem Hammer und warf ihn mit Schwung in meine Richtung. Seitdem bin ich im Besitz eines TÜV-geprüften Hammers. Manfred Steinke, Hemer

Mit einem Kavalierstart geradewegs in die Grube

Ich studierte in Kiel. Meine Eltern wohnten in Duisburg. 1970 schenkten sie mir ein Auto. Mein Vater war so begeistert vom Morris Mini, weil dieser gerade die Rallye Monte-Carlo gewonnen hatte, dass er einen Mini für mich aussuchte. Mit dem fuhr ich 1972 in Kiel zum ersten Mal in meinem Leben zum TÜV. Mein Auto fiel auf und der Prüfer freute sich richtig, den Mini über die Grube zu fahren. Allerdings legte er einen solchen Kavalierstart hin, dass er mit meinem schönen Auto fast in die Grube fuhr und nahezu quer darüberstand. Ich war fassungslos, der Prüfer aber auch. Mit Mühe hievten die Mitarbeiter mein Auto zurück auf sicheren Grund. Zum Glück war nur ein Teil des Auspuffs abgerissen. Ohne Prüfung bekam ich sofort die Plakette und der TÜV zahlte mir einen neuen Auspuff. Hannelore Vollmar, Bottrop

Mit dem Hintern auf und nieder immer wieder

Es war in den 60er-Jahren. Wir hatten alle „nur“ Käfer, auf die wir lange sparen mussten. Nachbarsohn Klaus, inzwischen erwachsen, war Kfz-Meister beim TÜV geworden. Also auf zu ihm nach Mülheim. Das Auto musste über den Graben gelenkt werden. Danach, der Kfz-Meister stand unter uns im Graben, rief er: „Wackeln!“. Wir bewegten unsere Hinterteile heftig auf und nieder, hin und her. Der Schmutz rieselte und der Meister schrie nur: „Aufhören, aufhören!“ Gemeint war die Lenkung, die bewegt werden sollte. Marlies Maciejewski, Mülheim

Kleiner Fiat, große Probleme

Ich war vor Jahren mit einem uralten Fiat 500 beim TÜV. Ich fuhr den Fiat in Richtung Untersuchungsgrube, als mir der Prüfer andeutete, dass er selbst fahren wolle. Er stieg ein und schaute mehrere Minuten verzweifelt im Fahrzeug hin und her, auf der Suche nach einem Zündschlüssel. Einen Zündschlüssel gab es zwar, aber dieser hat nur das Lenkradschloss ver- bzw. entriegelt. Zur Betätigung des Anlassers musste man einen kleinen Hebel neben dem Handbremshebel ziehen. Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnetet sich die Tür und heraus kam der verzweifelte Ruf des Herren in Grau: „Wie kriegt man den denn an?“. E.O. Reh, Siegen

Unterbodenwäsche statt teurer Reparatur

Während meiner Bundeswehrzeit besaß ich zwar einen VW Käfer, aber wenig Geld. Der TÜV stellte jede Menge Mängel fest. Ich ließ von einem Kameraden die Bremsen nachstellen, befestigte mit Gardinenklemmen aus Mutters Nähkiste Reflektoren für die Scheinwerfer, nietete ein Stück Blech über ein Rostloch und machte eine Unterbodenwäsche. Zur Nachuntersuchung fuhr ich in Bundeswehruniform zu einem anderen TÜV. Bei der Prüfung bekam der Prüfer einen Tobsuchtsanfall und meinte lakonisch, dass von einer Unterbodenwäsche ein Dichtring auch nicht wieder in Ordnung käme. Ich hatte mich schon innerlich von meinem Käfer verabschiedet. Doch der Prüfer zog eine Plakette aus seinem Kittel und sagte: „Verkaufen Sie das Auto aber nicht!“ Norbert Krusenbaum, Duisburg

Kommt ‘ne Frau zur Prüfung. . .

Ich habe eine der wohl kürzesten Prüfungen erlebt. Bei Dekra Essen, 1989 oder 1990. Ich bin mit einer Suzuki GS 400 angetreten, äh, angefahren: Der Prüfer umkreiste das Motorrad ein Mal, er blieb am Lenker stehen, rief: „Machen’se mal das Lenkradschloss rein und wieder raus“, klebte die Plakette drauf, „gute Fahrt“, fertig. Hinterher wurde gelästert, weil „ich ‘ne Frau bin“. . . Alba Tina Di Micelli, Essen

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