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Neuer BMW X1: Bayernkombi - hochgelegt

Auto, 23.01.2010, Sven Frohwein

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Essen. BMW bläst zum Angriff auf die Mini-SUVs: Mit dem X1 wollen die Münchner im Revier von VW Tiguan und Nissan Qashqai wildern. Dabei geht BMW einen eigenen Weg. Der X1 ist eine gelungene Mischung aus Kombi und Geländewagen.

Zugegeben, dies ist keine Situation, mit der Besitzer ihren neuen BMW X1 im Alltag konfrontieren werden. 23.50 Uhr, ein riesiger Parkplatz, jede Menge Schnee, keine anderen Autos und nur wenige Laternenpfähle, die unseren kleinen nächtlichen Test behindern könnten. Hier kann die jüngste geländegängige Schöpfung aus München beweisen, was in ihr steckt. Zwei Liter Diesel, 204 PS, Sechsgangautomatik, Allrad. Ein kleiner Tipp auf den Schalter in der Mittelkonsole und die Traktionskontrolle schaltet sich ab. Das Gaspedal durchgetreten, der Wagen marschiert mit Macht nach vorn. Fast unbemerkt schaltet die Automatik durch die Gänge. Bei 70 Sachen das Lenkrad eingeschlagen, das Heck herumgerissen, alle vier Räder beißen sich erneut in den Schnee und der Wagen stürmt weiter – jetzt in die andere Richtung. Angst vorm Fahren auf schneeverwehten Straßen? Hier verfliegt sie garantiert. Und weicht einem nur schwer zu beschreibenden Gefühl. So müssen sich Rallye-Piloten fühlen.

Über Sports Utility Vehicles (SUV) ist viel geschrieben worden in den letzten Jahren. Völlig überdimensionierte Spritfresser, die das Einparken zum einzigen urbanen Abenteuer werden lassen, das deren Besitzer hinter ihrem Steuer erleben dürfen. Hersteller wie VW, Ford und Nissan haben darauf bereits reagiert. Und eine kleine Variante ihrer bulligen Geländewagen auf die Räder gestellt. Die erfreuen sich größter Beliebtheit. Jetzt schickt sich BMW an, mit dem X1 das Feld der Mini-SUV aufzumischen. Die Chancen stehen gut, dass das auch klappt.

Auch der BMW X1 ist nicht gerade kompakt geraten, 4,45 Meter lang und damit gerade einmal zwölf Zentimeter kürzer als sein größerer Bruder X3. Die Einparkhilfe ist auch beim X1 ihr Geld wert.

Variabilität ist Trumpf

Die Stärke des  Wagens liegt woanders - in seiner Variabilität. Er ist Kombi und SUV in einem – ein höhergelegter BMW 1er-Kombi. Erhabene Sitzposition, großer Stauraum, viel Bein- und Kopffreiheit. Auch im Fonds. Trotzdem baut er nicht so hoch wie der X3. Und auch die Konkurrenz aus Wolfsburg, der Tiguan, genehmigt sich ein paar Höhenzentimeter mehr. Der niedrigere Schwerpunkt beschert dem BMW dafür eine Straßenlage, von der sich die Konkurrenz eine Scheibe abschneiden kann. Kein Wanken, kein Übersteuern: Der BMW bleibt auch in schnellen Kurvenfahrten spurtreu und  jederzeit beherrschbar.

Der Zwei-Liter-Turbodiesel paart viel Drehmoment mit ordentlicher Beschleunigung, der Allradantrieb besorgt den Rest. Bei über 220 Sachen macht der X1 23d Schluss –  theoretisch. Geschwindigkeiten jenseits der 200 sind aber nur bedingt zu empfehlen. Hier lässt auch der X1 seine Gutmütigkeit fahren.

Das Interieur ist bereits bekannt. Der X1 übernimmt es vom 1er-BMW. Übersichtliche Instrumententafel, gut erreichbare Bedienelemente in der Mittelkonsole. Und ein kinderleicht zu bedienendes Navigationssystem. Allenfalls bei der Wertigkeit schwächelt der Wagen ein wenig. Manche Kunststoffflächen wirken bisweilen billig. Hier könnte BMW nachbessern, vor allem bei dem Preis.

Extras kosten (viel) Aufpreis

Der BMW startet als X1 18d bei 29.550 Euro. Dafür bekommt der Käufer einen Zwei-Liter-Diesel mit 143 PS, eine angetriebene Hinterachse und die manuelle Klimaanlage. Allrad kostet 2000 Euro Aufpreis. Zum Vergleich: Der VW Tiguan startet als Diesel bei 28.175 Euro, die Benziner-Variante bei rund 26.000 Euro.

Unser Test-X1 schafft es auf über 50.000 Euro Listenpreis. Klimaautomatik, Automatikgetriebe und das große Panorama-Glasdach kosten extra, ganz zu schweigen von der großen Dieselmaschine (ab 38.800 Euro). Die gibt es im BMW 1er rund 6000 Euro günstiger. Und wer partout keinen Selbstzünder fahren mag, dem spendiert BMW auch einen 258 PS starken Benziner. Dass der sich allerdings im Verbrauch genauso sparsam gibt wie unser Testwagen (8,5 Liter), darf stark bezweifelt werden. Zumindest der Otto-Motor wird wohl munter an überholte SUV-Traditionen anknüpfen. Ein spaßiger Ausflug in den Schnee dürfte allerdings zumindest mit allen Allradvarianten kein Problem darstellen.

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