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Zwischen Mao und Mr. Spock

02.12.2009 | 07:35 Uhr
Zwischen Mao und Mr. Spock

Düsseldorf. War Lenin der Tarantino des 20. Jahrhunderts? Gute Frage. Andcompany & Co stellen sie in der Performance "Mausoleum Buffo": Mit der surrealen, dreidimensionalen Collage aus Licht, Text, Raum, Körpern und Hirn spielen sie ihr Publikum beim Theaterfestival Impulse schwindelig.

Wie war das eigentlich mit der Revolution? andcompany & Co wagen mit "Mausoleum Buffo" eine surreale Aufarbeitung. Fotos: © Andreas Fahr

Überm roten Platz leuchtet der rote Stern der Revolution und Lenin ruht in seinem Mausoleum. Obwohl von letzter Ruhe keine Rede sein kann, wenn andcompany & Co die Bühne mit Beschlag belegen, betanzen, bespielen. 90 pausenlose Performance-Minuten lassen sie ihr „Mausoleum Buffo“ explodieren – rätselhaft und witzig, leise, laut und tiefgründig, schräg und multimedial. Zu sehen beim Theaterfestival Impulse, zum Beispiel am Dienstagabend um 20 Uhr in der Studiobühne der Uni Köln.

Aber auch schon in Düsseldorfer Juta hat das internationale Performance-Kollektiv das Impulse-Publikum verwirrt. 2003 haben Alexander Karschnia, Nicola Nord und Sascha Sulimma die Gruppe gegründet, für einzelne Projekte verpflichten sie andere Künstler, in diesem Fall sind Vettka Kirillova und Thomas Myrmel dabei. Und leihen illustren Gestalten ihren Körper, die alle mal bei Lenin vorbeischauen.

Luxemburg lässt Lennons Gitarre sanft weinen

Karl Marx taucht auf und Rosa Luxemburg, Bert Brecht, Heiner Müller und Elvis. Text- und Songfetzen fliegen durch die Gegend, die Künstler machen Licht und die dazugehörigen Schalter zu Percussion-Instrumenten, die "Eggmen" der Beatles wackeln über die Bühne ("I Am The Walrus" als Kanon klingt richtig gut). Und dann sitzt Rosa da mit John Lennon, nimmt seine Gitarre und lässt sie ganz sanft weinen. Wie war das nochmal mit der Revolution? Verdient nicht jede Generation ihr '68? Und: War Lenin der Tarantino des 20. Jahrhunderts? Oder ist Tarantino der Lenin des 21. Jahrhunderts?

Zwischen Mao und Mr. Spock

"I am the egg man...": "Mausoleum Buffo" von andcompany & Co. Fotos: © Andreas Fahr

Fragen über Fragen. Nach Antworten kann das Publikum in der Performance suchen, die eine riesige, surreale und dreidimensionale Collage ist: aus Licht und Klang, aus Schrift und Sprache und Gesang, aus Skulpturen, Raum, Körpern, Hirnen und Ausdruck. Allerdings besteht die Gefahr, dass das Quintett in den Anzügen zwischen Mao und Mr. Spock, die unwirklich goldige Wesen verbergen, ihre Zuschauer schwindelig spielen.

"Mausoleum Buffo" ist der dritte und letzte Teil einer ‚Trilogie des Wiedersehens mit dem 20. Jahrhundert’ der andcompany, die mit "little red (play): 'herstory'" im Herbst 2006 begann und ein Jahr später ins All führte in die "TIME REPUBLIC". Im Sommer recherchierte andcompany&Co. in Russland, dokumentiert im BUFFO-Blog.

Monika Idems

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