Zwei Sterne

Michael Kempf ist groß und schlank. Auffallend schlank sogar. Er laufe halt gern, erklärt der Wahl-Berliner, der in wenigen Tagen 35 Jahre alt wird. Und er fügt hinzu: „So ungefähr 120 Kilometer pro Woche. Das ist eine gute Entspannung für mich, und ich habe Zeit zum Nachdenken.“

Wenn Michael Kempf nicht läuft und nachdenkt, steht er in der Küche und kocht. Das tut er mit noch höherem Anspruch und Erfolg als das Laufen. (Denken muss er aber natürlich dabei auch, keine Frage.) Der gebürtige Sigmaringer ist seit 12 Jahren Küchenchef im Berliner Edel-Restaurant „Facil“, eine der ersten europäischen Adressen für Feinschmecker. Zuvor war er im Drei-Sterne-Restaurant von Dieter Müller in Bergisch-Gladbach.

Im vergangenen Jahr wählte eine renommierte Fachzeitschrift den sympathischen Küchen-Künstler zum Koch des Jahres. Zwei Michelin-Sterne und 18 Gault Millau-Punkte weisen ihn zudem als unbedingten Spitzenprofi aus. Eine breite Öffentlichkeit kennt ihn durch sein Mitwirken im Kochteam des ARD-Buffets.

Im Rahmen der Berliner Filmfestspiele hat Michael Kempf jetzt beim „Kulinarischen Kino“ einen japanischen Abend mit einem Mehrgangmenü ausgerichtet. Es gab Bratforelle mit fermentiertem Reis und Kaki, Aubergine mit Rettich und Curry sowie zum Nachtisch Petit Fours mit Haselnuss, Blütenpollen und Gojibeeren.

Japan an der Küchenspitze

Seine Liebe zur japanischen Küche hat der „Facil“-Chef bei mehrwöchigen Asien-Aufenthalten entdeckt. Die Tatsache, dass es inzwischen in Tokio viel mehr Sterne-Restaurants als in Paris gibt, sei dabei auch ein deutlicher Hinweis: „Die Japaner haben den Franzosen den ersten Rang in der Spitzenküche abgelaufen“, meint Michael Kempf.

Dass japanische Rezepte und Gerichte wenig Fleisch, dafür mehr Fisch und noch mehr Gemüse beinhalten, ist dem deutschen Sterne-Koch ohnehin sympathisch. Schon seit einiger Zeit bemüht er sich daher, den europäischen mit dem asiatischen Geschmack zu verbandeln. Die stetig wachsende Zahl an Sushi-Bars, nicht nur in Berlin, kommt ihm dabei durchaus zugute.

Für sein besonderes Berlinale-Menü ließ sich Michael Kempf übrigens von einem vierstündigen japanischen Film inspirieren. Entlang der Jahreszeiten wurde das Pflanzen, Wachsen, Ernten und Verarbeiten auf dem Land geschildert. Tatsächlich fanden seine 220 Dinner-Gäste einiges davon auf ihren Tellern wieder. Doch trotz Doppel-Stern: Nicht alle Reaktionen waren uneingeschränkt positiv.