"Zwei-Mann-Orchester" am Musiktheater Gelsenkirchen

Im Foyer des Musiktheaters im Revier MiR in Gelsenkirchen bauen die beiden Musiker Wilhelm Bruck (li.) und Matthias Würsch  ihre Klanggeräte-Installation für die Premiere des Stücks "“Zwei-Mann-Orchester " von Mauricio Kagel auf.
Im Foyer des Musiktheaters im Revier MiR in Gelsenkirchen bauen die beiden Musiker Wilhelm Bruck (li.) und Matthias Würsch ihre Klanggeräte-Installation für die Premiere des Stücks "“Zwei-Mann-Orchester " von Mauricio Kagel auf.
Foto: Martin Möller
Was wir bereits wissen
Mauricio Kagels Komposition „Zwei-Mann-Orchester“ wird im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier aufgeführt. Ein extraschräges Projekt.

Gelsenkirchen.. Die Bühne versprüht den Charme einer vermüllten Rumpelkammer. Neben der alten Pfaff-Nähmaschine liegen Kehrschaufel und Kochlöffel, Fahrradspeichen lehnen am Spielzeugklavier, dazwischen Geigen, Gitarren, Zahnbürsten, eine alte Zither. Hier noch eine Tröte, dort eine Trommel. Aufbaustimmung im Foyer des Musiktheaters im Revier: Aus diesem Durchein­ander erwächst nach und nach ein ganzer Orchesterapparat mit 200 Instrumenten. Diesem üppigen Sammelsurium aus bizarren und ausrangierten Alltags- und Musikobjekten werden ab Freitag zwei Männer ein abendfüllendes Konzert entlocken.

Ein ganzes Orchester für nur zwei Spieler? Das geht, wenn der Komponist Mauricio Kagel heißt. Der lange in Köln lebende Argentinier (1931-2008) konzipierte 1973 eines der bis heute experimentellsten und schrägsten Stücke der Neuen Musik des 20. Jahrhunderts.

Kultur Aufbau der Instrumente dauert drei Tage

Drei Tage dauert der Aufbau des riesigen Klangkörpers, angeliefert in 15 Transportkisten aus Basel. Dann können Wilhelm Bruck und Matthias Würsch Kagels berühmtes Instrumentaltheater zum Klingen bringen. Mit dem Kölner Gitarristen Wilhelm Bruck bedient einer die Mammut-Musikmaschine, der schon bei der Uraufführung 1973 mit dabei war. Gemeinsam mit dem Baseler Schlagzeuger Würsch besorgt er nun eine der seltenen Inszenierungen des spektakulären Projektes.

Bruck hält die handsignierte Kagel-Partitur in den Händen, während sein Kollege vor der blauen Yves-Klein-Wand im Foyer des Opernhauses sein Instrumentarium zurechtrückt: „Kagel hat vorgegeben, dass die beiden Spieler getrennt voneinander auf Podesten sitzen müssen, umringt von ihren Instrumenten, die sie fernlenken.“ Beide dürfen während der 70-minütigen Vorstellung nicht aufstehen, auch das eine Anweisung des Notensetzers. So bedienen die Musiker die Maschinen mit Händen und Füßen, mit Hebeln und mit Fäden, die sich wie Spinnennetze über die Bühne ziehen

„Wir improvisieren nichts“ betont Bruck, „wir spielen ein komplett durchkomponiertes Werk.“ Dem Publikum versprechen die Musik-Maschinisten Konzert und Performance in einem. Bruck: „Der Zuschauer ergötzt sich daran, wie wir uns mit Witz an den Instrumenten abarbeiten, mit den Tücken kämpfen.“ Und am Ende doch Musik wie ein echtes Orchester produzieren.