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Zum Tode des Bühnen-Provokateurs Peter Zadek

30.07.2009 | 16:45 Uhr
Zum Tode des Bühnen-Provokateurs Peter Zadek

Berlin/Bochum. Für Regisseur Peter Zadek musste der Theatersaal voll sein. Sein Bekenntnis zu einem volksnahen Gebrauchstheater ließ den 1926 in Berlin geborenen Zadek in den Rang eines der bedeutendsten Gegenwarts-Regisseure aufsteigen. In der Nacht zum Donnerstag erlag er einer schweren Krankheit.

Belesene Bildungsbürger hatte Peter Zadek nicht im Kopf, wenn er inszenierte. Sein Ziel war "wirklich populäres Theater für normale Leute, die nicht unbedingt ihr Abi haben", bekannte Peter Zadek in einem Interview. Für den Regisseur Peter Zadek war vor allem eines wichtig: Der Theatersaal musste voll sein. "Mir ist egal, warum die Leute ins Theater kommen - Hauptsache, sie kommen".

In England, wohin seine jüdischen Eltern 1933 mit ihm emigrierten, entdeckte Zadek während seines Studiums in Oxford und London seine Liebe zu Shakespeare. Seinen Durchbruch als Regisseur erlebte er allerdings mit der Londoner Uraufführung des Dramas "Der Balkon" von Jean Genet 1957. In dessen um Gewalt und Sexualität kreisenden Stücken fand Zadek Raum für die Bühnen-Provokation, die seinen Regie-Stil lange bestimmen sollte.

Skandal-Inszenierung

Theaterregisseur Peter Zadek. (c) AP

Bis heute legendär ist seine "Othello"-Inszenierung von 1976 am Hamburger Schauspielhaus, die als Skandal-Inszenierung galt. Unvergessen bleibt der inzwischen gestorbene Ulrich Wildgruber in der Titelrolle, in der er als imposanter Berserker Eva Mattes als Desdemona zuerst mit seiner schwarzen Körperbemalung besudelte und dann nackt und leblos über eine Wäscheleine hängte. Zwischenrufe und Türenknallen gehörten zum Aufführungsalltag der Zadek-Schauspieler.

Nach einer Zeit als Schauspieldirektor am Theater in Bremen folgte zwischen 1972 und 1977 Zadeks große Zeit als Intendant und Chefregisseur am Schauspielhaus in Bochum. Direkt zu Beginn brachte er eine Revue-Inszenierung von "Kleiner Mann, was nun?" auf die Bühne, eine Theaterfassung des gleichnamigen Romans von Hans Fallada. Hier zeigte sich Zadeks großes Talent, ein großes Publikum für das Theater zu begeistern. Er wollte nichts aufführen, was keinem gefällt und nur einige wenige verstehen.

Gefeiert wurde Zadek unter anderem für seine Inszenierungen von Anton Tschechows Stück "Der Kirschgarten", von "Hamlet" und anderen Stücken von William Shakespeare. Die Fachzeitschrift "Theater heute" zeichnete ihn mehrfach als Regisseur des Jahres aus. Um seine Inszenierungen zum Erfolg zu führen, arbeitete Zadek auch immer wieder mit bekannten Schauspielern wie Ulrich Tukur, Eva Mattes, Hannelore Hoger oder der Französin Isabelle Huppert zusammen. Zadek wollte nicht um jeden Preis gefallen. Früher gab es "immer einen Chor von Buhs, und das gehörte einfach zu einem Zadek-Abend", sagte er selbst in einem Interview.

Zurückhaltung und Einfachheit

Allerdings beanspruchte Zadek nicht die Rolle des Dauer-Provokateurs: Wie wandelbar sein Stil war, ließ sich an seinen Shakespeare-Inszenierungen "Richard III." und "Hamlet" ermessen, die er 1997 und 1999 im Rahmen der Wiener Festwochen erarbeitete. Begeisterte Kritiker bescheinigten den Produktionen "Zurückhaltung" sowie eine "neue Einfachheit", die den Werken des englischen Dramatikers erst eine gültige, gegenwärtige Interpretation ermöglichten.

Obwohl er in seiner Laufbahn viel erreicht hat, betrachtete Zadek Erfolge nie als Basis für zukünftige Arbeit. Nach seiner Rückkehr aus England 1958 wurde er zunächst Schauspieldirektor in Bremen und war im Laufe der Jahre Intendant in Bochum, Hamburg und Berlin. Dabei suchte er nie das bequeme Einverständnis - was durchaus zu Differenzen führte.

"Meine Lebensform ist Spielen"

Susanne Lothar und Ulrich Wildgruber in der legendären "Lulu"-Inszenierung von Peter Zadek. (c) AP

Am Hamburger Schauspielhaus beispielsweise endete seine Intendanz mit dem gescheiterten Versuch, neue Formen eines volksnahen Theaters zu erproben - obwohl das Haus unter Zadek in der Spielzeit 1986/87 das bestbesuchte deutsche Sprechtheater war. Zadek soll die Zusammenarbeit mit den Worten beendet haben: "Nie wieder Intendant - und besonders nicht in Hamburg." Auch vom Berliner Ensemble trennte sich Zadek 1995 nach Querelen. "Natürlich bin ich für ein Theater anstrengend", bekannte er einmal.

Seit seinem Weggang aus Berlin hatte Zadek als freier Regisseur gearbeitet. 2005 gründete er zusammen mit dem Regisseur Tom Stromberg eine gemeinsame Theaterproduktionsfirma, mit der er weiter an seinem Lebensprojekt Shakespeare arbeiten wollte. "Meine Lebensform ist Spielen", hatte Zadek in seiner Biographie geschrieben. Seine letzte Produktion, die Shakespeare-Inszenierung "Was ihr wollt" für die Wiener Festspielwochen, konnte der Regisseur nicht mehr beenden. Seine Wirkung auf die Theaterwelt wird dennoch ungebrochen bleiben. (ddp/AFP)

DerWesten

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Kommentare
30.07.2009
16:09
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #1

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