Zubin Mehta dirigiert das traditionelle Neujahrskonzert

Hat schon viermal das Neujahrskonzert dirigiert: Zubin Mehta.
Hat schon viermal das Neujahrskonzert dirigiert: Zubin Mehta.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Zubin Mehta ist seit Jahrzehnten mit den Wiener Philharmonikern verbunden. An seine erste Begegnung mit dem Orchester erinnert er sich noch sehr genau.

Wien.. Der Dirigent Zubin Mehta (78) leitet dieses Jahr das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Im Mittelpunkt stehen Walzer und Polkas der Strauss-Dynastie. Das Konzert wird am 1. Januar live im ZDF übertragen (ab 11.15 Uhr).

Im Interview spricht Mehta über seine erste Begegnung mit dem berühmten Ensemble und seine Rolle als Künstler in der Welt.

Sie haben bereits viermal das Neujahrskonzert dirigiert, hat sich etwas für Sie geändert?

Zubin Mehta: Es hat sich im Grunde nichts geändert bei den Philharmonikern. Das Orchester ist jünger und virtuoser geworden. In meiner Jugend habe ich oft gehört: "Das können wir nicht spielen, das ist zu schwer."

Heute hört man das nicht mehr. Man hat damals auch gesagt, das Beethoven-Violinkonzert sei unspielbar. Heute spielt es jeder Student. Das ist anders, aber im Wesentlichen hat sich nichts geändert. Der schöne Klang bleibt. Jede Gruppe innerhalb des Orchesters passt auf sich auf, das ist sehr wichtig.

1961 haben Sie die Philharmoniker zum ersten Mal dirigiert, wann haben Sie sie zum ersten Mal gehört?

Info Mehta: 1954 als ich aus Indien gekommen bin. Ich hatte damals noch nie ein Orchester gehört. Wir hatten Platten zu Hause. Aber die Platten in den 50er Jahren haben nicht den Musikverein-Klang transportiert.

Als ich die Philharmoniker dann zum ersten Mal dort gehört habe - es war die erste Symphonie von Brahms unter Karl Böhm -, dachte ich, meine Ohren explodieren. Ich hatte so etwas noch nie gehört. Das ist bis heute für mich der Maßstab. Bei jedem Orchester, das ich dirigiere, will ich diesen Klang hören.

Sehen Sie für sich als Musiker auch eine gesellschaftliche Verantwortung?

Mehta: Ich muss alles mitmachen, ich kann nicht anders leben. Die Tosca (Anm.: Hauptfigur der gleichnamigen Oper des italienischen Komponisten Giacomo Puccini) sagt: "Vissi d'amore, vissi d'arte". Ich bin nicht so, ich kann nicht nur für Liebe und Kunst leben.

Voriges Jahr habe ich das Münchner Staatsopernorchester nach Kaschmir eingeladen. Es war ein Konzert, bei dem Hindus und Moslems zusammen gesessen sind. Das hat mir eine derartige Freude bereitet. Denn der Konflikt hört nicht auf, erst gestern wurde dort wieder geschossen.

Aber zwei Stunden lang haben sie Beethoven und Tschaikowsky gehört. Für die zwei Stunden herrschte Frieden. (dpa)