Zeugnis einer untergegangen Kultur

Düsseldorf..  Seit 2014 befindet sich das beeindruckende theaterfotografische Werk von Erich vom Endt im Theatermuseum. Zu seinem 80. Geburtstag in diesem Jahr zeigt das Düsseldorfer Institut aus diesem Bestand eine Retrospektive mit insgesamt 80 ausgewählten Fotografien aus den Bereichen Porträt, Probenarbeit, Szene. In einem separaten Bereich gewährt der Künstler mit weiteren 20 Fotos Einblick in seine fotografische Entwicklung seit den 1960er-Jahren jenseits des Theaters. Die Ausstellung trägt den Titel „Bild Regie. Erich vom Endt – Theaterfotografie“ und ist vom 23. Mai bis 8. November im Theatermuseum, Jägerhofstraße 1, zu sehen.

Die Fotos Erich vom Endts lassen sich auf sehr unterschiedliche Weise wahrnehmen. Als lichtbildnerische Kunstwerke beweisen sie die Subtilität ihres Schöpfers, sein großes Einfühlungsvermögen in räumliche Gegebenheiten und zeitliche Abläufe. Gleichzeitig sind sie aber auch das Zeugnis einer untergegangen Theaterkultur der Nachkriegszeit, die ihre Größe auch aus der Kompensation des erlebten Mangels zog. So spiegelt der Spielplan Essens – wie an vielen großen Bühnen des Westens - die Stücke der ehemaligen Feinde Frankreich und Amerika wider und bot trotz kaltem Krieg Bert Brecht und exilierten Künstlern wie Erwin Piscator eine erste Plattform.

Der gebürtige Kölner Erich vom Endt gehört zur Kriegsgeneration. Seine Jugend ist gekennzeichnet durch häufigen Ortswechsel; erst 1948 kommt es zur Übersiedlung nach Düsseldorf. Hier kann er bereits als Schüler erste bildjournalistische Arbeiten in der lokalen Presse platzieren. Zwischen 1956 und 1958 ist vom Endt regelmäßig Statist an der Deutschen Oper am Rhein unter Hermann Juch und erlebt aus dieser Perspektive unter anderem „Macbeth“ von Verdi in der Regie von Gustaf Gründgens. Durch den Blick hinter die Kulissen erhält er gute Voraussetzungen für die spätere Tätigkeit als Theaterfotograf an den Bühnen der Stadt Essen. In diese Zeit fällt auch sein Engagement als „Hausfotograf“ des Jazzclubs „New Orleans“ auf der Königstraße 3a.

Dass seine Fotobegeisterung keine vorübergehende Phase ist, zeigen auch seine Ausstellungsbeteiligungen für „Jugend photographiert“ anlässlich der Photokina 1956 und 1958. Ab 1958 versucht er zunächst den Wunsch der Eltern nach einem Jurastudium mit einer Ausbildung an der Werkkunstschule in Saarbrücken bei Oskar Holweck (Gestaltungslehre) und Otto Steinert (Fotografie) zu verbinden.

Als Steinert ihn mit an die Folkwangschule nach Essen nimmt, ist die Entscheidung für die Fotografie gefallen. Neben seinem Studium arbeitet er ab 1959 bis in die frühen 1970er-Jahre als Fotograf am Essener Theater unter der Intendanz von Erich Schumacher. Bei Theaterproben und Inszenierungen entstehen zahlreiche Fotos von Jean-Luis Barrault, Tilla Durieux, Jean Genet, Michel Serrault, Armand Gatti, Dieter Borsche, Erwin Piscator und anderen. In seiner Examensarbeit 1962 bei Otto Steinert beschäftigt sich vom Endt mit dem Verhältnis von „neuer Photographie“ und „Neuer Sachlichkeit“ in den 1920er-Jahren. Dadurch ergeben sich intensive persönliche Kontakte zu den Ikonen dieser Epoche: Albert Renger-Patzsch, Max Burchartz und Werner Gräff. Ab 1962 wird vom Endt Assistent von Otto Steinert, anschließend Fachlehrer in der Werkgruppe „Fotografie“, 1972 schließlich sein Nachfolger als Professor an der Folkwangschule in Essen. In diese Zeit fallen gestalterische Industrieaufnahmen für die RAG (Ruhrkohle), Thyssen, RWE, Klöckner, Veba, AEG und Esso, aber auch der Aufbau der Farbfotografischen Abteilung an der Folkwangschule.