ZDF-Reihe "Neben der Spur" ist Psycho-Grusel in Bestform

Die Reihe "Neben der Spur" startet im ZDF mit "Adrenalin".
Die Reihe "Neben der Spur" startet im ZDF mit "Adrenalin".
Foto: ZDF
Was wir bereits wissen
Das ZDF startet die Reihe „Neben der Spur“. Ulrich Noethen tritt gegen Nikolai Kinski an und überzeugt durch schillernde Hauptfiguren und top Storys.

Mainz.. Der Film kommt schnell zur Sache. Eine Krankenschwester wird grausam gemetzelt aufgefunden. Ihr Tod setzt eine Kette dramatischer Ereignisse in Gang. Mitten drin: der Psychiater Johannes Jessen (Ulrich Noethen) und ein Patient (Nikolai Kinski). Klar ist zunächst nur, dass zwischen beiden eine seltsame Spannung besteht. Sie wird eskalieren. Was der Psycho-Thriller „Neben der Spur – Adrenalin“ eingangs verspricht, hält er bis zur letzten Sekunde. Der Film ist der Auftakt einer neuen ZDF-Reihe.

Das Regie-Duo Cyrill Boss und Philipp Stennert war bisher im Kino unterwegs. Der Psycho-Thriller fürs ZDF ist ihre erste TV-Arbeit. Dafür haben sie sich nichts Geringeres als einen Roman des Spannungsexperten Michael Robotham ausgesucht. Was Boss und Stennert mit Frederik Weis daraus gemacht haben, ist aller Ehren wert.

Jessen gilt als Koryphäe. Deshalb zieht ihn Fahnder Vincent Ruiz (Juergen Maurer) in der Mordsache zu Rate. Jessen schließt sofort von äußeren Merkmalen der Toten darauf, wie sie vor ihrer Ermordung gelebt hat. Doch der Film zeigt den Psycho-Doc nicht als genialen Guru. Denn ein Patient stellt ihn in einer Gesprächstherapie vor ein Rätsel. Letztlich verbindet Psychiater und Patient nicht nur Berufliches.

Ulrich Noethen verkörpert vielschichtigen Psycho-Doc

Der Thriller zeigt auch die persönliche Seite von Jessen. Er scheint ein dunkles Familien-Geheimnis zu hüten. Seine Mutter kam unter seltsamen Umständen ums Leben. Seinem Vater (Dietrich Hollinderbäumer in seiner Parade-Rolle) kann es der Seelenkundler nicht recht machen. Mit ehelicher Treue nimmt es Jessen nicht so genau. Und als wäre all dies noch nicht genug, gerät er in eine Lebenskrise: Er hat Parkinson.

Krimi-Reihe Diese vielschichtige Figur verkörpert Ulrich Noethen. Der 54-jährige Grimme-Preisträger liefert eine Gala-Vorstellung ab. Er macht glaubhaft sichtbar, wie sehr Jessen den Kontrollverlust über sein Leben fürchtet. Je mehr der Bleistift in seiner Hand wie ein Seismograf zittert, desto mehr lähmt ihn die Angst vor seinem Schicksal. Doch von Ruhe kann keine Rede sein.

Nicht nur freundlich ist Nikolai Kinskis als Patient

Als Gegenspieler tritt Nikolai Kinski auf den Plan, der – in abgemilderter Form – die Rolle seines Vater Klaus geerbt hat: Der Senior war Spezialist für die Mühseligen und Beladenen. Sein Sohn spielt aber den Traumatisierten keineswegs als Psycho-Karikatur. Im Gegenteil: Der angeschlagene junge Mann wirkt auf den ersten Blick weich und freundlich. Doch es gibt noch eine andere Seite.

Da beide Hauptfiguren schillernd sind, hält der Film geschickt die Auflösung des Falls in der Schwebe. Am Ende wird klar, wie destruktiv Rache ist. Sie wird getrieben von der Vorstellung: Du nahmst mir mein Glück, ich nehme dir deins. Zugleich geht es um eine besondere Form der Schuld – Schuld durch Fahrlässigkeit, um einen kleinen Fehler mit großen Folgen.

Fazit: Psycho-Grusel in Bestform.