Zauberhafte Zeiten

Düsseldorf..  Schwerterkiste, Kopf-Verdreher, Guillotine, oder ein rotes Taschentuch, das plötzlich in einer Hand verschwindet. Wer diese Tricks mal aus der Nähe beobachten möchte, wer vielleicht sogar selber zaubern lernen und sich dabei noch amüsieren will, der ist derzeit in der Komödie an der Steinstraße an der richtigen Adresse. Denn Komödie und Zaubershow vermischen sich in „Zauberhafte Zeiten“: So der Titel der amerikanischen Comedy von Kerry Renard, deren Premiere an der Steinstraße jetzt stürmisch gefeiert wurde.

Gezaubert wird hier, was das Zeug hält, und das auf allen Ebenen. Von vier agilen Schauspielern, deren Gesichter durch Fernseh-Serien bekannt sind, wie „Lindenstraße“ und „Verbotene Liebe“. Nicht immer strahlender Held, dieses zweifelhaften Zauber-Vergnügens: Chris Redford (alias Thomas Maximilian Held), ein geschasster Broker von der Wall-Street, der plötzlich vor der Tür seines schicken New Yorker Apartments mit Skyline-Blick landet. Triumphierend baut sich die junge, attraktive Debbie vor dem gestriegelten Börsenhändler auf: Sie hat die Wohnung von ihrem Onkel geerbt.

Da sie selbst pleite ist und keine andere Bleibe in Manhattan hat, setzt sie den Mieter vor die Tür. Klar, dass das nicht da letzte Wort ist. Die beiden – man ahnt es schon – kommen sich im Laufe des kurzweiligen Theaterabends näher, zwischen Designer-Knutsch-Couch, Bügelbrett und Koffer, die das Duo, das sich magisch anzieht, immer wieder ein- und ausgepackt. Die schlichte Handlung verwandelt Thomas Weber-Schallauer in einen süffigen, manchmal gepfefferten Schlagabtausch zwischen Chris und Debbie, zu dem sich später Chris’ Mutter Ellen gesellt. Der deutsch-österreichische Regisseur, der bereits 2013 mit der Bauer-sucht-Frau-Parodie „Landeier“ Furore machte, setzt auf zündendes Boulevard-Tempo, leicht überspitzte Typen und einen Schuss hintergründiger Ironie, die die Dialoge vor allzu großer Banalität retten. Andrea Spatzek (seit 1985 Gabi Zenker der „Lindenstraße“) mimt Ellen Redford als wunderbare Persiflage auf amerikanische Mütter, die ihre Söhne angemessen unter die Haube bekommen wollen und dabei zur schrillen Nervensäge mutieren. Als Meister des Slapsticks geriert sich Martin Armknecht in der Rolle des Postboten, der sich gerne am Whisky-Glas festhält. Der Düsseldorfer Mime (seit fast 30 Jahren präsent auf in TV- und Kino, „Lindenstraße“, „Manta, Manta“ etc.) macht aus dieser Nebenrolle eine Glanznummer und erntet Szenenapplaus.

Besonders überzeugen Hauptdarsteller Thomas M. Held und Jana Julie Kilka („Verbotene Liebe“) - nicht nur als wandlungsfähige und pointensichere Mimen, sondern auch als eifrige Zauberlehrlinge. Erstaunlich, wie sicher die beiden in der finalen Zaubershow Tücher verschwinden lassen und wie echt Thomas Held wirkt, wenn er Schwerter in die Kiste rammt, ohne seine Debbie zu zerstückeln. Fazit: Nicht nur Freunden von Zaubertricks zu empfehlen.

Zu sehen in der Komödie an der Steinstraße, bis 10. Juli.: 133 707, www.komoedie-steinstrasse.de