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Yoko Ono in Frankfurt - Ein perfektes Stückwerk

15.02.2013 | 18:23 Uhr
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Yoko Ono in Frankfurt - Ein perfektes Stückwerk
Yoko Ono in der Frankfurter Kunsthalle Schir, die ihr zum 80. Geburtstag eine Retrospektive entbietet.Foto: dapd

Frankfurt/M.   Kunst ist die Wahrheit, die im nur Miteinander entsteht: Die Frau, die schon lange vor ihrer Hochzeit mit John Lennon eine Künstlerin war, wird zu ihrem 80. Geburtstag mit einer großen Ausstellung in der Frankfurter Schirn geehrt.

Was für eine Frechheit! Gut, dass Yoko Ono nicht nur eine Ikone der Friedensbewegung ist, sondern selbst friedfertig. Da ist gerade ihre Performance in einem knubbelvollen Kloster zu Ende gegangen und die Gäste dürfen der zierlichen Person mit dem kecken Hütchen Fragen stellen. Und dann tritt jemand ans Mikro und richtet Grüße von John Lennon aus, die er aus dem Jenseits empfangen hat...

Yoko Ono lächelt derlei weg, vielleicht in dem Bewusstsein, dass ihre Ehe für den singenden Matrosensohn aus Liverpool der Aufstieg in die Avantgarde war. Sie, Tochter aus noblem japanischem Hause, als erste Frau zum Philosophie-Studium an einer namhaften Universität zugelassen, öffnete ihm die Welt um John Cage, Nam June Paik und andere. Dass Yoko Ono nicht hauptberufliche Musikerwitwe ist, sondern eine Künstlerin, die seit Jahrzehnten größten Einfluss ausübt, zeigt die bislang größte Yoko-Ono-Ausstellung Europas zu Ehren ihres 80. Geburtstages.

Fluxus-Künstlerin Yoko Ono in ihrem halbierten Raum.Foto: DANIEL ROLAND/afp

Über 200 Installationen, Bilder, Filme und Musikstücke zeigen das Werk des am 18. Februar in Tokio geborenen „Meereskindes“ – so ihr Name. Für fünf Jahrzehnte Arbeit sei ihr Werk nicht arg viel, merkt sie bescheiden an. Nach dem 80. Geburtstag wolle sie anfangen, Dinge zu tun, zu denen sie bislang nicht kam, vor lauter Kampf für Frieden, Feminismus und gegen Fracking.

Was eine Ausstellung über Yoko Ono schwierig macht: Ihre Kunst besteht auf der Negation klassischer Museumskunst: „Mich langweilen Künstler, die große Skulpturbrocken anfertigen, den Leuten aber nichts weiter gestatten, als den Brocken zu beklatschen. Das ist reiner Narzissmus..“ Kunst entsteht bei Yoko Ono im Miteinander auf dem Weg zur Erkenntnis. Der Betrachter soll Akteur werden, soll das kreative Kind in ihm befreien. „Erschaffende Künstler sind nur gerade so gut, dass sie als Kinder angesehen werden können.“

Wir bestehen alle zum größten Teil aus Wasser.Foto: DANIEL ROLAND/afp

Ihre Kunst verweist auf das, was noch fehlt – so lässt sich ihre berühmte Installation „Half a room“ lesen: Ein Zimmer, in dem alle Gegenstände halbiert sind. Die andere Hälfte fehlt uns zum Himmel auf Erden. Die Suche danach beginnt mit dem Automaten, die für kleines Geld eine Pappkarte ausspuckt, auf der „sky“ steht. Ein Fernseher holt den Himmel über Frankfurt live in die Museumshalle: SkyTV mal anders.

Kunst entsteht aus dem Mitein­ander, das Kämpfe und Kriege unmöglich macht. So wie das komplett weiße Schachspiel, mit dem Besucher spielen dürfen bis zu der Erkenntnis, dass sich Gegnerschaft im weißen Nichts auflöst. Von dort bis zur Plakataktion „Der Krieg ist aus. Wenn du es willst“ zu Zeiten des Vietnam-Krieges ist es nur ein kleiner Schritt – oder von dort bis zu „Imagine“ mit John Lennon.

Kunst setzt Erfahrungen voraus, die an Grenzen gehen. Berühmt ist ihr „Cut Piece“, für das sie sich 1958 in ihrem besten Kleid auf die Bühne setzte und die Besucher aufforderte, Stücke herauszuschneiden, bis sie beinahe nackt vor ihnen saß. Als 70-Jährige hat sie die Performance wiederholt. So weit ihr Denkanstoß zum Thema Sexismus, Frauenbewegung und Erotik des Alters.

Yoko Onos Kunststücke führen zu Erkenntnis

Kunststücke heißen bei Yoko Ono oft „piece“: Sie liefert Stückwerke, Beiträge, Aufforderungen wie ein Zen-Mönch, der auf den Weg der Erkenntnis führt. Und diese gelingt oft über befreiendes Gelächter. Das macht ihre Kunst, die sich in der Schirn zur Lebensleistung formt, so sympathisch.

Ihre Kunstaktion im Kloster endete mit einem „Promise Piece“: Besucher durften je eine Scherbe einer zertrümmerten Vase mitnehmen, wenn sie versprechen, in zehn Jahren wiederzukommen, um die Scherben wieder zur Vase zu fügen. Ich werde meine Scherbe gut aufbewahren, Yoko.

Stephan Hermsen

Kommentare
16.02.2013
18:51
Yoko Ono in Frankfurt - Ein perfektes Stückwerk
von mehlbox | #1

hätts die nicht gegeben würde jl noch leben und die Beatles gäbs heute noch

1 Antwort
Und noch eine dumme Verschwörungstheorie!
von cui.bono | #1-1

was manche Leute so glauben!

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