Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Oper

„Xerxes“ gut gelaunt und opulent

27.01.2013 | 17:20 Uhr
„Xerxes“ gut gelaunt und opulent
Xerxes (Valer Barna-Sabadus) im Kreis seiner prunkvoll ausgestatteten Soldaten.Foto: Hans Jörg Michel

Düsseldorf.   Händels späte Oper wird an der Düsseldorfer Rheinoper zur knallbunten Karikatur. Das Publikum behielt bis zum letzten Takt des dreieinhalbstündigen Arien-Konzerts seine gute Laune - auch wenn die Musik selbst oft in den Hintergrund rückt.

Eine Augenweide in barocker Opulenz und ein Füllhorn an Fantasie, eingebunden in ein musikalisches Gewand von sensationellem Format: Die Fortsetzung des nicht immer gelungenen Barock-Zyklus‘ der Deutschen Oper am Rhein mit Händels später Oper „Xerxes“ hat viel zu bieten.

Ein dreieinhalbstündiges Arien-Konzert, bei dem das Publikum bis zum letzten Takt seine gute Laune behält, das kommt nicht oft vor. Die musikalische Leitung war bei dem Genre-erfahrenen Spezialisten Konrad Junghänel und seinem fulminanten Ensemble bestens aufgehoben. Und wenn dazu noch ein Regie-Star wie Stefan Herheim am Werke ist, kann eigentlich nichts schief gehen. Schließlich ist dieses Konzept schon an der kooperierenden Komischen Oper Berlin aufgegangen.

Regisseur drängt Musik brutal in zweite Reihe

Doch worauf basiert dieses Erfolgskonzept? Herheim sieht im „Xerxes“ die Grenzen zwischen Komödie und Tragödie aufgebrochen, setzt dabei jedoch ein Stemmeisen an, mit dem er das Stück zur Karikatur verformt. Damit verfällt er in den Regie-Stil der 80er-Jahre. Die Musik drängt Herheim brutal in die zweite Reihe.

Dass in diesem verwickelten Ränkespiel um Liebe und Macht nicht nur Narren, sondern auch Menschen aus Fleisch und Blut leiden, schmachten und hoffen, das spielt Herheim viel zu selten aus. Ärgerlich angesichts der immensen Begabung des Regisseurs. Ärgerlich auch angesichts der Dekorationen in bestem und kostbarstem Barock-Ambiente auf heiß laufender Drehbühne (Heike Scheele). Ein Augenschmaus, auch in den fantastischen Kostümen von Gesine Völlm.

Ensemble dreht zu Höchstleistungen auf

Noch ärgerlicher angesichts der hochwertigen Besetzung, die sich von Konrad Junghänel mit der vorzüglichen „Neuen Düsseldorfer Hofmusik“ zu Höchstleistungen moti vieren lässt. Das ungleiche Brüderpaar Xerxes/Arsamenes ist mit den wohltönenden wie technisch perfekten Countertenören Valer Barna-Sabadus und Terry Wey kongenial vertreten.

Kritik
Dortmunds „Csárdásfürstin“ ist kein großer Wurf

Kaputtkriegen wird man diese goldene Operette nie. Aber die Dortmunder Oper nutzt in ihrer jüngsten Premiere längst nicht alle Möglichkeiten von Emmerich Kálmáns Prachtstück, Manches wirkt wie aus dem Tourneetheater.

Romilda, dem Objekt der allgemeinen Begierde, bleibt Heidi Elisabeth Meier nichts an virtuos-sinnlicher Perfektion schuldig. Katarina Bradić als verlassene Verlobte Amastris verbindet Bühnenpräsenz mit einem balsamisch warmen Mezzo und Anke Krabbe fühlt sich als quirlige Atalanta pudelwohl. Hagen Matzeit darf sich als Diener Elviro durch die Partie poltern und Torben Jürgens bleibt als Ariodates eher im Hintergrund.

Ein großer Publikumserfolg mit einigen Fragezeichen. Passend zur Karnevalszeit, wenn auch ohne Pappnas‘ und Kamelle.

Pedro Obiera


Kommentare
Aus dem Ressort
Die "Piano Guys" spielen Klassikpop für Millionen
Musik
Die "Piano Guys" haben Fans in jeder Altersgruppe. Bald kommen die Herren aus Utah nach NRW. Angst vor Crossover kennen die fröhlichen Amerikaner nicht, die auf ihren Videos ihre Heimat zeigen: Sie spielen vor einem Wasserfall, vor Canyons, vor dem Red Mountain – oder auf einem Fels-Plateau.
Wuppertaler schuf Weltmeister-Briefmarke im Eiltempo
Sondermarke
Der Wuppertaler Lutz Menze hat der Fußball-Weltmeisterschaft seinen Stempel aufgedrückt: Der Grafiker gestaltete während des laufenden Turniers in Brasilien einen Poststempel und eine Sonderbriefmarke. Für Weltmeister Deutschland. Mario Götze bewahrte letzten Endes die Marken vor dem Schredder.
Gedenkbaum für Ex-Beatle George Harrison von Käfern befallen
Beatles
Man könnte es Ironie nennen: Der Gedenk-Baum des ehemaligen Beatles-Mitglied George Harrison wurde ausgerechnet von Käfern befallen. Die Kiefer mit kleiner Gedenktafel im Griffith Park in Los Angeles ist wegen des starken Ungeziefer-Befalls eingegangen.
Streit um Fettecken-Schnaps - Beuys-Witwe ist entsetzt
Kunstaktion
Joseph Beuys hätte vielleicht darüber gelacht: Künstler haben aus Resten einer seiner berühmten "Fettecken" Schnaps gebrannt. Künstler-Witwe Eva Beuys findet das aber gar nicht lustig. Sie bezeichnet die Aktion als "unglaubliche Unverschämtheit".
Helge Schneider will nach der aktuellen Tour lange pausieren
Kultur
Helge Schneider will während seiner aktuellen Tournee seine Hits vom "Telefonmann" bis "Sommer, Sonne Kaktus" so darbieten, wie sie das Publikum noch nie gehört hat. Stationen im Revier sind Bochum und Dinslaken. Dann verabschiedet sich der Mülheimer Künstler in eine lange Pause.
Umfrage
Das Beispiel ist krass: Ein 23-Jähriger wird auf Facebook einer Vergewaltigung bezichtigt — aber er ist unschuldig. Wurden Sie schon Opfer von Facebook-Hetze oder Mobbing?

Das Beispiel ist krass: Ein 23-Jähriger wird auf Facebook einer Vergewaltigung bezichtigt — aber er ist unschuldig. Wurden Sie schon Opfer von Facebook-Hetze oder Mobbing?

 
Fotos und Videos