Wunderkind Joey Alexander: Mit 11 so gut wie Thelonius Monk

Das Jazz-Wunderkind Joey Alexander
Das Jazz-Wunderkind Joey Alexander
Foto: getty
Was wir bereits wissen
Er gibt bereits umjubelte Konzerte in Europa und Amerika: Joey Alexander, das Jazz-Wunderkind aus Indonesien, begeistert sogar Herbie Hancock.

Washington.. Wunderkinder waren noch nie Georg Weins Sache. Der Gründer des ältesten Jazz-Festivals der Welt – Newport/Rhode Island – ist seit 1954 der Überzeugung, dass der von ihm verehrten Musik ohne Dellen, die einem das Leben schlägt, niemals Genüge getan werden kann. Auch darum ließ der Impresario die Chance verstreichen, den damals neun Jahre alten Harry Connick Jr. bei einem seiner ersten Auftritte zu hören. Bei Josiah Alexander Sila sollte ihm das nicht noch mal passieren. Der 11-jährige Indonesier ist Ende Juli in Newport neben Größen wie Cassandra Wilson oder Jack DeJohnette das pianistische Zugpferd – und Wein hin und weg: „Ihn zu hören, war eine Erfahrung, die ich noch nie zuvor gemacht habe. Sein Stil und seine Reife ist einzigartig in diesen jungen Jahren.“

Wohl wahr.

Kultur Das Jazz-Genie Thelonius Monk bekam den ersten Klavier-Unterricht mit 11 Jahren. Im gleichen Alter gibt Josiah Alexander Sila alias „Joey Alexander“ bereits umjubelte Konzerte in Europa und Amerika. Gerade hat der Knirps seine erste Platte vorgelegt. „My Favorite Things“ (Motema Records) heißt das Werk. Publikum und Kritiker sind wie verzaubert. „Ich liebe seinen Rhythmus, sein Selbstvertrauen und sein Wissen um die Musik“, sagt Trompeter-Legende Wynton Marsalis.

Auslöser war Joeys Vater Denny. Er spielte seinem Sohn nach einem Studien-Aufenthalt in New York ganz früh die alten Meister und selbst auf dem Klavier vor: Louis Armstrong, Thelonius Monk, Duke Ellington, Horace Silver.

Der Kleine hörte begeistert zu, entwickelte spielerisch Gehör und Sinn für Swing, Noten und Tempo. Mit 6 saß er zum ersten Mal über den Tasten. Mit 7 ließ er sie nicht mehr los. Die Familie zog nach Jakarta. Mit 9 gewann Joey in der Ukraine einen begehrten Nachwuchswettbewerb. Ein YouTube-Video besorgte den Rest.

Tiefgläubige Christen-Familie

Wynton Marsalis, Direktor des Jazz-Programms am New Yorker Lincoln Center, lud den Jungen zu einer Gala ein. Joey Alexander riss das Publikum mit einer betörenden Version des beinahe schon kaputt genudelten Monk-Standards „Round Midnight“ aus den Sesseln. Billy Crystal, der Groß-Komödiant, moderierte den Abend und sagte entgeistert: „Ich glaube, der ist gedopt. Wir sollten ihn testen.“

Musik Eine Show im Apollo-Theater von Harlem schloss sich an. Von der ist ein Foto überliefert, auf dem sich der große Herbie Hancock hinunterbeugt, um dem Jungen mit der großen Brille und den schwarzen Haaren seinen Respekt zu erweisen für Sätze wie „Ich liebe Jazz, da kann ich spontan sein und mich frei ausdrücken.“

Gemeinsam mit anderen Jazz-Förderern nahm Hancock Joey Alexander unter seine Schwingen. Die Einwanderungsbehörde stellte dem Kind ein Visum aus – „für Einzelpersonen mit außerordentlichen Fähigkeiten“. Seither lebt die tief gläubige Christen-Familie, zu der neben Vater Denny noch Mutter Fara gehört, in New York den Traum ihres Jungen: Jazz.

Fernseh-Auftritte in der „Today“-Show bei NBC und in anderen Sendern haben eine stattliche Fan-Gemeinde erzeugt. Und die Debüt-Platte bekommt blendende Kritiken. Mit „Ma Blues“ hat Alexander auf „My Favorite Things“ sogar eine selbst komponierte Nummer unter Standards wie „Lush Life“ oder „Over the Rainbow“ gemischt. Dass er sich was traut, macht schon das erste Stück klar: Zehn Minuten John Coltranes schwierige „Giant Steps“.

Für Joey Alexander sind sie keinen Zentimeter zu groß.