Wütende Wiedergeburt mit neuem Album „Drones“

Foto: Danny Clinch
Was wir bereits wissen
Gitarre, Bass und Schlagzeug stehen im Mittelpunkt des siebten Studioalbums von Muse. Die neuen Songs klingen wenig komerziell, sind dafür aber wuchtig und laut.

Mit dem 2006 veröffentlichten Album „Black Holes and Revelations“ stieg Muse in die internationale Stadionrockliga der Coldplays, Foo Fighters, Bon Jovis auf. Ins Bild der rockenden Globetrotter passte auch die inzwischen gescheiterte Beziehung Matt Bellamys mit Hollywood-Schauspielerin Kate Hudson. Die Musik auf dem neuen Album „Drones“ (ab 5. Juni, Warner), das in der kommenden Woche erscheint, ist allerdings doch sehr viel eckiger und wuchtiger, als es der Lifestyle der Band vermuten lässt.

„Wir wollten ein dunkles, ein hartes und ein wirklich rockendes Album machen“, sagt Bellamy (36). „Uns kam es darauf an, wieder zu einem wirklichen Rocktrio zu werden – Gitarre, Schlagzeug und Bass in den Mittelpunkt der Songs zu stellen. ‚Drones‘ gibt uns das Gefühl einer Art Wiedergeburt.“ So wie bisher habe es nicht weitergehen können. Insbesondere auf dem vorherigen, 2012 erschienenen, „The 2nd Law“ trieb Muse es sehr weit mit dem Bombast und den elektronischen Einflüssen, man baute Dub­step ein und klang bald wie Skrillex und Konsorten. „Noch ein Schritt weiter in diese Richtung, und wir wären keine Rockband mehr gewesen“, glaubt der Sänger.

Die drei Mittdreißiger, sagt Matthew Bellamy, hätten während der Arbeit an ihrem siebten Studioalbum wieder entdeckt, „wie es sich anfühlt, ein Teenager zu sein“. Als sie Muse damals ins Leben riefen, waren sie gerade mal 15, 16, bald übermannte sie der Erfolg und die Weltkarriere. „20 Jahre Muse klingt heftig, aber ich sehe uns höchstens etwa in der Mitte unserer Karriere.“

Um sich besser auf die Musik konzentrieren zu können, verpflichtete die Band erstmals seit drei Alben wieder einen Produzenten, den geheimnisvoll-genialen Schleifer Robert „Mutt“ Lange, der zum Beispiel „Back in Black“ von AC/ DC verantwortete. So entstand mit „Drones“ ein Album, das vordergründig nicht sehr kommerziell klingt, sicher keine Hitsingles enthält, und auf harte und dramatische Weise laut ist. Stücke wie „Psycho“ und „Reapers“ kann man schon fast als wütenden Heavy Rock durchgehen lassen, in „The Globalist“ oder „Defector“ kommt die bekannte Muse-Vorliebe für Queen zum Ausdruck. Nur gelegentlich, so wie in der U2-nahen Ballade „Aftermath“ klingt das Album konventionell. Auch textlich spart Bellamy nicht an emotionaler Dramatik, etwa wenn er in „Dead Inside“ über eine Person singt, „die wie betäubt durch eine sehr dunkle Phase geht und Angst hat, aller Gefühle beraubt zu sein“.

Headliner am Samstag auf Schalke

Was wie die Aufarbeitung der Hudson-Beziehung wirkt, ist in der offiziellen Verlautbarung ein Konzeptalbum über menschenlose Kriegsführung durch Drohnen: „Das sind Todesmaschinen, die künstlich intelligent, aber frei von menschlicher Anteilnahme sind. Mir macht das große Angst, diese Abgestumpftheit.“ Auf die Frage, ob „Drones“ nicht doch eher ein Trennungs- als ein Antikriegsalbum ist, windet sich der Frontmann ein wenig. Dabei ist so manche Textpassage ziemlich eindeutig. „Ich beschreibe über den gesamten Verlauf der Platte eine Situation, über die du die Kontrolle verloren hast.“ Er denke, so Bellamy, dass man manchmal etwas abreißen müsse, um es danach neu und stärker wieder aufzubauen. „Die Botschaft ist, deine Stärke im Inneren zu suchen und nicht im Äußeren.“ Er habe in seinem bisherigen Leben nie eine Psychotherapie gemacht, doch das Schreiben der „Drones“-Songs, so glaubt er, sei einer solchen sehr nah gekommen. „Ich habe lange nicht gedacht, dass unglückliche persönliche Zeiten zu besseren Songs führen. Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher.“ Gegen Ende der Platte, im Stück „Aftermath“ findet der Protagonist seinen Frieden wieder. „Der Krieg ist vorbei, die Wunden geleckt und versorgt.“

Der aktuelle Sog in Matt Bellamys Leben ist – neben Sohn Bingham, der gerade emsig Schlagzeugspielen lernt – das blonde, sehr große Model Elle Evans, das durch einen Oben-Ohne-Auftritt in Robin Thickes „Blurred Lines“-Video bekannt wurde.

Muse spielen als Headliner bei „Rock im Revier“ am Samstag, 30.5. Karten für „Rock im Revier“ (29.-31.5.) in der Arena auf Schalke gibt’s an den Kassen Ost und West (ab 11 Uhr, Tagesticket 69 Euro, 3-Tages-Ticket 179 €)