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„Worringer Schlachten“ am Schauspiel Düsseldorf

17.02.2013 | 15:05 Uhr
„Worringer Schlachten“ am Schauspiel Düsseldorf
Düsseldorfer Schauspielhaus mit den „Worringer Schlachten“. Szene aus dem ersten Teil.Foto: Sebastian Hoppe

Düsseldorf.   Clever lässt ein Theater-Experiment am Düsseldorfer Schauspielhaus die Grenzen zwischen Kunst und Leben verschwimmen. Rund um den „Worringer Platz“ drehen sich die Eindrücke aus Realität, Kunst, Klischee - jetzt ist der Dreiteiler vollendet worden.

Auch Theater ist Recherche. Eine Suche nach Wahrheit und Wirkung. Warum in die Ferne schweifen, wenn der Konfliktstoff gleich vor der Tür liegt. Nurkan Erpulat, Hausregisseur am Schauspielhaus, startet am Worringer Platz, wenige Schritte vom Spiel- und Probenort Central entfernt. Platz da! Aber für wen.

Für Pendler? Für Anwohner? Für Obdachlose? Für Händler? Für Süchtige? Für Künstler? Für Fremde? Die Materialsammlung umkreist jenen gern als „Schandfleck“ titulierten Verkehrsknotenpunkt, vermeintlicher Makel im schönen Düsseldorfer Stadtgesicht. Ein wunder Punkt, der so manches über Verunsicherungen und Ängste ausplaudert.

Stadtrechte schlagen den Bogen bis zur Gegenwart

Denn mit den Stadtrechten, so schlagen Erpulat, Autorin Anna Jelena Schulte einen beziehungsreichen Bogen von 1288 bis heute, sind die „Worringer Schlachten“ längst nicht ausgefochten. Platzbestimmung ist ein alltäglicher Kampf - im eigenen Leben, in der Stadt, im Land, in der Welt.

Simin Soraya, Elena Schmidt und Christian Ehrich in Worringer Schlachten - Teil 3. Bild: Sebastian Hoppe

Ganz nah am Asphalt hat Erpulat O-Töne, Stimmen und Stimmungen eingefangen für seinen Annäherungsversuch in drei Schritten: Bereits im Oktober waren Neugierige eingeladen, Witterung am Worringer Platz aufzunehmen, unmittelbar Kneipe, Hinterhof oder Privatwohnung zu erkunden. Wobei den realen Orten sensibel kleine Theaterszenen implantiert wurden. Darauf folgte im November eine Experten-Diskussion über Raum und Architektur. Am Samstagabend nun Teil drei, die abschließende Theater-Premiere der „Worringer Schlachten“. Eine Collage der gesammelten Erfahrungen, die das Publikum zu Stadtbegehern wie zu Beobachtern in Fundus-Sesseln macht.

Pflaster für Neider - oder doch eher Drogenambulanz?

Amüsant, die Einstimmung des Anzugträgers in OB-Wahlkampf-Duktus auf das Erfolgsmodell Düsseldorf: nix für Nörgler und Neider! Danach geht’s raus zum Abgleich: Drogenambulanz, private Absteige, Glashaus. Da berühren die knappen Porträts – ob Flaschensammler oder Kellnerin, fein ausbalanciert zwischen Nähe und Distanz von den Schauspielern Jonas Anders, Christian Ehrich, Elena Schmidt und Simin Soraya.

Jonas Anders und Elena Schmidt in Worringer Schlachten - Teil 3. Bild: Sebastian Hoppe

Schwer tut sich der Zuschauer später mit dem Karaoke-Einstieg ins Mini-Drama um die erodierende Familie im weißen Wohnzimmer eines abstiegsgefährdeten Architekten. Da wirkt das Eindringen realer Figuren zu modellhaft und politisch korrekt. Dennoch: ein anregender Abend für gemischte Gefühle.

Termine: „Worringer Schlachten“ im Central, Worringer Straße 140 am 20. und 28. Februar, jeweils 20 Uhr., Karten: 0211/ 36 99 11

Ulrike Merten



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